"Ich selbst kann am Abend des 30. April nicht bei offenem Fenster schlafen"

Der Glauchauer Stadtrat der Grünen, Robert Schönherr, über das Spannungsfeld von Tradition und Umweltschutz

Glauchau.

Ein Vorstoß der CDU im Hohenstein-Ernstthaler Stadtrat hat dazu geführt, dass über die Anzahl der Hexenfeuer zur Walpurgisnacht heftig diskutiert wird. In Glauchau gab es voriges Jahr nahezu 300 genehmigte Feuer, wobei aufgrund von Verstößen gegen die Vorschriften 20 Feuer untersagt wurden und bei weiteren 30 ungeeignetes Brennmaterial aussortiert werden musste. Stefan Stolp hat mit dem Glauchauer Stadtrat der Grünen, Robert Schönherr, darüber gesprochen. Die Grünen haben seit vielen Jahren wieder einen Vertreter im höchsten Gremium der Stadt.

Freie Presse: Herr Schönherr, in der Nachbarschaft, nämlich in Hohenstein-Ernstthal, wird derzeit darüber diskutiert, ob man die Zahl der Hexenfeuer reduzieren soll. In Glauchau gab es letztes Jahr fast 300 derartige Feuer an nur einem Abend. Sollte da die Stadt Glauchau nicht irgendwie eingreifen?

Robert Schönherr: Ganz so einfach ist die Sache nicht, denn bei diesem Thema gibt es zwei Sichtweisen. Einerseits ist da die Tradition der Hexenfeuer - andererseits sind die Auswirkungen auf die Umwelt.

Zu welcher Sichtweise tendieren Sie als Stadtrat der Grünen?

Na ja, wir in unserer Region haben diese Tradition höchstwahrscheinlich aus dem Harzer Raum übernommen. Dort feierten die vorchristlichen "Ureinwohner" ein Opferfest für den einhergehenden Frühling. Mittlerweile hat sich die Veranstaltung vielerorts zu einem Volksfest gewandelt. Dies hat natürlich auch für Glauchau einen positiven sozialen Aspekt.

Aber?

Das Problem der Feuer ist die Feinstaubbelastung. Im Jahr 2019 wurde am 30. April der Grenzwert knapp überschritten und lag bei 54 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am darauffolgenden Tag wurde der Grenzwert auf mehr als das Doppelte überschritten und lag bei 106 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Wo liegt der Grenzwert?

Pro Kubikmeter Luft darf es höchstens 50 Mikrogramm Staubpartikel in einem Durchmesser von maximal zehn Mikrometern geben. Dieser Grenzwert ist 2019 in Glauchau siebenmal überschritten worden, davon wie gesagt zweimal im Zusammenhang mit den Traditionsfeuern am 30. April und 1. Mai.

Wie erleben Sie denn persönlich jedes Jahr die Walpurgisnacht?

Ich selbst kann am Abend des 30. April nicht bei offenem Fenster schlafen und hoffe am 1. Mai immer auf einen regnerischen Tag, damit die Luftbelastung so schnell wie möglich wieder erträglich ist.

Aber ein verregneter 1. Mai ist nicht Wunsch vieler Ausflügler an einem Feiertag.

Ganz nüchtern betrachtet würde der Wegfall dieser beiden Belastungstage um das Hexenfeuer herum aber bedeuten, dass nur noch an fünf Tagen im Jahr der Grenzwert in Glauchau überschritten würde. Das entspräche einer Belastungsverringerung der Luft um fast ein Drittel.

Statistiken lassen sich aber auch über Gebühr belasten.

Richtig, jedoch sind nahezu 300 Feuer in Glauchau zu viele Ursachen für Feinstaub für diesen einen Tag. Zumal sich die Frage stellt, wie die Stadt Glauchau sicherstellen soll, dass nur schadstoffunbelastetes Material verbrannt wird. In Zeiten warmer und trockener Wetterperioden ist es fraglich, ob es Ende April auch in Zukunft die ausgerufenen Waldbrandstufen erlauben, ein offenes Feuer zu entzünden.

Was schlagen Sie vor, um das Problem zu lösen?

Für mich wäre eine Zentralisierung der Glauchauer Hexenfeuer ein sinnvoller Ansatz. Weniger Feuer an zentralen Plätzen würden den traditionellen Ansatz fördern. Das Brennmaterial ließe sich über die Veranstalter sammeln und somit auch auf Schadstofffreiheit prüfen. Die geringere Anzahl an Feuern könnte durch die Feuerwehr auch leichter abgesichert werden, und bei einer zu hohen Waldbrandgefahr ließen sich diese Veranstaltungen auch unkomplizierter absagen. sto

1Kommentare
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  • 3
    4
    Heinzeinz
    22.02.2020

    Einschränken, verbieten, kontrollieren, sanktionieren, beschränken. Viel mehr hat uns die Politik, augenscheinlich nicht zu bieten.



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