Haus des "Denkmal-Doktors" wird zum Streitfall

Jahrelang restaurierte Frank Pastille das Wohnhaus der ehemaligen Schlossmühle in Glauchau. Die Käufer werfen ihm nun aber Betrug vor. Der Fall landet vor Gericht.

Glauchau/Zwickau.

Frank Pastille, der "Denkmal-Doktor", wirkt niedergeschlagen, als er am Dienstag den Saal 305 des Zwickauer Landgerichts verlässt. Nicht, weil der Verhandlungstermin schlecht gelaufen wäre, man sei im Gegenteil fürs Erste sehr zufrieden, sagt sein Anwalt. Nein, Frank Pastille ist niedergeschlagen, weil er nun einem möglicherweise langjährigen Rechtsstreit entgegenblickt. "Ich bin sehr unglücklich darüber, dass es sich so entwickelt hat", sagt er, schüttelt mit dem Kopf und zuckt mit den Achseln. "Ich bin ein sehr friedliebender Mensch."

Es geht um das Haus am Mühlberg 6, das Wohnhaus der ehemaligen Glauchauer Schlossmühle, das Pastille 2013 für 1 Euro von der Stadt gekauft und in jahrelanger Arbeit hergerichtet hat. Der Bauingenieur, der als "Denkmal-Doktor" bekannt ist, entfernte alte DDR-Bausünden, sanierte die Fassade und brachte es in einen Zustand, in dem die historische Bausubstanz des 1680 errichteten Gebäudes übrig blieb. So verkaufte er es 2017 an ein Paar aus Bayern. Die neuen Eigentümer aber sind mit dem Haus nicht froh geworden und erheben nun schwere Vorwürfe gegen den Sanierer. Die Rede ist von Arglist, Täuschung und Betrug.

Der "Freien Presse" gegenüber wollen sich die Bayern nicht äußern, dafür erläutert aber ihr Anwalt Tord Leichsenring vor Gericht ihre Sicht der Dinge: So seien im Haus eklatante Mängel und Schäden vorhanden, die der "Denkmal-Doktor" kaschiert haben soll. Die neuen Eigentümer könnten daher in dem Bau nicht wohnen und müssten erst selbst umfangreiche Sanierungen vornehmen. Allerdings nicht ohne vorher alle Befunde ausführlich zu dokumentieren. "Meine Mandanten haben keinen Wohnraum", sagt Leichsenring. "Sie wohnen vor dem Gebäude in einem Wohnwagen."

Pastilles Anwalt Hans-Martin Flotho weist den Vorwurf zurück, beim Verkauf bewusst Mängel verschleiert und somit betrogen zu haben und verweist stattdessen auf das Alter des Hauses. "Sie haben es gekauft in dem Bewusstsein, dass ein altes Gebäude immer ein Risiko bedeutet." Und über seinen Mandanten sagt er: "Ich habe selten einen derart aufrichtigen, geradlinigen Menschen kennengelernt wie Frank Pastille."

Der Streit ist vor Gericht gelandet, weil die Käufer keinen anderen Weg sehen. Dass Pastille nachbessern müsste, also im Sinne einer Gewährleistung Mängel beheben, ist im Kaufvertrag ausdrücklich ausgeschlossen worden. Das sei nicht unüblich bei solchen Objekten, hieß es. Der Versuch, den Streit außergerichtlich zu klären, ist an den unterschiedlichen Vorstellungen gescheitert. Der "Denkmal-Doktor" soll lediglich einen Rabatt auf den Kaufpreis in Höhe einer niedrigen vierstelligen Summe angeboten haben, während die Käufer von ganz anderen Dimensionen ausgehen: Sie fordern rund 130.000 Euro von Pastille. Eine Summe, die sogar den ursprünglichen Kaufpreis bei Weitem übersteigt. Nach eigenen Angaben hat das Paar lediglich 84.000 Euro für das Fachwerkhaus bezahlt.

Nach Ansicht des Richters könnte sich nach dem Scheitern der Güteverhandlung am Dienstag der nun folgende Rechtsstreit voraussichtlich mehrere Jahre hinziehen und über mehrere Instanzen gehen. Zu weit würden die Ansichten beider Seiten auseinanderliegen. In der nächsten Stufe werde es vor allem um die Inhalte des Kaufvertrags gehen, bevor der von den Käufern zusammengetragene Katalog angeblicher Mängel zur Sprache kommt. Voraussichtlich müssen dafür mehrere Gutachter herangezogen werden. Das Gericht dämpfte zugleich die Erwartungen der Käufer: Frank Pastille habe sich nie verpflichtet, ein mangelfreies und gebrauchsfertiges Gebäude zu übergeben.

Der Streit, sagt Pastille, sei schon kurz nach dem Verkauf vor ziemlich genau einem Jahr losgegangen. Er hat schon mehrere alte Häuser vor dem Verfall gerettet. Dass er sich mit Käufern vor Gericht wiedertrifft, sei ihm aber noch nie passiert.


Fernsehteam hat Sanierungsfortschritt begleitet

Die Stadt Glauchau kontaktierte den auf Denkmalrettung spezialisierten Frank Pastille vor sechs Jahren, weil man sich Ideen für die zahlreichen schlecht erhaltenen Baudenkmäler erhoffte. 2012 kam der Bauingenieur nach Glauchau und nahm mehrere Gebäude in Augenschein. Er blieb beim 1680 erbauten Haus am Mühlberg 6 hängen und verpflichtete sich 2014, es innerhalb von zwei Jahren zu sanieren. Das ZDF dokumentierte die ersten Monate seiner Sanierungsarbeiten und zeigte sie in der Sendung "Mit Herz und Hammer". 2016 litt das Haus mehrfach unter Vandalismus. 2017 verkaufte Pastille es an ein Paar aus Bayern weiter. (ael)

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...