Investor stellt sich in der Palla Wohnungen vor

Im Internet wird eine Vierraum-Wohnung im Meyer-Bößneck-Haus angeboten. Dahinter steckt ernsthaftes Interesse am Kauf der Industriebrache.

Glauchau.

Wenn jemand auf einschlägigen Immobilienplattformen im Internet Wohnungen zur Miete anbietet, die es noch gar nicht gibt, ist das nichts Ungewöhnliches. Antesten, den Bedarf ermitteln, nennt man das in Fachkreisen. Wenn es sich aber um eine Wohnung in der Glauchauer Palla-Brache am Scherbergplatz und entlang der Otto-Schimmel-Straße handelt, überschrieben mit "große Wohnung zwischen Innenstadt und Bahnhof, Erstbezug nach Sanierung", dann muss man genauer hinsehen.

Der denkmalgeschützte Komplex gehört der Stadt Glauchau, doch derjenige, der die Wohnung im Internet anbietet, ist Elmar Nolte, ein Immobilienunternehmer mit Sitz in Erfurt, Geschäftsführer der Elnos Entwicklungsgesellschaft mbH. Und der hat ernsthafte Absichten, die Palla-Gebäude zu kaufen. Die Wohnung, von der im Internet die Rede ist, stehe ab 2020 zur Verfügung. Laut Offerte wird sie sich im Bößneck-Meyer-Haus am Scherbergplatz befinden. Sie soll 180Quadratmeter aufweisen, fünf Zimmer und eine offene Küche sowie einen Balkon und eine Abstellkammer haben. Die Warmmiete ist mit 1250Euro angegeben - für Glauchauer Verhältnisse recht teuer.

"Hintergrund der Sache ist, dass das von der Stadt angebotene Gebäude erst noch erworben und saniert werden muss", sagt Elmar Nolte auf Anfrage der "Freien Presse". Zur Vorbereitung seien Gespräche seines Unternehmens mit den zuständigen Behörden und dem Glauchauer Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) geplant. Die sollen im Oktober und im November stattfinden. Nach diesen Gesprächen könne er mehr über das Projekt sagen.

Das ist für Glauchau sehr wichtig. Denn die Zukunft der denkmalgeschützten Industriebrache wird in der Stadt derzeit heftig diskutiert. Der Denkmalverein und die Initiative "Industriekultur Ost" haben im Sommer eine Petition für den Erhalt der Palla in Glauchau gestartet, in deren Ergebnis knapp 1400 Unterschriften geleistet wurden. Ziel der Petition war es, den Stadtrat dazu zu bewegen, seinen Abrissbeschluss aus dem Jahr 2012 wieder aufzuheben. Damals hatte das Gremium einen Doppelbeschluss gefasst. Die Stadt sollte sowohl den Abriss der Palla vorbereiten als auch gleichzeitig Investoren suchen, die sich des riesigen Komplexes annehmen. Im Frühjahr 2019 hatte die Stadt, nachdem die Investorensuche erfolglos geblieben war, den Fördermittelantrag für den Abriss eingereicht. Das schließlich war der Auslöser für die Petition, die mittlerweile im Rathaus angekommen ist und die zu Diskussionen in Glauchau geführt hat. Auf kommunalpolitischer Ebene haben sich die Stadträte der Freien Wähler mehrfach geäußert. Sie sagen, ohne Nutzung der Gebäude, deren Erhalt die Stadt Glauchau viel Geld kostet, könnten sie auch abgerissen werden. Einen Termin für die Sitzung des Petitionsausschusses gibt es noch nicht.

Nach Angaben des Glauchauer Denkmalvereins und der Initiative "Industriekultur Ost" haben sich im Laufe der mehrwöchigen Petition mehrere potenzielle Investoren gemeldet und sich mit der Palla beschäftigt. Die Unterschriftensammlung lief von Juli bis September im Internet und klassisch per Kugelschreiber auf Listen.

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