Karl-May-Stadt freut sich über ihre Fußball-Nationalspieler

Christopher Wittig und Marco Pohl stehen in der Futsal-Nationalmannschaft. Zwischen ihnen und Profis wie Thomas Müller oder Manuel Neuer liegen aber Welten.

Hohenstein-Ernstthal.

Können Sie sich noch an Hans-Uwe Pilz erinnern? Pilz spielte als kleiner Junge bei der BSG Motor Hohenstein-Ernstthal und schaffte später - im Jahre 1982 - den Sprung in die DDR-Nationalmannschaft. Aber da spielte er längst nicht mehr in seiner Heimatstadt, sondern in Dresden bei Dynamo. Jetzt hat die Karl-May-Stadt zwei "eigene" Nationalspieler: Christopher Wittig und Marco Pohl vom VfL 05 Hohenstein-Ernstthal.

Die beiden stehen in der deutschen Futsal-Nationalmannschaft. Doch obwohl sie richtige Nationalspieler sind, können sie von einem Leben, wie es die Profis Thomas Müller oder Manuel Neuer führen, nur träumen. Futsal ist eine Art Hallenfußball und längst nicht so populär wie der "richtige" Fußball. Futsal steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

Vor ein paar Tagen bestritt die deutsche Futsal-Nationalelf in Hamburg gegen England ihre ersten beiden offiziellen Länderspiele. Christopher Wittig und Marco Pohl befanden sich im Aufgebot des DFB. Wittig brachte beim 5:3-Sieg im ersten Spiel mit dem Treffer zum 3:2 Deutschland sogar auf die Siegerstraße. Doch Geld kassiert er dafür nicht. Während Nationalspieler Thomas Müller vom FC Bayern München im Jahr rund 15 Millionen Euro bekommt, geht Nationalspieler Wittig leer aus.

"Die Spieler bekommen nur eine Art Aufwandsentschädigung für Fahrt-, Reise- oder Übernachtungskosten. Das trifft sowohl auf den Verein als auch auf die Futsal-Nationalmannschaft zu", sagt Heiko Fröhlich, der Vorsitzende des VfL 05. Nach den Spielen in Hamburg (das zweite endete 3:3) konnten Wittig und Pohl nicht stundenlang auf einer Massagebank liegen. "Ich habe in der Nacht nach dem Spiel nur eine Stunde geschlafen", sagte Wittig gestern.

Mit dem Auto ging es wieder nach Hause. Am Morgen musste er auf Arbeit antanzen. Der junge Mann aus Oberlungwitz ist Azubi beim Maschinenbau-Spezialisten Niles-Simmons. Torwart Marco Pohl arbeitet zwei Schichten in einem Autohaus am Sachsenring. Trainiert wird dreimal in der Woche, dazu kommen Lehrgänge mit der Nationalmannschaft.Aber natürlich können sich die zwei Akteure des VfL 05 wie richtige Nationalspieler fühlen. Das Team fuhr mit einem Mannschaftsbus zu den Spielen wie die "richtige" DFB-Elf. Sie mussten Autogramme geben und sich von den Fans fotografieren lassen. Auch Hohenstein-Ernstthals Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU) hat die Nominierung der beiden mit Interesse zur Kenntnis genommen. "Dass zwei Hohenstein-Ernstthaler in einer Nationalmannschaft stehen - das finde ich richtig cool."

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