Gewerkschaft NGG warnt vor Altersarmut

Landkreis Zwickau: 14 Prozent mehr Rentner auf Stütze vom Amt angewiesen

Zwickau.

Immer mehr Menschen im Landkreis Zwickau sind neben ihren Altersbezügen auf staatliche Stütze angewiesen. Die Zahl der Empfänger von "Alters-Hartz-IV" stieg innerhalb von zehn Jahren um 14 Prozent. Gab es im Kreis Zwickau 2008 noch 1759 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 2000. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG beruft sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamtes. Danach erhielten in ganz Sachsen zuletzt rund 30.000 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung - 25 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Volkmar Heinrich, Geschäftsführer der NGG-Region Dresden-Chemnitz, sieht den Trend mit Sorge. "Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Denn sehr viele Menschen, die wegen Mini-Renten eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück", sagt Heinrich. So sind nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bundesweit aktuell bereits 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. Ohne die Einführung einer Grundrente könnte das Armutsrisiko laut DIW bis zum Jahr 2039 auf 21,6 Prozent steigen.

"Eine entscheidende Ursache für dürftige Renten sind niedrige Einkommen. Auch wer Jahrzehnte in einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, landet im Alter oft unter der Armutsschwelle. Das liegt auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Hinzu kommt der Trend zu Teilzeit und Minijobs", erklärt der Gewerkschafter. Die NGG fordert die Große Koalition auf, beim Thema jetzt ernst zu machen. Wer Jahrzehnte gearbeitet habe, habe mehr verdient als die bloße Grundsicherung. "Für Tausende Beschäftigte allein im Kreis Zwickau stellt sich die Frage, ob ein würdiger Lebensabend in Zukunft noch möglich ist", warnt Heinrich. Die Politik müsse die nötigen Mittel aufbringen, um Altersarmut im großen Stil zu stoppen. (fp)

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