Glauchauer freuen sich: Meister Adebar ist wieder da

Das Storchennest auf der Gelectra-Esse ist erneut bezogen: Am gestrigen Dienstagmorgen wurde ein Rotschnabel dort gesichtet. Das ist so zeitig wie noch nie.

Glauchau.

Die frohe Kunde ging wie ein Lauffeuer durch Glauchau: Der Storch ist da! Auch in der Redaktion klingelten am gestrigen Dienstag gleich die Telefone. Fotoreporter Andreas Kretschel hat sich daraufhin gleich auf die Lauer gelegt und Meister Adebar auf dem Horst, wie das Storchennest genannt wird, auf der Gelectra-Esse an der Wehrstraße fotografiert.

Hobbyornithologe Horst Fritsche, der die Glauchauer Störche seit vielen Jahren beobachtet, sagte: "Ich habe den Storch kurz nach 9 Uhr zum ersten Mal gesehen. Er kommt ganz schön zeitig diesmal." Das stimmt. Voriges Jahr hatte der erste Vogel erst am 8. März das Quartier bezogen. In den beiden Jahren davor ließ sich am 24. Februar der erste Storch blicken.

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Jens Hering, Ornithologe und Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, sagt: Der Glauchauer Vogel ist nicht der erste, der im Landkreis Zwickau dieses Jahr gesichtet wurde. "Eine Mitarbeiterin des Landratsamtes hat bereits vorige Woche zwei Störche im Bereich Langenhessen beobachtet, die vielleicht in Neukirchen, wo es zwei Horste gibt, Quartier beziehen oder nur auf der Durchreise waren." Jens Hering geht davon aus, dass die Tiere, die schon so zeitig in der Region ankommen, nicht in Afrika, sondern in Portugal oder Spanien überwintert haben. So ist ihr Flug gen Norden wesentlich kürzer.

In Glauchau hoffen die Storchenfreunde, dass sich zum Neuankömmling bald eine Partnerin gesellt und sich Nachwuchs einstellt. Voriges Jahr hatte die Freude über die Küken nur zwei Tage gewährt. Dann fanden Passanten die drei Kleinen am 8. Mai tot am Fuße des Schornsteins. Jens Hering sagte, dass es damals wahrscheinlich einen Kampf auf dem Horst gegeben habe. Dabei seien die Küken womöglich herausgefallen. Zu solchen Kämpfen könne es kommen, wenn ein Tier ein bereits belegtes Brutnest umkreist und dem dortigen Storch seinen Platz streitig macht. Auf der Esse in Glauchau sind schon viele Störche großgezogen worden. 2015 wurden dort fünf kleine Adebare flügge. Im gleichen Jahr hatten fünf Storchenpaare im Kreis Zwickau insgesamt 17 Jungstörche großgezogen. Im Jahr darauf gab es mit 18 Tieren so viel Nachwuchs wie noch nie bei den Adebaren. In neun Horsten war damals erfolgreich gebrütet worden. Voriges Jahr wurden nur elf Storchenkinder gezählt.

Während in Glauchau Freude über die Ankunft des ersten Storches herrscht, steigt im benachbarten Schlunzig die Spannung, ob sich denn dieses Jahr endlich wieder ein Paar auf dem Kirchendach einnistet. Bereits seit 1974 hatte es dort Rotschnäbel gegeben. 1976 schlüpften die ersten Küken. Das Nest war die erste Brutstätte im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt. Seither sind in Schlunzig mehr als 80 Junge großgezogen worden. Doch in den vergangenen fünf Jahren blieb der Horst auf dem Gotteshaus verwaist. In jedem Frühjahr hoffen Schlunziger seither, dass die Störche ins Dorf zurückkehren.

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