Handicap ist kein Hindernis

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Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen finden oft nur schwer eine Tätigkeit. Eine Chance bietet nun der Biohof Franke in Frankenhausen. Inhaberin Uta Franke hofft, weitere Betriebe mit ins Boot holen zu können.

Frankenhausen.

Sorgfältig räumt Susan Neubauer die frischen Salatköpfe auf den Verkaufstisch. Unterstützung bekommt die 38-Jährige beim Auffüllen der Regale von ihren Kollegen Lutz Gärtner und Markus Wiegand. Seit November arbeitet die Crimmitschauerin auf dem Biohof Franke in Frankenhausen. Eine ganz normale Mitarbeiterin, denken die Kunden auf den ersten Blick. Doch Susan Neubauer hat ein Handicap.

Jahrelang war die Legasthenikerin erfolglos auf der Suche nach einer Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt. Mit ihrer Tätigkeit in einer Behindertenwerkstatt wollte sie sich nicht zufrieden geben. Die Crimmitschauerin hat schon einen regelrechten Praktikum-Marathon hinter sich. Doch jedes Mal bekam sie von Arbeitgebern eine Absage. "Das ist frustrierend. Die meisten Betriebe schrecken davor zurück, Menschen mit Handicap einzustellen", sagt sie. Vergangenes Jahr erfuhr sie aus der Zeitung von Uta Franke und ihrem Biohof. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit stand für sie fest: "Hier möchte ich bleiben".

Seit Juli 2020 stellt der kleine landwirtschaftliche Betrieb als "Anderer Leistungsanbieter" Menschen mit Handicap ähnlich wie in einer Behindertenwerkstatt, Plätze für die Teilhabe am Arbeitsleben zur Verfügung. "In Sachsen sind wir damit einer der Ersten. Auf unserem Hof kann man zunächst in die verschiedenen Bereiche wie zum Beispiel Gartenbau, Hofladen und Tierhaltung hineinschnuppern und später individuell nach seinen Fähigkeiten in dem jeweiligen Bereich arbeiten", sagt Biohof-Inhaberin Uta Franke.

Ein Konzept, das nicht nur bei Susan Neubauer gut ankommt. Seit Februar unterstützt auch Lutz Gärtner das Team. Der 50-Jährige hat unter anderem die Aufgaben die Etiketten auf die Gläser und Flaschen zu kleben und die Waren im Ladenbereich zu kontrollieren. Die Arbeit macht dem Zwickauer, der jeden Morgen aus Weißenborn kommt, bisher Spaß. "Anders als in der Werkstatt ist die Arbeit hier vielfältiger. Außerdem finde ich das Miteinander sehr schön. Jeden Morgen frühstücken wir gemeinsam, und am Freitag setzen wir uns an einen großen Tisch und besprechen, wie die Woche so war", sagt der Westsachse.

Auch Sonja Popp aus Trünzig schätzt die Atmosphäre auf dem Biohof. Die 19-Jährige ist die Jüngste in der Runde, hat aber die gleiche Verantwortung wie ihre Kollegen. "Ich finde es gut, dass man hier auch mal gefordert wird. Als Mensch mit Handicap bekommt man immer einen gewissen Stempel aufgedrückt. Dabei kann ich genauso wie andere selbstständig arbeiten", sagt die junge Frau.

Uta Franke weiß, dass die Zulassung als "Anderer Leistungsanbieter" mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden ist, doch der lohnt sich am Ende: "Sich einbringen, etwas leisten, Wertschätzung am Arbeitsplatz erfahren - das ist für Menschen mit Beeinträchtigungen ebenso wichtig wie für Andere." Seit 2018 können sich Menschen mit Behinderung sowie psychischen Erkrankungen auch außerhalb der klassischen Werkstätten nach Beschäftigungsmöglichkeiten umschauen. Die Kosten für solche Projekte trägt in Sachsen der Kommunale Sozialverband. Für die Zukunft wünscht sich Uta Franke Kooperationspartner sprich Betriebe mit ins Boot zu holen, um noch ein breiteres Angebot zu erreichen.

Interessierte und Angehörige sind auf dem Biohof in Frankenhausen willkommen und können sich über die Angebote informieren. Momentan gibt es noch freie Stellen. Uta Franke ist telefonisch erreichbar.

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