Hartmannsdorf bekommt Mini-Kinderheim

Das alte Vereinsheim an der Badstraße, das die Gemeinde erst umgebaut hatte, steht schon wieder leer. Die afrikanischen Jugendlichen sind um- und ausgezogen.

Hartmannsdorf.

Johanniter-Regionalvorstand Pierre Söllner nannte es ein Vorzeigeprojekt in Sachen Integration. Doch es ist so gut wie Geschichte. Sieben von elf minderjährigen Jugendlichen aus Guinea, Eritrea, Sierra Leone und der Elfenbeinküste haben bereits gepackt. Manche sind nach Zwickau in eine eigene Wohnung gezogen, zwei haben eine Ausbildung begonnen, vier bleiben in den umgebauten Räumen im Rathaus wohnen. Die Zahl der neu ankommenden unbegleiteten minderjährigen Ausländer geht laut Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus (CDU) zurück. Die Gemeinde funktioniert deswegen das alte Vereinsheim in ein Mini-Kinderheim um. Ziel ist, Mitte Oktober zu starten. Bis dahin müssen noch Umbauten vorgenommen werden.

Nach Angaben des Jugendamtes des Landkreises sind acht Plätze für Kinder im Alter von null bis zehn Jahren geplant. Der Eröffnungs- termin stehe noch nicht fest. Bislang fehlt die nötige Betriebserlaubnis, so Ilona Schilk, Sprecherin der Landkreisbehörde. Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern kommen, werden künftig auf die übrigen Einrichtungen im Landkreis verteilt. Aktuell erhalten 160 dieser Jugendlichen Hilfen des Jugendamtes.

Laut Johanniter-Mitarbeiterin Kathleen Glaap, bisher Leiterin der Unterkunft für die jungen Flüchtlinge, bleibt das Team das selbe. Man wolle die Möglichkeiten, die der ländliche Raum bietet, nutzen, um kleine Kinder optimal zu betreuen und Eltern zu befähigen, sich wieder um ihre Kinder zu kümmern. Die Verweildauer der Kinder sei auf maximal zwei Jahre angelegt.

Glaaps Resümee des Flüchtlingskinder-Integrationsprojektes fällt zufriedenstellend aus. "Es waren typische pubertierende Jugendliche, die wir alle zum Schulbesuch bringen konnten." Sie versuchte mit ihren sechs Kollegen, die rund um die Uhr da waren, den Jugendlichen ein Gefühl dafür zu vermitteln, warum Deutschland so erfolgreich ist: "Weil man täglich in die Schule oder arbeiten geht", sagte Glaap. In den Ferien organisierten die Johanniter nicht nur Jux und Gaudi, sondern auch Praktika, für die man zeitig raus musste. Da habe sich die Spreu vom Weizen getrennt, berichtete die Projektleiterin. Letztlich hätten alle die Regeln verstanden, einige freilich zugegeben, dass ihnen manches schwer falle. "Integration schafft man nicht in zwei oder fünf Jahren, vielleicht aber in der nächsten Generation", ist sich Sozialpädagogin Glaap sicher.

Glaap zufolge hatten sich fast alle Jugendlichen wegen familiärer Probleme und Perspektivlosigkeit auf den Weg nach Deutschland gemacht. "Die aus den ärmsten Ländern, die Hunger kennen und kein Obdach hatten, sind am meisten motiviert. Sie sind lernwillig, fleißig, zuvorkommend." In den anderthalb Jahren habe es mal einen Polizeieinsatz gegeben, ansonsten sei alles ruhig verlaufen. Auch dank eines tollen Helferkreises, auf den die Johanniter auch beim Kinderheim zählen.

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