Glauchauer Geschichte ist sein Metier

Günter Bormann hat auch bei den Recherchen zum Rathaus eines gelernt: Veränderungen gehen nicht selten mit Protest einher.

Glauchau.

Wenn Günther Bormann über Glauchaus Stadtgeschichte erzählt, ist es mucksmäuschenstill. So war es auch am Mittwochabend im Stadttheater, wo der 84-Jährige vor gut 30 Personen über die Zeit zwischen 1819 und 1849 sowie die Wende vor 30 Jahren referierte. Nicht ohne Grund: Es waren jeweils Zeiten, die von Aufbruch, Reformen, Veränderungen und dem Drang nach Freiheit geprägt waren.

Denn nachdem 1848 in Paris die Republik ausgerufen worden war, befürchtete der sächsische König, dass sich dieser Protest ausweiten könnte. Verschiedene deutsche Staaten schickten Vertreter nach Frankfurt, um eine neue Reichsverfassung auf den Weg zu bringen. "Die war im Frühjahr 1849 fertig", erklärt Bormann, der zur Arbeitsgruppe Stadtgeschichte gehört. Doch anerkannt wurde diese Verfassung nur von den kleinen deutschen Staaten, die großen lehnten sie ab - auch der sächsische König. Der Landtag nahm allerdings die Verfassung an. Querelen, die schließlich in der Entlassung des Landtags durch den König mündeten. "Das führte zu einem Aufstand der Bürger, den es in dieser Form bis dahin noch nie gegeben hatte", sagt Bormann. Während der sächsische König floh, forderte die provisorische Regierung die Städte auf, Unterstützung nach Dresden zu schicken. Ein Aufruf, der auch im liberalen Glauchau bei Bürgermeister Ottokar Dörffel und bei seinen Bürgern nicht verhallte. So machten sich Hilfstruppen auf den Weg. Denn auch die Bürger aus Glauchau verachteten das absolutistische System, forderten, dass Vertreter des Volkes ihre liberalen Ideen einbringen und somit Einfluss auf die damalige Regierung ausüben konnten.

Wenngleich laut Bormann 1849 andere Ziele die Menschen in Glauchau auf die Straße trieben, müssen "auch zur Wende 1989 die Emotionen der Menschen ähnlich gewesen sein". So war der 16. Oktober 1989 für die Glauchauer ein wichtiger Tag: "Denn nach dem ersten montäglichen Fürbittgottesdienst in der Lutherkirche und einer unerwarteten Diskussion in der Aula der Schule wurde die erste geplante Demonstration in Glauchau von Pfarrer Christian Mendt und Bürgermeister Peter Dresler angeführt", sagt Bormann, der diese Geschehnisse in der Broschüre "Friedliche Revolution in Glauchau" aufgearbeitet hat.

Außerdem hat Bormann mit dem jüngst verstorbenen Rolf Scheurer eine weitere Broschüre herausgebracht. Unter dem Titel "Glauchau zwischen 1819 und 1849 - vom Wiederaufbau des Rathauses bis zur Selbstständigkeit der Stadtverwaltung" taucht der Ex-Apotheker erneut in die Stadtgeschichte ein. Passend dazu läuft bis zum 13. November im Foyer des Rathauses die von der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte konzipierte Ausstellung "200 Jahre Glauchauer Rathaus - stets wandelbar aber unveränderlich".

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