Mammut-Abriss: 18 Gebäude und Schornstein verschwinden

Eine Gößnitzer Firma hat das Rennen um den Großauftrag in Meerane gemacht. In der einstigen Kammgarnspinnerei wurde bis 1990 produziert.

Meerane.

Es ist das bisher größte Abrissvorhaben in Meerane. Mit der im Januar beginnenden Beseitigung der einstigen Kammgarnspinnerei hat der Stadtrat während der jüngsten Sitzung die Firma Abbruch und Recycling aus dem Gößnitzer Ortsteil Hainichen beauftragt. Die Vergabesumme beläuft sich auf mehr als 900.000 Euro. Inklusive Fördermitteln stehen Kämmerin Kerstin Eis zufolge rund 1,98 Millionen Euro zur Verfügung. Der Mammut-Abriss wird mit Zuschüssen aus dem Programm des Europäischen Sozialfonds für regionale Entwicklung umgesetzt.

Laut Jens Schumann vom Zwickauer Ingenieurbüro GUB, das das aufwendige Ausschreibungsverfahren der Stadt fachlich begleitete, hatten insgesamt 27 Unternehmen die Ausschreibungsunterlagen abgefordert. Letztlich hatten 17 Firmen ihre Angebote abgegeben. Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos) hatte in der Vergangenheit immer wieder von einem gewaltigen Projekt gesprochen. Das bestätigte Experte Schumann, der den Stadträten die gesamte Rückbauplanung erläuterte. Immerhin müssen insgesamt 18 Gebäude mit einer Maximalhöhe von 17 Metern beseitigt und der massiv gemauerte und etwa 45 Meter hohe Industrieschornstein gesprengt werden. "Der Rückbau befestigter Fläche erfolgt auf 2000 Quadratmetern", so Schumann weiter. Letztlich sei das Gelände auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern zu regulieren.

Zudem gebe es mehrere Gefahrenstoffe, die beseitigt werden müssen. Dazu gehören unter anderem 35 Tonnen Mineralwolle und 16 Tonnen sogenannter fest gebundener Asbest. Darüber hinaus müssen PAK-haltige Dachdichtungsbahnen entsorgt werden. PAK steht für Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe - einmal in die Umwelt entlassen, können sie über längere Zeit ihre giftige Wirkung entfalten.

In dem Zusammenhang betonte Ungerer, dass "wir dafür verantwortlich sind, dass ordentlich entsorgt wird". Der Rathauschef ist nach wie vor sehr froh, dass die Verwaltung bis zu 200 Ordner aus dem Archiv der einstigen Kammgarnspinnerei retten konnte. Daraus sei hervorgegangen, dass der Betrieb von Anfang an eine reine Spinnerei gewesen sei. Somit seien die Unterlagen für die im Vorfeld erarbeiteten Analysen eine wertvolle Hilfe gewesen.

Das Areal der Kammgarnspinnerei - bis Juli 1990 wurden dort Zwirne und Garne hergestellt - umfasst eine Fläche von gut 3,9 Hektar. Sie liegt zwischen Leipziger und Rosa-Luxemburg-Straße. Der Stadtrat hatte bereits vor einem Jahr die Weichen für die Entwicklung an dem Standort gestellt. Damals wurde ein Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst. Eine kleinere Teilfläche ist für die Errichtung von Eigenheimen als Privatvorhaben geplant. Die Stadt konzentriert sich dagegen auf die Restfläche mit einer Größe von 3,1 Hektar. Nach den Abrissarbeiten soll das Areal dafür genutzt werden, um den sich nördlich anschließenden Meerchenwald zu erweitern.

Damit hat die Stadt Meerane bald einen großen Schandfleck weniger. Das sieht auch Linke-Stadtrat Karsten Eisenkrätzer so. Er hatte die Verwaltung vor Längerem für die gute Vorbereitung der bisherigen Abrissprojekte gelobt. "Trotzdem schlagen zwei Herzen in meiner Brust", sagte der Stadtrat zum Abriss der Kammgarnspinnerei. Immerhin habe die Stadt Meerane einst von der Textilindustrie gelebt.

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