Komposthaufen sollte nicht dem Ordnungssinn zum Opfer fallen

Der Natur zuliebe Jeder kann etwas für den Erhalt und die Verbesserung der Natur tun. Heute: Der heimische Garten bietet viele Möglichkeiten.

Neukirchen/P..

Der Klimawandel und Maßnahmen gegen ihn sind allgegenwärtige Themen. Auch der Insektenschutz und der Naturschutz ganz allgemein werden häufig diskutiert. Doch für den Einzelnen erscheint es oftmals kaum möglich, etwas zu tun. In Zusammenarbeit mit der Kreisnaturschutzstation des Landkreises Zwickau, die in der Gräfenmühle in Neukirchen/Pleiße ihre Zentrale hat, liefert die "Freie Presse" nun einmal monatlich Tipps, wie jeder im Alltag oder im heimischen Garten etwas für die Natur tun kann.

Dennis Klein, Koordinator der Kreisnaturschutzstation, sieht artenreiche und blühende Gärten als einen wichtigen Baustein für den Naturschutz, denn durch finden Insekten Lebensraum und Nahrung. Das nützt auch anderen Tieren, die sich wiederum von Insekten ernähren. "Insekten brauchen blühende Pflanzen über mehrere Monate verteilt", sagte der Experte. Die großen Rapsflächen der Landwirtschaft, die derzeit blühen, würden Bienen nur kurzzeitig einen reich gedeckten Tisch bieten. Danach blüht auf den Feldern nicht mehr viel, sodass Insekten in den Ortschaften oftmals mehr Nahrung finden als auf dem Land.


Doch dafür sind nicht nur Obstbäume im Garten nötig, sondern auch Blüten im Gras, im Beet oder auf dem Balkon. Gerade bei Beet- und Balkonpflanzen kann es allerdings Probleme geben. "Die Leute gehen meist danach, dass die Pflanzen gut aussehen. Manche Züchtungen bieten als Hybriden aber gar keine Nahrung für Insekten mehr", sagte er. Deshalb sei es wichtig, stets Pflanzen auszuwählen, die gefüllt blühen. Heimische Arten generell und besonders blühende Kräuter, Beeren aber auch die Blüten und Blätter von Gemüsesorten würden bei vielen Tieren hoch im Kurs stehen.

Ein heikles Thema ist für den Naturschutzexperten die Gartenpflege. "Auf Mähroboter sollte man genauso verzichten wie auf Laubbläser im Herbst", sagte Klein. Denn sie töten verschiedenste Tiere oder stören sie zumindest erheblich. In Gärten, wo die für die Besitzer bequemen Mähroboter beinahe durchgehend ihre Runden drehen, verschwindet die Artenvielfalt schnell. Auch der regelmäßige Rasenmähereinsatz sei problematisch. Empfohlen wird, niemals alles auf einmal und bei Rasenflächen möglichst nicht komplett von außen nach innen zu mähen. Denn dabei würden die Tiere in die falsche Richtung fliehen und würden häufiger Opfer der Mähwerkzeuge.

Wichtig sind laut Dennis Klein Flächen im Garten, auf denen die Natur Vorrang hat und das Gras wachsen darf. Auch Kompost- oder Geästhaufen, die einfach sich selbst überlassen werden, nützen vielen Organismen, würden aber oftmals den typisch deutschen Ordnungssinn stören. "Das ästhetische Bild in den Köpfen vieler Leute sollte sich da ein Stück weit wandeln. Man muss nicht immer auf den Nachbarn gucken und dann beim Rasenmähen nacheifern, sondern eher mal an die Natur denken", sagte Dennis Klein. Er weiß aber genau, dass sie damit viele Grundstücks- besitzer schwer tun. Auch bei kommunalen Flächen werde oftmals zu viel gemäht, doch es gäbe auch positive Entwicklungen. "Die Stadt Glauchau sorgt beispielsweise für Blühflächen und Natur in der Stadt, was unter anderem durch selteneres Mähen möglich wird", sagte er.

Weitere Maßnahmen zum Schutz der Natur können Nistkästen oder sogenannte Insektenhotels sein, wobei zu beachten ist, dass auch das nötige Nahrungsangebot durch eine vielseitige Pflanzenwelt bereitgestellt wird. Auf Pflanzerde mit Torfanteil sollte im Garten genauso verzichtet werden wie auf chemische Mittel. Werden in Beeten Blühmischungen ausgesät, empfiehlt Klein solche Saaten, die mehrjährig wachsen. Sie sollten möglichst auch über den Winter stehen bleiben, weil sie dadurch ein Rückzugsort für Insekten werden können.

Hinweise und Pflanzenempfehlungen für einen artenreichen Garten oder Balkon, der zum Naturschutz beiträgt, liefert das Netzwerk "Blühende Landschaft" im Internet. www.bluehende-landschaft.de

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