Meerane: Künstler stellt erstmals Goethes Faust-Serie aus

Siegfried Otto Hüttengrund aus Hohenstein-Ernstthal zeigt, wie Verführung zerstören kann. Aber warum beschäftigt er sich ausgerechnet damit?

Meerane.

Mythologische Themen haben es dem Künstler Siegfried Otto Hüttengrund schon immer angetan. So erzählen seine eindrucksvollen Werke von alten Sagen und Metaphern, die er in seinen Holzrissen symbolisch verarbeitet. Dabei lässt sich seine mythologische Weltansicht in kein vorgegebenes Korsett von Weltreligionen oder zeitgeistigen Denkmustern pressen. Seine Werke stellt er nun in Meerane in der Galerie "Art In" aus.

Dass die Mythen immer einen Bezug zu aktuellen Zeitgeschehnissen aufweisen, zeigt seine Serie "Goethes Faust". Darin setzt sich der Maler und Bildhauer mit dem aus dem Mittelalter stammenden Fauststoff auseinander, den Johann Wolfgang Goethe, später aufarbeitete. Menschliche Tragödie und zerstörende Verführung bilden die Essenz des Werkes. In Hüttengrunds Serie, bestehend aus 21 Bildern, erscheint Mephisto beispielsweise in Gestalt eines Bankers in Nadelstreifenanzug, der den Gelehrten Faust verführt und auf den falschen Weg bringt. "Heutzutage kannst du dir problemlos einen Kredit holen. Aber letztendlich verkaufst du dabei deine Seele, weil du diesen jahrelang abbezahlst und nicht mehr frei bist", sagt Hüttengrund. Laut dem Schweizer Psychiater C.G. Jung ziehe ein guter Geist, den man beanspruche, sechs weitere nach sich. Auch in der gewünschten Verjüngung Fausts durch Mephisto sieht Hüttengrund einen aktuellen Bezug. "Man kann sich mittlerweile mit vielen Mitteln oder medizinischen Eingriffen optisch verjüngen. Das sieht oftmals schlimmer als zuvor aus."

Der 1951 in Hohenstein-Ernstthal Geborene entdeckte die mittelalterliche Holztechnik der Holzrisse - verwandt mit dem Holzschnitt - während seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Dresden für sich und entwickelte seinen eigenen Stil. Mit einer harten Nadel wird dabei in die Oberfläche einer Holzplatte gekratzt. Er verblüfft immer wieder mit neuen Varianten in der Darstellung. So zählen Skulpturen und Ölbilder auch zu seinem Repertoire, ohne seiner grundsätzlichen Linie untreu zu werden. Die eigene Authentizität bewahren, das ist das Credo für den freischaffenden Künstler, der bereits in etlichen Ländern wie Japan, Norwegen, den USA und Australien ausstellte. "Über die Jahre baut man als Künstler eine geistige Haltung zu gewissen Dingen auf. Dann passiert es fast automatisch, dass man seinen eigenen Stil ausbildet. Seit 40 Jahren bin ich nun dabei. Meine Familie und meine Heimat geben mir Halt, damit ich nicht die Bodenhaftung verliere", sagt Hüttengrund.

Dabei ist der Inhaber vieler Kunstpreise eher umständlich zum Kunstschaffen gekommen. So begann er erst eine Lehre als Strumpffacharbeiter. "Nach der Lehre wurde mir klar, dass Strumpffacharbeiter nicht für mich ist. Ich begann ein künstlerisch geprägtes Abendstudium, neben meiner Tätigkeit als Karosserieklempner", sagt der Künstler.

Die Ausstellung "Stilles Glühen verfallender Zeit" wird am heutigen Mittwoch, 19.30 Uhr, in der Galerie "Art In" eröffnet. Sie ist bis zum 12. Mai zu sehen.

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