In Zwickau wird's für Adient zu eng

Der Autositzhersteller muss erweitern und zieht ins Industriegebiet Meerane-West um. Doch auch dort wird es langsam voll. Bürgermeister Ungerer hat ein Problem ausgemacht.

Meerane/Zwickau.

Meerane/ZwickauGlück für Meerane, Pech für Zwickau: Der Fahrzeugsitzhersteller Adient baut ein neues Werk im Gewerbegebiet Meerane-West und verlässt seinen bisherigen Standort in Zwickau. Am Mittwoch wurde der Ansiedlungsvertrag im Meeraner Rathaus unterzeichnet, bereits für die kommende Woche ist der Baustart vorgesehen.

Rund 31 Millionen investiert der Industriedienstleister Metawerk in den Neubau. Der Sitzhersteller, der als Mieter in die Produktions- und Logistikhalle inklusive Büro- und Sozialgebäude mit 27.500 Quadratmeter Fläche einzieht, will selbst für einen nicht genauer bezifferten zweistelligen Millionenbetrag Maschinen und Ausrüstungen anschaffen. Bereits im Mai 2019 soll die Außenhülle fertiggestellt sein und mit dem Aufbau der Montagelinien begonnen werden. Ab Herbst würden dann die 400 Mitarbeiter sukzessive umziehen. Der Zeitplan sei ambitioniert, sagte Werkleiter Oliver Heldt.

Adient wird die Sitze für die Elektroautos liefern, die bei Volkswagen in Zwickau künftig vom Band laufen. Da das Fahrzeugwerk nicht nur E-Modelle mit dem VW-Logo, sondern auch für die Marken Audi und Seat fertigen wird, muss sich der Sitzhersteller auf eine größere Variantenvielfalt und mittelfristig auch höhere Stückzahlen einstellen. Doch in den Räumlichkeiten in Zwickau sei ein Ausbau der Produktion nicht mehr möglich, sagte Heldt.

Der Autositzhersteller produziert seit 1991 in dem Werk in der Pölbitzer Straße in Zwickau. In den 27 Jahren sei der Standort stets weiterentwickelt worden. Doch nun habe man sich nach einer neuen Fläche umsehen müssen. Auch bei den Mitarbeitern stößt der Umzug laut Betriebsrat Raiko Mothes auf breite Zustimmung. In den alten Hallen gehe es nämlich inzwischen sehr beengt zu. Heldt zufolge könnte die Belegschaft über die 400 hinaus wachsen - sofern im VW-Werk mittelfristig mehr Fahrzeuge vom Band laufen. VW will bereits 2019 mit der Produktion des E-Modells ID Neo beginnen, die Markteinführung ist für 2020 geplant.

Adient wird aber parallel noch Sitze für die konventionellen Modelle Golf und Golf Variant liefern. Der Variant soll bis Mitte 2020 in Zwickau produziert werden, der Golf läuft hier schon eher aus. In Zwickau selbst gibt es nach Bekanntwerden der Pläne kritische Stimmen: Der Wegzug mache den eklatanten Mangel an Industrieflächen deutlich. "Wir müssen endlich Planungsrecht im Norden an der B 93 schaffen", sagt beispielsweise der Landtagsabgeordnete Gerald Otto (SPD). "Jedes Unternehmen, das Zwickau verlässt, ist ein herber Verlust", sagt auch Tristan Drechsel (Bürger für Zwickau).

Adient ist die vierte Firma, die sich in dem Meeraner Gewerbegebiet ansiedelt - neben den Logistikfirmen DHL und Rhenus sowie Volkswagen. Der Autobauer will hier künftig Achsen für Elektrofahrzeuge fertigen. Meeranes Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) zeigte sich zufrieden, "dass die erheblichen Investitionen" von Stadt, Zweckverbänden und Stadtwerken in die Infrastruktur von Meerane-West so bald Früchte tragen und "nun schon die vierte Ansiedlung in kürzester Zeit" gelungen ist.

Erst seit 2013 besteht Baurecht auf dem Areal. Von den zur Verfügung stehenden 65 Hektar Fläche sind 40 Hektar belegt. Die vier Firmen bedeuten laut Metawerk-Geschäftsführer Michael Müller 900 bis 1000 Arbeitsplätze. Mit zwei weiteren Unternehmen ist Metawerk offenbar im Gespräch. "Wir haben konkrete Vorstellungen, wie es weitergehen soll", sagte Müller. Dann wäre das Industriegebiet voll. Ungerer appellierte daher an umliegende Kommunen, für die Industrie taugliche Gewerbeflächen in Autobahnnähe zu entwickeln. Ungerer: "Das Angebot an Flächen ist im Moment dünn." (mit ael)

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1Kommentare
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  • 3
    1
    Freigeist14
    01.08.2018

    Flächenversiegelung um jeden Preis. Die Industriebrachen in den Städten rotten vor sich hin und trotz der immer trockeneren Sommer wird ein Umdenken ausgeschlossen. Umweltschutz ja,bitte ! Aber hier doch nicht.



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