Kretschmer nennt Marstall-Investor

Nach der zugesagten Millionenförderung besichtigt der Ministerpräsident die Waldenburger Schlossanlage. Fragezeichen zum Projekt gibt es nach wie vor. Und die haben primär nichts mit Geld zu tun.

Waldenburg.

Die Verwunderung über die hohe Förderung der Marstall-Sanierung stand Waldenburgs Stadträten und Bürgermeister auch noch am Mittwochnachmittag ein wenig ins Gesicht geschrieben. Da stiefelte gerade der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) durch den Innenhof der Brache gegenüber dem Schloss.

"Wir haben uns schon die Augen gerieben, als wir Ende November von der Bundesförderung erfahren haben", sagte Stadtoberhaupt Bernd Pohlers (Freie Wähler) und meinte damit die 12 Millionen Euro plus zusätzliche 6 Millionen, die vom Land dazukommen. Die Verwunderung verwunderte wiederum Kretschmer: "Das haben wir doch letzten Mai so vereinbart." Damals war er bereits zum Radlerfrühling in der Töpferstadt. Naja, ein Ministerpräsident, der Wort halte, das sei man so nicht gewohnt, sagte Pohlers halbernst und gab einen Kurzabriss über die Geschichte des Marstalls: einst Wirtschaftshof des Schlosses, zu DDR-Zeiten LPG-Gelände, nach der Wende Produktionsstätte eines Unternehmens. 2003 kaufte ein österreichischer Investor die Anlage. Die Stadt erwarb sie 2005 für einen symbolischen Preis.


Das dort geplante "Forum Waldenburg" soll Atelier, Bildungsstätte und Forschungszentrum für DDR-Kunst sein. Die bedeutende Sammlung eines Kunstexperten, der zugleich als Investor auftritt, soll der Grundstein dafür sein. Wie der Investor heißt, das war bislang weder vom Rathaus noch vom Verein Schlossanlagen zu erfahren.

Im Gespräch mit der "Freien Presse" bestätigte Michael Kretschmer, dass es sich bei einem der Investoren um Ismail Mukadam handelt. "Ich kenne ihn als profilierten Sammler, der meiner Kenntnis nach eine der größten Sammlungen von DDR-Kunst hat, von den 1950er- bis 1980er-Jahren", so der Regierungschef. Dabei handele es sich um Kunst im Geiste des Bauhauses. "Ich denke, dass die Sache Hand und Fuß hat." Dass er von der Sammlung beeindruckt gewesen sei, sagte der Ministerpräsident auch im Marstall noch einmal.

Ein Teil der Sammlung sei in einem Depot in Waldenburg, sagte Sabine Tauscher vom Verein Schlossanlagen. Einen Blick auf die Sammlung gab es allerdings später nicht, als Kretschmer und die Stadträte in die Töpferei Tauscher gingen. Laut Sabine Tauscher gibt es noch einen zweiten Investor. Dessen Name war auf Nachfrage nicht zu erfahren.

Zumindest in Sachen finanzieller Förderung schien die Waldenburger Skepsis durch Kretschmers Besuch besänftigt. "Uns ist klar, dass die Stadt nicht das Projekt finanzieren kann", so der CDU-Mann. Das Land wolle die finanzielle Lücke schließen.

Und dann gab er noch einen Ratschlag: "Lassen Sie sich mit dem Konzept Zeit. Man muss die Dinge vom Ende her denken." Es nütze niemandem etwas, wenn das Projekt der Stadt eines Tages auf die Füße falle.

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