Kartoffelernte: Ertrag bricht um rund ein Drittel ein

Bei der Agrargenossenschaft Langenchursdorf hat die Kartoffelernte begonnen. Weil die Ernte spärlicher ausfallen wird als sonst, müssen die Endverbraucher wohl mit höheren Preisen rechnen.

Falken.

Kartoffeln von mini bis stattlich fördert eine Maschine aus dem staubtrockenen Boden auf einem Schlag in Falken und reiht sie in einer Furche auf. Die zweite Maschine nimmt sie auf und zieht dabei eine gewaltige Staubwolke hinter sich her. Seit Montag wird gerodet. Für den Laien sieht alles normal aus. Eigentlich werden Kartoffeln bei 10 bis 15 Grad Celsius geborgen, diesmal herrschen fast 30 Grad. Wegen der Trockenheit kommen die Knollen schon wie frisch gewaschen aus der Erde.

"Besser wäre es, wenn noch ein bisschen Erde an den Knollen kleben würde. Das verhindert beim Passieren der Siebketten Verletzungen an der Schale", sagt ein Fahrer, der mit jeder Fuhre 20 Tonnen vom Feld wegfährt. Das klingt viel. "Aber gerade auf diesem Schlag merken wir deutlich den Witterungsverlauf. Grundsätzlich ist auf unseren Flächen von 60 bis 100 Prozent Ertrag im Vergleich zum Vorjahr alles drin. Das ist auch sortenabhängig", sagt Rainer Stauch, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Langenchursdorf und Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Westsachsen. Auf 230 Hektar Fläche hat der Verbund der drei Agrarbetriebe in Mülsen, Langenchursdorf und Unteres Erzgebirge Kartoffeln angebaut.

Bei normaler Witterung setzt eine Kartoffelpflanze 14 bis 15 Knollen an. "Bei der frühzeitigen Trockenheit in diesem Jahr kann es aber sein, dass sich nur zehn entwickeln. Die Qualität stimmt dann trotzdem, aber die Menge nicht", erklärt Stauch. "Aber abgerechnet wird zum Schluss. Wir haben ja erst mit der Ernte begonnen." Tatsächlich vergleichen könne man die beiden Jahre 2017 und 2018 nicht. "Sie sind wegen der Witterung beide extrem gewesen. Im vergangenen Jahr gab es sehr viele Kartoffeln, in diesem Jahr deutlich weniger. Das wird sich auf die Preise auswirken."

Beim Kartoffelverarbeiter Friweika in Weidensdorf läuteten schon vor Wochen die Alarmglocken. 130.000 Tonnen Kartoffeln braucht das Unternehmen pro Jahr. "Die Hälfte davon wird in Tüten für den Verkauf abgefüllt, die andere Hälfte zu Kartoffelprodukten verarbeitet", sagt Marko Wunderlich, der im Unternehmen fürs Marketing zuständig ist. Er weiß jetzt schon, dass die Agrarbetriebe in der Region den Bedarf nicht decken können. Er rechnet damit, dass die Differenz bei 30 bis 40 Prozent liegt. Das heißt: Die Friweika muss auf dem freien Markt zukaufen. "Doch wegen der Trockenheit fehlt es deutschlandweit an Kartoffeln", versichert Rainer Stauch. Das bedeutet: "Schon jetzt haben wir um 30 Prozent höhere Preise auf dem freien Markt", sagt Marko Wunderlich. Das wird am Ende auch der Verbraucher zu spüren bekommen.

Kartoffeln verkosten können interessierte Besucher beim Hoffest am 15. September ab 13 Uhr auf dem Wirtschaftshof der Agrargenossenschaft Langenchursdorf in Callenberg, Gewerbegebiet 7.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...