Hilfe zur Selbsthilfe: Hebamme bildet in Afrika aus

Die Hebamme Edeltraut Hertel sitzt bereits auf einem gepackten Koffer. Im Oktober geht es wieder nach Eritrea. Dort bildet sie medizinisches Personal aus. Die Geburtspuppe im Gepäck soll als Anschauungsobjekt dienen.

Glauchau.

Jahrzehntelang holte die gelernte Hebamme Edeltraut Hertel Kinder auf die Welt. Ihr Wissen gab die Glauchauerin in ihren zahlreichen Auslandseinsätzen weiter. Nach Stationen als Lehrerin in Tansania, Nordirland und Krisengebieten wie Mazedonien und Sudan unterstützt die 67-Jährige nun den 2018 gegründeten gemeinnützigen Verein "Medical Education and Training for Africa" in Eritrea.

Obwohl sich die gelernte Krankenschwester bereits seit 2017 im Ruhestand befindet, bildet sie weiterhin mit viel Leidenschaft ehrenamtlich medizinisches Personal in Afrika aus. "Bildung ist die einzige Entwicklungshilfe, die etwas nützt. Unser Verein schafft Bedingungen, in denen Hilfe nicht mehr benötigt wird", sagt die Referentin. Ziel ist die nachhaltige Verbesserung der medizinischen Versorgung in der Frauenheilkunde - und zwar per Hilfe zur Selbsthilfe. Der Verein mit Sitz in Remscheid liegt viel Wert auf die medizinische Aus- und Weiterbildung und eine enge Zusammenarbeit mit den akademischen Lehrkrankenhäusern vor Ort. Denn bloße Geldspenden komme meist nicht dort an, wo es geplant ist, so Hertel. Im März war die Ehrenamtlerin, die bereits ein Bundesverdienstkreuz erhielt, für zwei Wochen in der Hauptstadt von Eritrea. Der nächste Aufenthalt ist im Oktober geplant. Mit auf die Reise geht auch wieder die 20Jahre alte Geburtspuppe, die ihr als Anschauungsmodell dient.


Anders als in Deutschland kommen die meisten Kinder in der Subsahara ganz ohne ärztliche Hilfe auf die Welt, berichtet die Lehrerin, die 15 Jahre als niedergelassene Hebamme in Glauchau arbeitete. Geburtsbegleiter sind fast ausschließlich Hebammen. Im Unterschied zu Deutschland ist die afrikanische Hebamme auch männlich. Die Entbindungspfleger tragen daher eine hohe Verantwortung, weshalb ihre fachliche Aus- und Fortbildung sehr wichtig ist. "Durch Weiterbildungen vermitteln wir Vorsorgemaßnahmen, den korrekten Umgang mit dem Ultraschallgerät und der Reanimation von Neugeborenen. Oft hilft es auch einfach, für die Frauen im Kreißsaal da zu sein und sie nicht in ihren Schmerz allein zu lassen.", sagt die Diplom-Medizinpädagogin. Anders als in Deutschland gibt es kein fließendes Wasser im Kreißsaal. Auch Stromanschlüsse sind nicht immer vorhanden, um technisches Equipment einzusetzen und oft habe man mit Stromausfällen zu kämpfen. Jedoch hat die auslandserprobte Hebamme gelernt, dass man nicht automatisch klüger sei, nur weil man aus Europa kommt.

Die Dozentin für medizinische Fachberufe ist immer wieder von dem Engagement und der Wissbegierde der Lernenden beeindruckt. "Mit viele Fleiß haben sie sich medizinisches Fachwissen angeeignet", sagt die Glauchauerin, die auch an der Medizinischen Berufsfachschule des Klinikums Chemnitz unterrichtete. Kein leichtes Unterfangen in dem vom 20-jährigen Bürgerkrieg gebeutelten Land, in der die Mütter- Säuglingssterblichkeit sehr hoch ist. Prinzipiell sei die Medizinausbildung im Land gar nicht schlecht. Viele junge Menschen mit guter Ausbildung ziehen jedoch nach Äthiopien, wo sie besser Geld verdienen können. Dadurch herrscht im Land ein Mangel an einheimischem Fachpersonal.

In Eritrea habe sie viele Menschen vor Ort und im deutschen Team kennengelernt. "Daraus haben sich Freundschaften entwickelt", so Hertel. Zusätzlich habe sie viel von den erfahrenen deutschen Kinderärzten gelernt.

Für Henriette von Seckendorff, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, leiste Hertel einen nachhaltigen Beitrag durch die Ausbildung des medizinischen Personals vor Ort. "Frau Hertel bringt viel Erfahrung in der Weiterbildung mit. Ihr praktischer Unterricht in den zwei großen Geburtskliniken in Asmara kommt sehr gut an."

Wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert oder anderweitig den Verein unterstützen möchte, kann sich auf der Webseite informieren.

www.met4a.org

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