"Lebensbaum" wird verpflanzt

Ein Kunstwerk, das der Werdauer Ehrenbürger Heinz Lanzendorf in den 1980er-Jahren schuf, wird aus der Versenkung geholt. Für den Künstler kommt die Ehrung jedoch zu spät.

Werdau.

Die Fassade des Gesundheitszentrums am Brühl in Werdau ziert seit Dienstag ein neun Meter langes Emaillerelief. Geschaffen wurde der "Lebensbaum", ein aus 36 Einzelteilen bestehendes Kunstwerk, in den 1980er-Jahren als Auftragswerk der Stadt Werdau von Heinz Lanzendorf. Befestigt wurde das Relief jedoch erst 1991, zwei Jahre nach der Wende, ohne großen Wirbel an der Fassade einer Kaufhalle in der Plattenbausiedlung Sorge. Die Kaufhalle, ein sozialistischer Bau, wurde 1987 eröffnet. 2005 verschwand der Supermarkt von der Bildfläche. Bevor die Abrissbagger anrückten, wurde das Kunstwerk demontiert und im Depot des Werdauer Museums eingelagert. Dort schlummerte das Relief etliche Jahre. Mehrere Versuche, einen geeigneten Standort für das erneute Aufstellen des Kunstwerkes in der Stadt zu finden, schlugen fehl.

2016 erfuhr Jürgen Rehse durch Zufall von dem Relief des Werdauer Ehrenbürgers. Den Stein ins Rollen brachte Norbert Lanzendorf, Sohn des Künstlers, der für Jürgen Rehse einen Auftrag realisierte. Für den Geschäftsmann, der zu dem Zeitpunkt ein ehemaliges Hotel am Brühl in ein Gesundheitszentrum umbauen ließ, stand fest: An die Fassade des Gebäudes würde das Kunstwerk prima passen. Danach fanden erste Gespräche mit der Stadt statt. Die Kommune stimmte den Plänen zu. Wolfgang-Gerhard Namyslok, der 2016 für ein Jahr im Museum beschäftigt war, restaurierte das Relief. An einigen Stellen der Tafeln war die Emaille abgeplatzt. Außerdem mussten Roststellen beseitigt werden. Dennoch dauerte es dann noch immer zwei Jahre, bis der "Lebensbaum" aus der Versenkung geholt werden konnte. Der Knackpunkt war die Übernahme der Kosten für das Gestell, das die 36 Einzelteile zusammenhält. Letztendlich bereitet Rehse dem Hickhack ein Ende und erklärte sich bereit, die anfallenden Kosten von 5000 Euro komplett aus eigener Tasche zu begleichen. "Der Preis wäre noch höher ausgefallen, wenn uns die Metallbaufirma Falke, die die Arbeiten übernahm, nicht entgegengekommen wäre", sagte der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums. Rehse zeigte sich nach der Montage mit dem Ergebnis zufrieden. Lobende Worte gab es am Dienstag auch von Oberbürgermeister Stefan Czarnecki (CDU). "Der Standort ist ideal. Am Ende hat auch jeder etwas davon. Die Fassade des Gebäudes wird damit aufgewertet. Und es ist zugleich eine nachträgliche Würdigung für die Arbeit von Heinz Lanzendorf", sagte das Stadtoberhaupt. Für den Künstler und Werdauer Ehrenbürger kam die Montage zu spät. Er starb im Februar 2017 im Alter von 96 Jahren.

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