Junger Mann hilft auf dem letzten Weg

Philemon Rogalla gehört zu den jungen Sterbebegleitern, die erstmals in Berlin ausgezeichnet werden. Dabei hätten aus seiner Sicht alle Begleiter die Ehre verdient.

Waldenburg.

Als Philemon Rogalla vor einigen Jahren als Soldat im Sanitätsdienst im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz tätig war, verschlechterte sich während eines Dienstes der Zustand eines Patienten rapide, und er verstarb in kürzester Zeit. Er sah in die entsetzten Gesichter, als die zu Besuch gekommenen Angehörigen die Botschaft übermittelt bekamen. Dieses Erlebnis brannte sich in den Kopf des 23-Jährigen ein. In diesem Moment wurde ihm klar, wie wichtig es ist, Angehörigen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Seit Januar 2018 ist er während seiner Freizeit bei dem Christlichen Hospizdienst Lebensspur des Diakoniewerkes Westsachsen im Bereich der Sterbebegleitung aktiv.

Nun zeichnet Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im Rahmen einer Festveranstaltung am Freitag im Umweltforum Berlin erstmals junge Ehrenamtliche aus, die in der Hospizarbeit und Palliativversorgung tätig sind. Mit der Auszeichnung möchte man mehr Menschen für die ehrenamtliche Begleitung gewinnen. Unter den Preisträgern befindet sich der Waldenburger Philemon Rogalla. Von der Auszeichnung fühlt sich der Stabsunteroffizier geehrt und findet es wichtig, dass die Hospizarbeit und Palliativversorgung politisiert und in die Öffentlichkeit getragen wird. Zudem freue er sich darauf, weitere junge Ehrenamtler kennenzulernen. "Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die schon etliche Jahre ihr Herzblut in die ehrenamtliche Hospizarbeit stecken; deren Beteiligung ungesehen und ungehört und deren Privatleben davon beeinträchtigt ist. Diese agieren als Vorbilder für uns junge Ehrenamtler", sagt Rogalla. Da er in Dresden tätig ist und durch seinen Beruf bis zu mehrere Wochen unterwegs ist, sei es nicht immer einfach, den Spagat zwischen Berufsleben und Ehrenamt zu bewältigen. Jedoch bringe er sich gern ein, sobald sich die Möglichkeit an Abenden und Wochenenden im Diakoniewerk ergibt.


Obwohl die Themen Tod und Sterben häufig verdrängt werden, hält Rogalla Sitzwachen an den Betten Schwerstkranker und Sterbender. Für ihn ist es wichtig, Sterbende, darunter auch junge Schwerstkranke und deren Angehörige, in dieser Phase des Lebens beizustehen. "Viele Menschen durchleben diese Lebensphase allein. Oftmals sind Angehörige mit der Situation überfordert und wenden sich ab. Dabei ist es wichtig, Menschen am Ende ihres Lebens unter Beachtung ihrer Menschenwürde zu unterstützen", erklärt der Waldenburger.

Vor 2018 unterstützte der Waldenburger bereits seine Mutter, die Leiterin eines Hospizdienstes, bei ihrer Arbeit. "Als meine Mutter krankheitsbedingt nicht Auto fahren konnte, fuhr ich sie zu ihren Patienten. Das konnte auch 2 Uhr in der Nacht sein." Als gläubiger Christ sei er von jeher angehalten, seinen Mitmenschen zu helfen. "Während meiner ersten Sterbebegleitung habe ich auf Wunsch des Sterbenden aus der Bibel vorgelesen und gemeinsam mit ihm gebetet. Religion und Spiritualität können den Menschen Trost spenden."

Um als Hospizhelfer tätig zu werden, hat der junge Mann eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizhelfer durchlaufen. Der Unteroffizier absolvierte zwei Wochenseminare und 15 Themenabende. Da die Medizin schon immer in seinem Interessengebiet lag, brachte er eine gewisse Grundexpertise in das Ehrenamt mit. "In unserer Familie üben viele einen medizinischen Beruf aus. Beispielsweise arbeitet mein Vater in der Altenpflege." Während des Kurses bekommen die Teilnehmer unter anderem den Weg des Menschen im Sterbeprozess vermittelt, was die Sterbebegleitung beinhaltet, rechtliche Aspekte wie zum Beispiel Verfügungen, Bestattungsabläufe und Schmerztherapien.

Als Hospizhelfer muss man gewisse Voraussetzungen mitbringen, sagt Rogalla. So sollte man nicht kontaktscheu sein, sondern die Fähigkeit besitzen, auf Menschen zugehen zu können und bereit sein, Konflikte zu lösen. Besonders wichtig ist ein hohes Maß an Sozialkompetenz. Die Kommunikation mit dem Sterbenden und die Fähigkeit, sich in die Angehörigen und Betroffenen hineinversetzen zu können, spielen eine wichtige Rolle. Nicht jeder sei dafür geeignet. Viele können damit laut Rogalla nicht umgehen. "Man sollte sich bewusst sein, dass jede Begegnung und jede Begleitung Spuren hinterlassen. Was man in den Theorie-Kursen lernt, unterscheidet sich von der Praxis. Wir als Hospizhelfer versuchen dem Willen des Sterbenden Rechnung zu tragen und die Angehörigen in allen Belangen zu unterstützen."

Mehr als 100.000 Menschen begleiten in Deutschland Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörige.

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