Kreisräte: Schluss mit Sozialarbeitern zweiter Klasse

Mitglieder mehrerer Fraktionen wollen eine Ungerechtigkeit im Landkreis Zwickau beenden: Es soll mehr Geld für Fachkräfte in der Jugendarbeit geben.

Zwickau.

Wenn klappt, was sechs Kreisräte angeschoben haben, gibt es bald keine Sozialarbeiter erster und zweiter Klasse mehr im Landkreis Zwickau. Diese bestehende Ungerechtigkeit abzuschaffen, war Ziel eines Schreibens, das Barbara Müller (Die Linke), Ingrid Reusch (SPD/Grüne), Ute Brückner (Die Linke), Ines Liebald (CDU), Friedrich Hähner-Springmühl (CDU) und Jesko Vogel (Freie Wähler) unterzeichnet und Landrat Christoph Scheurer (CDU) geschickt hatten.

Das Thema treibt die Hohenstein-Ernstthaler Kreisrätin Barbara Müller schon sehr lange um. Ihr geht es nicht nur um eine bessere Bezahlung bereits engagierter Fachkräfte, sondern auch darum, überhaupt auf freien Stellen wieder neue Fachkräfte zu finden. "Mehrere Vereine haben sich mit diesen Sorgen an mich gewandt", sagt Müller. I-Tüpfelchen sei die Kündigung der Streetworkertätigkeit des Zwickauer Vereins "Gemeinsam Ziele erreichen" vor einem Jahr in Kirchberg und Crimmitschau gewesen. Der Verein hatte klar gesagt, dass er für die vom Kreis zur Verfügung gestellten Personalkosten niemanden suchen wolle. Die von der Landesregierung finanzierten Sozialarbeiter in den Oberschulen werden deutlich besser bezahlt. Als in Kirchberg kurz darauf auch noch der Jugendklub- leiter weglief, weil er für die gleiche Arbeit im Nachbarlandkreis mehr Geld verdiente, wuchs die Empörung nicht nur in Kirchberg. Bis heute sind die Stellen unbesetzt.

Seit Januar 2018 nun sammelt Müller Verbündete. Und musste speziell im Unterausschuss, aber auch bei Kreistagsmitgliedern aus anderen Fraktionen nicht lange suchen. In dem Schreiben der sechs Kreis- räte an den Landrat heißt es nun: "Die pauschale Finanzierung der Fachkräfte ... wurde seit Jahren nicht angepasst, was als nicht zeitgemäß und nicht mehr vertretbar beurteilt wird."

Es geht um die Finanzierung der Jugendklubleiter, Streetworker, Jugendberufshelfer, Jugendschützer und Sozialarbeiter in Mehrgenera- tionenhäusern. Nach Informationen von Ilona Schilk, Sprecherin des Landratsamtes, handelt es sich um 67 Menschen auf 50 Vollzeitstellen, darunter sind 35 Diplomsozialpädagogen. "Dabei sind die Stellen für Schulsozialarbeiter unberücksichtigt", so Schilk. Landrat Scheurer beauftragte daraufhin die Verwaltung, sich mit der Richtlinie zu beschäftigen. Vor wenigen Tagen gab Dezernent Frank Schubert bekannt, dass man eine Anhebung der Förderung pro Fachkraft um 5000 Euro im Jahr (etwa für Jugendklubleiter) bis 10.00o Euro im Jahr (etwa für Streetworker) durchrechne.

In der Oktobersitzung soll die Richtlinie zur Beschlussfassung in den Jugendhilfeausschuss. Ob sie künftig mit mehr Geld unterfüttert wird, entscheidet letztlich der Kreistag. "Wir müssen dort mehr Geld reinstecken, das sollte uns die Jugendhilfe wert sein", sagt Müller.

Die Unterzeichner fordern allerdings nicht nur eine einmalige Anhebung der Personalkosten, sondern auch eine regelmäßige Überprüfung. Ihr Vorschlag: aller zwei Jahre. Und, ergänzt Barbara Müller, mehr Geld für Sozialarbeiter auszugeben, darf keineswegs wieder darin münden, Stellen zu streichen.

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