Kerzenengel stammt aus Lauchhammer

Vor sechs Wochen ist zur Nacht der Schlösser ein Kerzenleuchter aus der Kapelle des Schlosses Lichtenstein gestohlen worden. Ein Lichtensteiner hatte den Engel schon 1958 in den Händen.

Lichtenstein.

Ein Handyfoto vom 25. August, 21.45 Uhr, beweist: Zu dem Zeitpunkt war der gusseiserne Engel noch da, wo er hingehört, auf dem Altar der Kapelle, die sich über der Gruft des Lichtensteiner Schlosses befindet. Am Ende der Nacht der Schlösser fehlte einer der beiden 70 Zentimeter großen Kerzenleuchter. Gestohlen. Ein Kerzenengel blieb zurück, auch das Kruzifix und der Kandelaber.

Alfred Lehmann muss sich sehr bremsen, um nicht loszupoltern. "Der Führer des Rundganges war nur wenige Minuten nicht im Raum. Den Moment hat der Dieb genutzt, um sich über den offenen Außenzugang mit dem Kerzenengel davonzumachen. Wenn er gekonnt hätte, hätte er wahrscheinlich beide mitgenommen." Doch der Leuchter wiegt 9,81 Kilogramm. Fürs Schloss ist das ein unersetzbarer Verlust, für den Dieb nur ein Kick. Sein Schrottpreis liegt bei 1,50 Euro. Diebesgut zu Hause hinstellen, ist riskant. Lehmann kennt die Stücke seit frühester Jugend. "1958 habe ich als junger Mann die Engel mit Silberbronze gestrichen, die Figuren oben und unten schwarz abgesetzt", erzählt der 77-Jährige. 1955 war ein Kollektiv gegründet worden, dem er sieben Jahre lang angehörte. "Wir haben damals die unterirdischen Gänge freigelegt." Im Schloss selbst kennt er jeden Winkel, gilt als lebendes Inventar. Sein Fundus an Fotos ist gigantisch. "Ich habe so etwa 35.000 Fotos von jeder Ecke des Schlosses. Ich kannte früher den Hausmeister und durfte immer rein. Ich habe alles dokumentiert, was hier in den vielen Jahren passiert ist." Von sich selbst sagt er jedoch, er sei "kamerascheu". "Wenn irgendwo eine Kamera auftaucht, bin ich weg", sagt er lachend.

Wegen des Diebstahls hat Lehmann noch einmal intensiver nach der Herkunft der Leuchter geforscht. Und wurde in der Firma Kunstgießerei Lauchhammer fündig. Museumspädagogin Antje Schneider entdeckte das historische Stück in einem alten Katalog des Unternehmens. Auf Seite 37 findet sich unter der Rubrik "Altarleuchter" genau dieser Engel als Figur Nummer 6. Lehmann hat sich den Katalogausriss schicken lassen. Auch die angegebene Größe von 695 Millimeter stimmt überein. Wann der Engel genau hergestellt wurde und wie er in den Besitz der Schönburger kam, das hat Alfred Lehmann noch nicht herausgefunden. Die damalige Aktiengesellschaft der Gießerei bestand nur von 1887 bis 1922.

Dass der Dieb Reue zeigt und den Kerzenengel zurückgibt, dieser Illusion gibt sich Alfred Lehmann nicht hin. Noch heute hilft der Rentner aus, wenn im Schloss etwas zu tun ist. "Ich habe die alte Heizung ausgebaut. Das war ein Knochenjob." Lehmann weiß, welche Gänge wohin führen und dass schon vieles im Schloss gestohlen wurde. "Selbst aus der Gruft", versichert er. "Die Engel vom Sarg der Sophie von Albanien sind auch abgebrochen worden."

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