Lebenshilfe in Glauchau: Büro kommt auf 300 Beratungen

Die im Gebäude Markt 9 eröffnete Anlaufstelle für Rat- und Hilfesuchende wird bis Ende 2020 bezuschusst. Ob erneut Fördergeld fließt, ist ungewiss.

Glauchau.

Der junge Mann, der nicht zum ersten Mal am Gebäude Markt 9 in Glauchau vorbeischaute, sagt kurz und bündig: "Hier habe ich echte Hilfe erhalten." Seinen Namen will er aber nicht nennen. "Anonymität wird bei uns großgeschrieben", fügt Katja Müller an, die als Koordinatorin des Projekts "First Step" gemeinsam mit weiteren drei Frauen den Bürgern Hilfe in allen Lebenslagen anbietet.

"First Step" heißt übersetzt "Erster Schritt". Die kostenlose Anlauf- und Beratungsstelle sei daher vor allem auch für Menschen, die "gewisse Vorbehalte gegenüber Behörden haben", aber auch für Leute, die in den Räumen am Markt unbürokratische Hilfe bei ihren Fragen oder Problemen erwarten. "Zum Beispiel war vor Kurzem ein Senior bei uns, die einfach nur wissen wollte, wo sie eine Biotonne bestellen muss", erklärt Müller, die seit der Eröffnung des Büros Ende April mit ihrem Team mehr als 300 Beratungen zählte. Letztlich aber nutzten Jung und Alt das Angebot. Die meisten davon bräuchten Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen - vornehmlich für Kindergeld, Wohngeld, Hartz IV und Rente. Und nicht nur das: Auch bei der Suche nach einer Wohnung, die sich für die eine oder andere Familie oder Einzelperson aus den unterschiedlichsten Gründen für schwierig gestaltet, findet das "First Step"-Team zumeist eine Lösung. Dafür hat das Büro die erforderlichen Kontakte zu den Großvermietern der Stadt aufgebaut, um auf den kürzesten Weg zu vermitteln. Letzteres ist vor allem immer dann nötig, wenn die Glauchauer Beraterinnen an ihre Grenzen stoßen. "Dann können wir aber jederzeit auf andere Hilfs- und Beratungsstellen sowie Fachdienste im Landkreis zurückgreifen", sagt Mitarbeiterin Heike Zack, die sich neben der Arbeit mit Wohnungslosen auch auf die Beratung von Senioren und deren Angehörigen spezialisiert hat. Dann gehe es zumeist um Angebote der Altenhilfe. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei der Beratungsbedarf gestiegen. Nicht zuletzt bräuchte ein Großteil der Einwohner, die sich im "First Step" melden, Hilfe bei der Jobsuche und dem damit verbundenen Anfertigen von Bewerbungsunterlagen. "Wir nehmen den Ratsuchenden dabei aber nicht die Arbeit ab. Sie müssen zu Hause viel selbst erledigen", sagt Müller. Bis Ende nächsten Jahres wird die Anlaufstelle zu 95 Prozent über das sogenannte Programm "Nachhaltige soziale Stadtentwicklung" des Europäischen Sozialfonds gefördert. Die Gesamtkosten beziffert Marcus Steinhart, Fachbereichsleiter für Bürgerservice, Schule und Jugend der Stadt, mit 160.000 Euro. "Wir sind daran interessiert, dass das Projekt über 2020 hinaus weiterläuft", betont der Rathausmitarbeiter. Aber auch das Team selbst hält eine Fortführung für gerechtfertigt. "Manchmal müssen wir uns für die Hilfesuchenden viel Zeit nehmen, erstmal Vertrauen gewinnen. Die Schicksale lassen uns nicht kalt", sagt die Projektkoordinatorin Katja Müller. Steinhart hofft zudem aus diesem Projekt Rückschlüsse für die soziale Arbeit in der Kommune.


Kommentar: Hilfe jetzt und sofort

Keine Frage. Was die Frauen in der Anlaufstelle "First Step" Tag für Tag erledigen, ist nicht mit Gold zu bezahlen. Sie leisten genau das, was Ratsuchende - ob sie sich in einer Notsituation befinden oder nicht - wollen: nämlich Soforthilfe. Doch entscheidend ist und bleibt: In dem Büro sitzt jemand, der zuhört, der sich viel Zeit nimmt, der die Geschichte hinter der Geschichte sucht. Denn es geht um Vertrauen, auf beiden Seiten. Nur so lassen sich tatsächlich Lösungen finden, die von Dauer sind. Das ist gerade bei finanziellen Problemen, Obdachlosigkeit oder Jobsuche von Bedeutung.

Angesichts der Anzahl der Beratungen seit der Eröffnung sollten sich Verwaltung und Stadträte für die Fortführung des Projektes stark machen. Denn es geht um Hilfe in allen Lebenslagen - für alle Einwohner. Dass hierbei das "First Step"-Team ein verlässlicher Partner ist, haben die vier Frauen längst unter Beweis gestellt. Weiter so!

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