Kostbarkeiten kommen wieder ans Licht

Musik aus den vergangenen 500 Jahren erklingt in der Georgenkirche. Alle Werke stammen von hiesigen Komponisten.

Glauchau.

Musik aus den vergangenen 500 Jahren ist bei einem Konzert am 14. Mai in der Glauchauer Georgenkirche zu hören. Das Besondere daran: Etwa 75 Sänger und 20 Instrumentalisten gestalten ein Programm mit Werken von neun Komponisten, die seit Mitte des 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts im Bereich der einstigen Schönburgischen Herrschaft tätig waren. Die meisten von ihnen waren in der Glauchauer Stadtkirche oder dem Schloss als Kantoren oder Organisten tätig. "Ihre Kompositionen haben sich im Archiv der Georgenkirche als Handschriften erhalten. Viele von ihnen wurden erst in jüngster Zeit mit viel Aufwand transkribiert und dadurch wieder für Aufführungen zugänglich gemacht", sagt der Glauchauer Kantor Guido Schmiedel.

Für den Kirchenmusikdirektor ist das Projekt eine ganz spannende Angelegenheit, da einige der Stücke erstmals wieder seit ihrer Entstehungszeit zu hören sein werden.

Nicht wenige Werke der regionalen Komponisten sind nach Meinung Schmiedels sehr anspruchsvoll und reichen an die Arbeiten der großen Meister ihrer Zeit heran. Diese Kompositionen seien deshalb heutzutage zu Unrecht vergessen.

Zu den wenigen, die die Zeiten überdauert haben, gehört das Lied "Lasst uns alle fröhlich sein", das noch heute in einer aktuellen Weihnachtsliedersammlung des Leipziger Thomanerchores sowie in einigen deutschsprachigen Kirchengesangbüchern zu finden ist. Das Stück, mit dem das Konzert beginnen wird, stammt von Urban Langhans (um 1525 bis nach 1562). Der gebürtige Zwickauer war der erste Kantor in Glauchau, nachdem 1542 auch in der Stadt die Reformation eingeführt worden war. Während seines Studiums in Wittenberg hatte Langhans Martin Luther noch persönlich kennengelernt.

Besonders produktiv war das 19. Jahrhundert, als sich in Glauchau in der Zeit von Klassik und Romantik eine sehr vielfältige und hochkarätige Musizierpraxis entwickelte. Damals komponierten unter anderem Christian Gottlob Saupe (1763-1817) und Johann Daniel Jacob (1810-1870) im Herrschaftsbereich der Schönburger. Von dem Hof- und Stadtorganisten Saupe sind unter anderem ein Oratorium und zwei Kantaten erhalten, im Konzert wird die Psalmenvertonung "Lobet den Herrn in seinem Heiligtum" zu hören sein. Jakob wirkte als Kantor in Hartenstein und Waldenburg. Sein Satz "Werfet euer Vertrauen nicht weg" entstammt der Motette "Gottvertrauen", die Jacob 1853 anlässlich des 50. Geburtstages des Glauchauer Superintendenten geschrieben hat.

Bei der Vorbereitung des Konzerts kann Schmiedel auf umfangreiche Vorarbeiten seines Kollegen Eberhard Franke aus Hartenstein zurückgreifen. Der 75-jährige, der nach wie vor Kantorendienst in Hartenstein versieht, hat bereits zum 450-jährigen Glauchauer Reformationsjubiläum im Jahr 1992 begonnen, mit musikwissenschaftlicher Akribie umfangreiches Notenmaterial aus dem Archiv der Glauchauer Kirche aufzuarbeiten.


Schönburgische Musik

Das festliche Konzert mit Werken regionaler Komponisten findet am 14. Mai um 19.30 Uhr in der Georgenkirche Glauchau statt. Es musizieren der Glauchauer Oratorienchor, der Ephoralchor und Solisten sowie das Collegium instrumentale Chemnitz.

Werke früherer Glauchauer Komponisten sind auch am 25. Mai um 20 Uhr beim Kirchentag in Leipzig von einer großen Bühne im Stadtzentrum zu hören sein. Bei der Veranstaltung "Eine musikalische Reise durch die Regionen und Zeiten zu 500 Jahren evangelische Kirchenmusik in Sachsen" gestalten der Glauchauer Oratorien- und der Ephoralchor ein zirka 20-minütiges Programm.

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