"Ich brauche nun einfach eine Handball-Auszeit"

Der HC-Vorsitzende Jens Rülke spricht über Gründe für den Rücktritt und Probleme in der Sachsenlandhalle

Glauchau/MeeranE.

Der HC Glauchau/Meerane gehört mit seinen mehr als 300 Mitgliedern zu den größten Sportvereinen in der Region. An der Spitze gibt es nun einen Wechsel, der für Gesprächsstoff in Glauchau und in Meerane sorgt. Der langjährige Vorsitzende Jens Rülke hört auf. Holger Frenzel sprach mit dem 55-Jährigen.

Freie Presse: Welche Gründe gibt es für Ihren Rückzug aus dem Vorstand?

Jens Rülke: Ich habe eine extrem lange Zeit die Verantwortung übernommen - seit 1995 als Vorstandsmitglied des damals gegründeten HSV Glauchau und seit 2001 als Vorsitzender. Die Überlegung, etwas kürzer zu treten, gab es schon seit längerer Zeit. Nun spielen verschiedene Gründe eine Rolle: Ich brauche nun einfach eine Handball-Auszeit und mehr Zeit für unsere Firma und für meine Familie, zu der auch drei tolle Enkel gehören. Der HC Glauchau/Meerane wird aber auch weiterhin ein ganz wichtiger Teil in meinem Leben sein und meine Unterstützung erhalten.

Wann ist die Entscheidung gefallen?

Die Mitglieder des Vorstandes kennen meine Pläne schon länger. Ich habe sie schon vor drei Jahren informiert, dass ich zu den nächsten Vorstandswahlen, die nun anstehen, nicht noch einmal zur Verfügung stehe.

Wie schwer ist Ihnen diese Entscheidung gefallen?

Sehr schwer. Und was sie letztendlich für mich bedeutet, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht noch gar nicht richtig einschätzen. Seit 1995 hat der Handball fast alles bestimmt - egal ob es um den Urlaub oder die Familienfeiern ging. Für mich beginnt ein neuer Abschnitt.

Der HC Glauchau/Meerane hat in den letzten sechs Jahren in der mitteldeutschen Oberliga gespielt. Das ist die vierthöchste Spielklasse in Deutschland. Stößt der Verein damit an seine Grenzen?

Die Liga ist leistungsorientiert und attraktiv - für Sponsoren, Fans und Sportler. Hier spielen Teams aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Aus meiner Sicht ist es für ein Team aus Glauchau und Meerane sehr anspruchsvoll, in dieser Liga zu spielen und zu bestehen.

Vor fünf Jahren gab es die Fusion des HSV Glauchau und des SHC Meerane. Warum hat das gemeinsame Team nicht mehr Zuschauer angelockt?

Wir hatten phasenweise im Durchschnitt rund 400 Zuschauer. Mehr Leute konnten wir leider nicht für den Handball begeistern. In der letzten Saison gab es einen Rückgang, was eindeutig mit den sportlichen Leistungen der ersten Mannschaft in der Hinrunde zusammenhängt.

Viele Handball-Vereine profitieren von den Cateringeinnahmen. Sie dürfen in der Sachsenlandhalle - durch die vertragliche Situation - keine Speisen und Getränke verkaufen. Ist das ein Wettbewerbsnachteil?

Es ist definitiv kein optimaler Zustand. Wir haben uns in den letzten Jahren mehrfach mit der Situation beschäftigt. Klar gibt es ganz andere wirtschaftliche Möglichkeiten, unter anderem in der Sponsorenbetreuung, wenn man als Verein das Catering übernehmen und die Einnahmen behalten darf. Trotzdem darf man nicht vergessen: Die Sachsenlandhalle ist eine schöne Sportstätte, um die uns viele andere Vereine beneiden.

Am 22. August wählen die Mitglieder einen neuen Vorstand. Was braucht Ihr Nachfolger?

Viele wollen Handball spielen, doch nur wenige übernehmen Aufgaben im Ehrenamt. An dieser Grundeinstellung muss sich etwas ändern. Mit dem Problem plagen sich viele Vereine herum. Mein Nachfolger braucht die gesamte Unterstützung aus dem Verein, sowie die Rückendeckung von beiden Städten und den Sponsoren. Wir haben 13 Handball-Mannschaften im Spielbetrieb. Ich bin froh, dass die restlichen Mitglieder des Vorstandes - trotz meines Rückzuges - erneut kandidieren. Der HC Glauchau/Meerane wird auch nach der Wahl gut aufgestellt sein.

Was bleibt nach 17 Jahren als Vorsitzender eines der größten Sportvereine in Glauchau und Meerane hängen?

Hier sind auf der einen Seite natürlich die sportlichen Erfolge der letzten Jahre zu nennen: Wir haben als Sachsenmeister den Aufstieg in die dritte Liga sowie in die mitteldeutsche Oberliga geschafft. Dazu kommen Sachsenpokalsieg und der Einzug in das DHB-Amateurpokalfinale. Für mich mindestens genauso wichtig sind die vielen schönen Erlebnisse im Verein und die menschlichen Begegnungen. Ich habe mit 14 Trainern zusammengearbeitet und werde die Zeit mit Jörg Grüner, Dietmar Schmidt oder Jörg Neumann nicht vergessen. Ich bin aber auch dankbar, dass ich Spieler wie Vaclav Toman, Veit Küchler, Daniel Kästner oder Colin Schupke - um nur einige zu nennen - kennenlernen durfte. Mit ihnen verbindet mich auch heute noch eine enge Freundschaft. Es gab auch sportliche und menschliche Enttäuschungen. Besonders weh tut mir, dass wir letzte Saison den Klassenerhalt verpasst haben.

Wie bleiben Sie mit dem HC Glauchau/Meerane verbunden?

Ich habe den Mitgliedern des Vorstandes versprochen, mich in der neuen Saison weiterhin um die organisatorischen Dinge der ersten Mannschaft zu kümmern. Damit soll ein nahtloser Übergang gewährleistet sein. Ich hoffe, dass wir im Idealfall in der Saison 2018/19 den sofortigen Wiederaufstieg in die mitteldeutsche Oberliga schaffen. Zudem möchte ich weiterhin bei der Kontaktpflege und Gesprächen mit Sponsoren mithelfen. Ob mittelfristig wieder mehr möglich ist, wird sich zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

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