Ladenbesitzer trifft mutmaßliche Einbrecher vor Gericht wieder

Armbrüste, Softair-Pistolen und jede Menge Messer haben die Täter Ende November 2015 gestohlen. Angeklagt sind vier junge Männer aus Glauchau und Meerane, die das Opfer sogar kennt.

Glauchau.

In Jogginghose und Turnschuhen sitzen die drei jungen Männer zwischen 18 und 20 Jahren vor dem Sitzungssaal 219 im Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal und kichern wie kleine Jungs. Boris Schönhoff hingegen ist überhaupt nicht zum Lachen zumute. Noch nicht mal ein Jahr ist es her, als aus seiner Tabak- und Weinhandlung in Glauchau Waren im Wert von rund 4000 Euro gestohlen wurden. Darunter zwei Armbrüste, 50 Messer und mehrere Softair-Waffen, die echten Gewehren und Pistolen täuschend ähnlich sehen. Verschwunden sind an dem Sonntagabend Ende November 2015 auch über 200 Schachteln Zigaretten.

Inzwischen haben die drei jungen Männer aus Glauchau und Meerane auf der Anklagebank Platz genommen. Gemeinsam mit einem vierten Angeklagten sollen sie den schweren Einbruch gemeinsam begangen haben. Weil der vierte mutmaßliche Täter nicht zur Verhandlung erschienen ist, erlässt Richter Michael Respondek einen Vorführbefehl. Die Polizei soll den jungen Mann in den Sitzungssaal des Amtsgerichts bringen.

"Das sind sie wohl", sagt Ladenbesitzer Boris Schönhoff, der als Zeuge geladen wurde und von seinem Sitzplatz in den Zuschauerreihen zur Anklagebank schaut. Die jungen Männer, die dort sitzen, kennt er. "Sie waren auch nach dem Einbruch noch bei mir im Laden", sagt er. Sie hätten sich umgeschaut oder Zigaretten gekauft - als sei nichts gewesen. Damals wusste Schönhoff selbst noch nicht, dass vor ihm die mutmaßlichen Einbrecher stehen. Neben dem hohen Schaden durch den Diebstahl hat dem Ladenbesitzer auch der Sachschaden in Höhe von rund 3500 Euro zu schaffen gemacht. "Sie haben mit einem Brecheisen die Tür aufgebrochen, das steckte sogar noch fest, als die Polizei kam", erinnert er sich. Seitdem hat Schönhoff eine einbruchsichere Ladentür und auch eine Alarmanlage. "Nach der Tat haben sich Firmen bis aus Gera gemeldet, um mir eine Alarmanlage zu verkaufen", sagt er.

Seit 15 Jahren gehört ihm das Geschäft in Glauchau. Ladendiebstähle kommen immer mal wieder vor, aber einen Einbruch in dem Ausmaß hat er noch nie erlebt. "Deshalb hätte ich nie gedacht, dass ich soviel Sicherheitstechnik brauche." Aber die Zeiten hätten sich offenbar geändert. Von den gestohlenen Waren hat der Ladenbesitzer nur einen kleinen Bruchteil wieder gesehen. "Ein paar Messer und Feuerzeuge habe ich wieder bekommen, aber die waren so versifft, dass ich sie wegwerfen musste."

Inzwischen ist eine Stunde verstrichen, die Polizei konnte den vierten mutmaßlichen Einbrecher nicht finden. Die drei jungen Männer auf der Anklagebank wissen auch nicht, wo er sich aufhält. Richter Michael Respondek setzt die Hauptverhandlung aus und verschiebt sie auf den 10. November. "Dann soll das Erscheinen des Angeklagten durch die Polizei sichergestellt werden", sagt Respondek. Schöffen, Verteidiger, Staatsanwalt, Jugendgerichtshilfe und Zeugen werden dann wieder im Saal 219 erscheinen müssen.

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