Kommt die Ibug wieder nach Meerane?

Die Organisatoren des renommierten Kunstfestivals wollen dorthin zurückkehren, wo alles begann. Im Blick steht dafür eine Brache, die die Stadt erst vor Kurzem gekauft hat.

Meerane.

Es ist kein Geheimnis, dass die Macher des renommierten Kunstfestivals Ibug (Industriebrachenumgestaltung) ihre Fühler wieder nach Meerane ausstrecken. Hier fand die vom Meeraner Künstler Tasso initiierte Veranstaltung 2006 erstmals statt, bevor sie dann ab 2012 fast jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgetragen wurde. "Wir wollen sehr gerne wieder nach Meerane, weil dort alles begonnen hat", sagte Thomas Dietze vom Organisationsteam der Ibug der "Freien Presse" bereits im Sommer 2017. Auch ein Gelände hatte man gemeinsam mit der Stadt im Blick: die ehemalige Kammgarnspinnerei. Das Problem damals: Das Gelände im Norden der Stadt gehörte einer französischen Erbengemeinschaft.

Diese Hürde allerdings gibt es nicht mehr. Die Stadt hat die Brache mit einer Fläche von etwa 3,9 Hektar gekauft, wie vor Kurzem bekannt wurde. Sind die Ibug-Pläne damit wieder auf dem Tisch? "Es hat zuletzt wenig Kontakt gegeben zwischen der Stadt und uns", sagte Thomas Dietze. "Dass das Areal inzwischen wieder in Meeraner Hand ist, war mir noch nicht bekannt." Das Interesse an einer Rückkehr sei aber natürlich nach wie vor da. Das Gleiche bekundet auch die Stadtverwaltung. "Wir verfolgen die Idee einer erneuten Ibug in der Stadt weiterhin", teilte Pressesprecherin Heike Hönsch mit.

Vor 2020, so viel steht fest, wird es allerdings nichts. Denn der Ort für das kommende Jahr steht bereits fest: Reichenbach im Vogtland. "Wir brauchen für so eine Organisation eigentlich zwei Jahre Vorlauf", so Dietze.

Laut der Meeraner Stadtverwaltung kann geprüft werden, ob die Ibug umsetzbar ist, sollte das Gebäude der ehemaligen Kammgarnspinnerei im Jahr 2020 noch stehen. "Abhängig ist das davon, wann der Abbruch des Gebäudes in das Rückbauprogramm eingeordnet werden kann", so Heike Hönsch.

Die Kernfrage lautet also: Kann die Stadt den Abriss des Geländes bis Herbst 2020 hinauszögern? Denn für den Abriss rechnet man mit Fördergeldern. Erst im August wurde ein Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan verabschiedet, eine Teilfläche soll als Wohnbaustandort dienen. "Wir wollen, die Stadt will auch. Alles andere ist derzeit noch nicht in unseren Händen", fasst Thomas Dietze die Situation zusammen.

Fakt ist: Das Renommee des Ibug-Festivals, das jedes Jahr Künstler aus aller Welt und Tausende Besucher anzieht, ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. 2017 und 2018 fand die Veranstaltung jeweils in Chemnitz statt. "Während wir in den Anfangsjahren auch um kleinere Beträge betteln mussten, profitieren wir mittlerweile viel besser von öffentlichen Förderstrukturen", sagt Dietze. "Inzwischen kommen sogar Kommunen auf uns zu und fragen, ob wir uns eine Ibug in ihrer Stadt vorstellen könnten." Erst vor Kurzem kam etwa aus Freiberg eine solche Anfrage. "Die Städte wissen, dass sie mit der Ibug für kurze Zeit im Rampenlicht stehen."

Die 13. Ibug in Chemnitz Ende August besuchten 8500 Menschen. Beteiligt waren 130 Künstler aus der ganzen Welt, 300 hatten sich beworben.


Kommentar: Chance nutzen

Vielleicht ist es ja auch Nostalgie, dass die Ibug-Macher noch einmal nach Meerane wollen. An den Ort, wo man sie einst einfach hat machen lassen. Dass das Festival für Urban- und Street Art in den folgenden Jahren so bekannt wurde, konnte damals keiner ahnen. Mit dem Kauf der Brache Kammgarnspinnerei bietet sich der Stadt nun eine reelle Chance für eine Ibug 2020. Als Werbung für Meerane unbezahlbar. Und: Es wäre die wohl letzte Chance dafür. Wenn irgendwie möglich, sollte man sie nutzen.


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