Glauchau: Idee vom Start-up-Center bleibt umstritten

Der Mehrheit des Stadtrats hat sich zwar für die Idee ausgesprochen, doch bleiben Zweifel. Dabei gibt es im Landkreis bereits ernsthafte Überlegungen.

Glauchau.

Nur eine fixe Idee oder steckt da eine Chance drin? Auf jeden Fall will die Mehrheit der Stadträte genauer wissen, ob ein Gründerzentrum in Glauchau möglich ist, und wenn ja, wo und wie. Auf Initiative der FDP-Stadträte hat das Gremium die Stadtverwaltung beauftragt, entsprechende Untersuchungen hinsichtlich der Kosten und der geeigneten Immobilie anzustellen und die Ergebnisse den Räten Ende März vorzulegen. Doch die Sache ist umstritten.

Nach Ansicht von FDP-Stadtrat Nico Tippelt könnte so ein Gründerzentrum junge und kreative Leute nach Glauchau locken. Die Stadt müsse attraktiv für junge Unternehmer werden. In den Hochschulen der Region sieht Tippelt jede Menge Potenzial. Zwar hätten die Liberalen das ehemalige Arbeitsamt an der Hoffnung als Standort eines solchen Start-up-Centers im Auge, doch wenn die Stadt andere geeignete Immobilien findet, sei dies auch kein Problem. Möglicherweise gibt es sogar Möglichkeiten, sogenannte Coworking Spaces anzubieten, als zeitweise Vermietungen von modern ausgestatteten Büroflächen an Freiberufler und junge Unternehmer, die keine abgeschlossenen Büros brauchen.

Von dieser Idee hält der Fraktionschef der Freien Wähler, Stephan Wusowski, wenig. Es gebe in der Stadt schon genügend leer stehende Gewerberäume. Mit so einem Prüfauftrag gingen in der Stadtverwaltung "Ressourcen flöten". Felix Beyer (SPD) macht darauf aufmerksam, dass Coworking Spaces in Amerika und in London erhebliche Verluste einfahren. Ines Springer (CDU) stellt sich die Frage, warum die Stadt Lichtenstein zum Beispiel aus ihrem Technologieorientieren Dienstleistungszentrum ausgestiegen ist.

Glauchaus Wirtschaftsförderin Astrid Modrack hat nach eigenen Worten in der Arbeitsgemeinschaft Zwickau vorgefühlt. Vertreter des Landratsamtes, des Tourismusvereins, der Industrie- und Handelskammer und kommunale Wirtschaftsförderer würden prüfen, inwieweit sich das Projekt "The Box" in Westsachsen umsetzen lasse. Dahinter verberge sich eine leer stehende Immobilie, die interessierten Existenzgründern und Unternehmern, zum Beispiel Online-Händlern, die Möglichkeit gibt, ein Ladengeschäft in der Praxis für eine kurze Zeit auszutesten, ohne dabei massiv investieren zu müssen oder an langfristige Verträge gebunden zu sein.

Nach Angaben der IHK gibt es ein solches Projekt in Belgien. "The Box Flanders" betreibt fünf dieser Räumlichkeiten in den Städten Gent, Brugge, Genk, Turnhout und Mechelen - gefördert durch die Partnerstädte, die Europäische Union und verschiedene Agenturen.

Unter den Stadträten gibt es neben den FDP-Vertretern auch weitere Befürworter eines Start-up-Centers in Glauchau. "Das ist prinzipiell eine gute Idee", sagt der SPD-Stadtrat Roland Frenzel. Darüber müsste man noch spezifischere Kenntnisse erlangen. Tobias Kraska (CDU) kann sich als Standort für eine solche Einrichtung sehr gut den Schlachthof am Franz-Mehring-Platz vorstellen.

Dass das Vorhaben umstritten ist, stört Nico Tippelt nicht. Im Gegenteil. Die Debatte habe gezeigt, dass man besser kommunizieren müsse, um mehr voneinander zu wissen. Er spielt dabei auf die landkreisweite Idee "The Box" an.

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