Kalender führt durch "schmole Gassen und schiefe Heisle"

Der Geschichtsverein der Karl-May-Stadt hat historische Straßen in einem eigenen Kalender verarbeitet. Zehn Autoren erzählen von alten Zeiten.

Hohenstein-Ernstthal.

Treffender als Franz Askani in seinem alten Lied über seine Heimatstadt kann man Hohenstein-Ernstthal kaum beschreiben: "Schmole Gassen, schiefe Heisle" heißt es da.

Romantisch klingt das und irgendwie heimelig. So beginnt ein Rundgang durch diese Gassen. In einem jener "Heisle" kam in der Niedergasse einst ein kleiner Junge namens Karl auf die Welt. Die Hoffnungslosigkeit, damals wohl eher im Unterbewusstsein wahrgenommen, lässt er später als Schriftsteller die Welt in seinem Kolportageroman "Der verlorne Sohn" erleben. Seine Helden sind die einfachen Menschen, Weber und Bergleute.

Der neue Kalender des Hohenstein-Ernstthaler Geschichtsvereins nimmt seine Leser mit auf einen Spaziergang durch die Karl-May-Stadt. Zwölf A4-Seiten, zwölf historische Bilder, zwölf Stationen. Von der Gasse geht es rechts ab in die Lindenstraße, die in früherer Zeit gern zu einem Spaziergang Richtung Logenhaus genutzt wurde. Eine Station ist der Badberg, der seine aufregendsten Jahre als Teil der Rennstrecke erlebte. Triumphe wurden hier begründet, aber auch Schmerz von Niederlagen und Abschieden empfunden. Es geht vorbei am Poetengässchen, am ehemaligen Auto-Lange, am Röhrensteig und über die Kirschallee eine Gabelung. Links führt die Bernhard-Anger-Straße Richtung Windmühle. Vorbei am Friedhof führt die Tour zur St.-Christophori-Kirche und dem Geburtshaus von G. H. Schubert, das auch unter der Last seiner Jahre ächzt. Von da geht es über die Karlstraße zum Carolagarten. Der steile Abstieg über den Ziegenberg und die Schulstraße lässt Erinnerungen wach werden. In den 1970er/80er-Jahren traf man am späten Nachmittags bei einem Besuch beim "Menzel Kurt" im Bürgergarten einige Lehrer der gegenüberliegenden Lessing0berschule an, die dort dem feierabendlichen Skat frönten.

Zehn Autoren erzählen auf den Kalenderrückseiten Kurzgeschichten, die die Straßen selbst geschrieben haben. Auch die von der Ottostraße in Ernstthal, wo noch in den 1960er/70er-Jahren im Winter Scharen von Kindern auf Schlitten über die Brauerwiese und am Fuchsgrund ins Tal sausten. Berichtet wird vom Lampertusweg und von der Südstraße. Schon schließt sich der Kreis. Die Kalender-Erzähler sind zurück in der Karl-May-Straße. Melancholie hin oder her - statt eines zwar historischen, aber maroden Ensembles soll dort schon bald ein moderner Bau fürs Karl-May-Museum entstehen. Manchem ist er zu modern. Doch hier sehen es die Geschichtsschreiber praktisch: Eine Rennstrecke würde heute mit einem Belag wie 1927 auch nicht funktionieren. Der Geschichtsverein hat mit dem Kalender versucht, ein Stück Historie festzuhalten.

Den Kalender "Historische Straßen I" für 2020 gibt es zum Preis von 7,50 Euro in der Stadtinformation Hohenstein-Ernstthal, in der Klis'schen Buchhandlung und, sobald wieder geöffnet, im Karl-May-Haus.

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