Meerane rückt dem Abwasser zu Leibe

Während im Rosenthal ein 2,50 Meter hoher Kanal auf seine Fertigstellung wartet, stehen für die kommenden Jahren noch Mammutaufgaben an.

Meerane.

Der Rohbau ist schon einmal imposant. Stellt man einen Besen in das riesige Rohr, das später einmal Abwasser aus Meerane transportieren soll, wirkt er wie ein kleiner Zahnstocher. 2,50 Meter misst der Kanal an dieser Stelle im Durchmesser. Ein riesiges Bauwerk, das aber nur eines von vielen ist, um die Bäche der Stadt Meerane vom Abwasser zu befreien.

Seit mehreren Jahren laufen an zahlreichen Stellen im Stadtgebiet Arbeiten, um das Schmutz- und Regenwasser in eigene Kanäle zu leiten und so den Dittrichbach und das Meerchen zu entlasten. Das 2,50 Meter hohe Rohr, das an der Kreuzung von Talstraße und Rosenthal liegt, ist 29 Meter lang und soll einmal das gesammelte Wasser aus dem Gebiet um das Böhmerviertel aufnehmen und in Richtung Kläranlage in die Crotenlaide weiterleiten. Es ist aber nur ein Teil der großen Anlage zur Behandlung von Mischwasser, die derzeit im Rosenthal gebaut wird. Vorgelagert soll noch ein Vereinigungsbauwerk entstehen, das den Inhalt der Abwasserkanäle zusammenführt. Anschließend führt ein Beckenüberlauf zum besagten 29 Meter langen Kanalabschnitt, bevor sich unterirdisch ein Drosselbauwerk anschließt, das das ankommende Wasser in einen bereits 2017 fertiggestellten Sammelkanal am Rotenberg weiterleitet.

Diese Bauwerke und die technische Ausstattung sollen laut Planer René Stoll bis Mitte Dezember fertig sein. Er ist optimistisch, den Termin halten zu können. Bis es soweit ist, fließt das Abwasser weiter über einen provisorischen 38 Meter langen Überlauf in den Dittrichbach.

Damit wäre das Böhmerviertel versorgt. Aber die größte Baustelle steht für die Verantwortlichen des Abwasserzweckverbands (AZV) Götzenthal erst für 2019 bevor. Dann muss dort ein Hauptsammler gebaut werden, wo der Dittrichbach sich unterirdisch unter der Straße Am Rotenberg bewegt. "Ein hoch komplexes und schwieriges Bauvorhaben, das wir in der Form noch nie umgesetzt haben", sagt Planer Stoll.

Auf Höhe des Hausgrundstücks Am Rotenberg 18 verschwindet der Dittrichbach unter der Straße und vereinigt sich am Altmarkt mit dem Seiferitzer Bach zum Meerchen. Für den 220 Meter langen unterirdischen Bachlauf suchten die Verantwortlichen lange nach einer sinnvollen Kanallösung. Die ursprünglichen Erwägungen sahen vor, den Sammler entweder unter der Sohle des unterirdischen Bachs zu verlegen, oder mitten in das Gewässer hinein. "Aber das wurde von der Wasserbehörde nicht genehmigt", sagt die technische Leiterin des AZV, Christine Wilfling. Außerdem wären diese Lösungen zu teuer gewesen. Deswegen habe man sich entschlossen, in dem vier Meter breiten und 1,50 Meter hohen unterirdischen Bach zwei Kanäle zu verlegen. Einer auf jeder Straßenseite, sodass die Hausanschlüsse aus beiden Seiten relativ einfach angebunden werden können.

Aber eben nur relativ. In Gänze ist das Vorhaben eine immense technische Herausforderung. Stoll zufolge sollen auf dem betroffenen 220 Meter langen Abschnitt des Rotenbergs zwischen Haus 18 und der Einmündung Schönberger Straße insgesamt vier größere Straßenöffnungen erfolgen. Von dort sollen Arbeiter die Rohre an den Rändern des Bachbetts entlang verlegen. Eine Vollsperrung des Straßenabschnitts gilt als unausweichlich. Aber über die genauen Abläufe könne man sich erst unterhalten, sobald feststeht, welche Firma den Zuschlag bekommt und wie sie sich die Arbeiten vorstellt. Die Ausschreibung soll im Oktober erfolgen, sodass der Bau Mitte März 2019 beginnen könnte. Christine Wilfling rechnet mit bis zu acht Monaten Bauzeit. Einschränkungen für Anwohner dürften unvermeidlich sein. "Aber auch bei den bisherigen Kanalbaumaßnahmen, wie beispielsweise der Schönberger Straße, haben wir das im Zusammenspiel mit den Anwohnern schon mit Bravour gelöst", sagt René Stoll.

Frei vom Schmutzwasser ist der Meerchenbach aber selbst dann noch nicht. Bis 2021 sollen im Bereich der Crotenlaide bis hin zur Kläranlage weitere Baumaßnahmen erfolgen. Als Kosten waren bisher 13 Millionen Euro geplant. Doch da inzwischen auch die Kostenberechnung einige Jahre alt ist, gehen die Verantwortlichen davon aus, dass der Kanalbau letztlich deutlich teurer werden dürfte. 90 Prozent davon sind aber in jedem Fall über ein Förderprogramm gedeckt.

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