Merkel besucht Muldestadt

Die Bundeskanzlerin hat am Montag im Zwickauer Schwanenteichpark eine Rose am Gedenkbaum für NSU-Opfer Enver Simsek niedergelegt.

Zwickau.

Als Angela Merkel (CDU) eine weiße Rose niederlegt, ist es merkwürdig still. Kein Verkehrslärm kommt von der Reichenbacher Straße, die für die Dauer des Besuchs der Bundeskanzlerin für den Verkehr gesperrt ist. Nur das nervöse Klicken unzähliger Fotoapparate ist zu hören. Und das Gegröle der etwa zwei Dutzend Gegendemonstranten, die sich vor der Moccabar postiert haben und "Merkel muss weg" skandieren. Merkel muss dann tatsächlich recht schnell weg. Nach einer kurzen Ansprache reist sie nach Berlin ab, dort wartet ein Autogipfel.

Die Stunden bevor Angela Merkel den Schwanenteichpark erreicht, rufen in der Muldestadt ein kleines Verkehrschaos hervor. Überall in der Stadt sind Polizisten postiert. Schon gegen 11 Uhr, zwei Stunden vor dem Eintreffen der Kanzlerin, darf sich niemand mehr dem Schwanenteichpark nähern. Die Beamten schicken Fußgänger noch vor der Humboldtstraße weg. Auch das Justiz-Wachpersonal muss warten, das Amtsgerichtsgebäude am Rande des Parks liegt in der Sperrzone. Die Reichenbacher Straße ist für Fußgänger ebenfalls tabu.

Wer über die Bahnhofstraße den Weg zum Parkzugang zwischen Reichenbacher und Parkstraße findet, trifft dort auf ein Grüppchen Schaulustiger. Den Park betreten dürfen die Passanten zwar auch dort nicht, gucken ist aber erlaubt. "Wie sollen wir denn jetzt zum Kinderspielplatz kommen", fragt eine Frau, die ein kleines Mädchen an der Hand hält. Im Vorbeigehen bellt ein Spaziergänger: "Der Spielplatz ist heute zu, weil eure Kanzlerin kommt." Die Polizisten auf der Reichenbacher Straße stoppen sogar eine Postbotin auf ihrem Elektrofahrrad. Erst nach kurzer Diskussion darf die Frau ihren Weg in Richtung Innenstadt fortsetzen. Die Gehsteige sind leer, der Autoverkehr wird eine halbe Stunde vor Merkels Eintreffen umgeleitet. Der südliche Teil des Schwanenteichparks, in dem sich der Kinderspielplatz Schwanenstadt befindet, ist laut einer Stadtsprecherin tatsächlich aber zugänglich. Auch wenn Beamte Passanten daran hindern, zur Ziegelwiese zu gelangen.

Unmittelbar vor den am Sonntag gepflanzten Gedenkbäumen ist eine Heerschar Journalisten in Position gegangen. Merkel wird nur eine Viertelstunde da sein, ein paar Sätze sagen und dann wieder gehen. Als kurz vor 13 Uhr der Tross eintrifft und sich abseits der Mikrofone ins Gespräch mit acht Schülern des Peter-Breuer-Gymnasiums vertieft, ist es schließlich Merkel, die als erste das Wort ergreift und daran erinnert, dass sie versprochen habe, "alles zu tun, damit sich solche Dinge nicht wiederholen". Sie wolle sich einsetzen, dass die Opferfamilien ein normales Leben führen könnten. Sie dankt der Stadt Zwickau, die Bäume gepflanzt zu haben. Sie sagt, dafür brauche es mutige Menschen und dass sie froh sei, dass heute junge Schüler anwesend seien. Dann reicht sie das Mikrofon weiter an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und OB Pia Findeiß (SPD). Zum Schluss darf Gymnasiast Jakob Springfeld sprechen. In seiner Rede fordert er ein dauerhaftes NSU-Dokumentationszentrum, um zu zeigen, "dass wir für ein buntes Zwickau einstehen". Merkel lächelt und gibt ihm die Hand. Kurz danach wird die Reichenbacher Straße wieder geöffnet. Und der Verkehrslärm dröhnt wieder wie immer.

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