Mehr Lärm durch Lagerzelt: Darf das Stahlzentrum anbauen?

Die Firma im Industriegelände Glauchau Nordwest braucht dringend mehr Platz für ihre Stahlrollen. Dafür soll befristet auf drei Jahre ein Zelt an die Halle angesetzt werden. Das sorgt für Diskussionsstoff im Ortsteil Gesau.

Glauchau.

Es ist ein vergleichsweise kleines Bauvorhaben, das die Gemüter bewegt: Das SZG Stahlzentrum Glauchau will an seinem Standort an der Peniger Straße im Industriegelände Glauchau Nordwest an die bestehende Halle ein Lagerzelt anbauen, um befristet auf drei Jahre zusätzliche Lagerfläche zu schaffen. Der Knackpunkt dabei: Mit dem Vorhaben werden die im Bebauungsplan festgelegten sogenannten Emissionskontingente in Sachen Lärm tags wie nachts überschritten.

Die Firma hat einen Antrag gestellt, um die Kontingente überziehen zu dürfen. Der Technische Ausschuss der Stadt Glauchau muss darüber am 3. September entscheiden. Vorige Woche wurden die Ortschaftsräte in Gesau angehört. Heute sind die Jerisauer dran - auf deren Flur befindet sich das Stahlzentrum. Es stellt sich die Frage: Wie viel mehr an Geräuschpegel bringt der geplante Anbau mit sich und warum soll nur ein Zelt gebaut werden? Über das Stahllager der Firma wird die gesamte Belieferung des Zwickauer VW-Werkes mit Coils (Stahlrollen), Platinen und Aluminium abgewickelt. Weitere Kunden sind der Firma zufolge stahlverarbeitende Betriebe in Sachsen und Tschechien. Der Betrieb läuft rund um die Uhr, das sei für einen Zulieferer der Autoindustrie auch unerlässlich, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt.

Seit zwölf Jahren existiert das Stahlzentrum an dem Standort. "Wir konnten uns nicht vorstellen, dass die Halle einmal voll wird, aber nun ist sie es", schilderte der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt, Gunnar Heerdegen, am vergangenen Mittwoch vor den Ortschaftsräten in Gesau. Die Firma habe sich bereits Flächen für eine Erweiterung gesichert, aber im Moment habe sie ein Platzproblem, auf das sie reagieren müsse, so Heerdegen.

Schalltechnisch betroffen wären eine Kleingartenanlage und ein Wohnhaus. Für diese Orte wurde untersucht, welche Auswirkungen der Zeltanbau hat. Bei der Gartenanlage werden die Emissionskontingente danach tagsüber um 2,5 Dezibel (dB) überschritten, beim Wohnhaus sind es 1,3 dB am Tag und 2,8 dB nachts. Das sei kein Pappenstiel, sagte Heerdegen. Er relativiert aber: Die Kontingentwerte gelten unter der Bedingung, dass das Industriegebiet voll belegt ist und alle Firmen tatsächlich arbeiten. Das sei hier nicht der Fall. Noch seien sechs Hektar Fläche frei. Und nachts arbeite ohnehin nur das Stahlzentrum.

Zusätzlich sei auch noch eine zweite Rechnung angestellt worden, bei der nur der vom Stahlzentrum potenziell ausgehende Geräuschpegel untersucht wurde. Dabei wurden die TA-Lärm-Werte angelegt, die nach den Richtlinien für Mischgebiete noch einmal um 6 dB reduziert wurden. Ergebnis: Die Richtwerte von 54 dB (tagsüber) und 39 dB (nachts) wurden sowohl an der Kleingartenanlage als auch am Wohnhaus eingehalten. (TA-Lärm ist eine Verwaltungsvorschrift des Bundes zum Schutz gegen Lärm) Und weil die Pläne städtebaulich vertretbar und die anderen Interessen mit den öffentlichen Belangen vereinbar seien, solle der Technische Ausschuss dem Projekt zustimmen, heißt es in dem Papier der Stadt.

In Gesau allerdings, auf dessen Gemarkung Kleingartenanlage und Wohnhaus liegen, sind nicht alle einverstanden. Ortschaftsrätin Helga Scheurer hält mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Es rollten schon genug Lkw von früh bis spät die Meeraner und Peniger Straße entlang. Das sei schon eine Belastung. Jetzt noch ein Zelt aufzubauen, sei eine Zumutung. "Gibt es denn keine andere Lösung", fragt sie. Ortsvorsteher Jörg Billing glaubt, dass sich die Situation durch das Lagerzelt nicht spürbar ändern wird: Die Lkw stehen ja schon da, das könne man auch nicht ändern.

Fachbereisleiter Heerdegen sicherte zu, klären zu lassen, ob auch ein anderer Standort für das Zelt auf dem Areal möglich ist. Er notierte sich auch einen weiteren Punkt, der in Gesau zur Sprache kam: Auf die Frage, ob denn gesichert ist, dass die Tore an der Halle nachts zu sind, kam von Heerdegen ein "Nein". Zwischen Lagerhalle und Zelt sei kein Tor mehr vorgesehen. Das Stahlzentrum wollte sich auf Anfrage vor der Entscheidung am 3. September nicht äußern - weder zur Größe des Zeltes noch zu der Frage, weshalb kein fester Anbau erfolgt.

Der Ortschaftsrat Jerisau/Lipprandis tagt heute ab 19 Uhr im Kirchgemeindehaus, Martinsplatz 5. Im öffentlichen Teil stehen neben der Anhörung zu dem Stahlzentrum-Plan auch ein Grundstücksverkauf für den Bau einer Kfz-Werkstatt sowie eine Diskussion zur Umleitung bei Vollsperrung der B 175 auf der Tagesordnung. Zudem können Fragen an OB Peter Dresler gestellt werden.

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