Mit Enthusiasmus für den Jazz

40 Jahre hat der Jazzclub Glauchau auf dem Buckel. Das Open Air, das der Verein jedes Jahr auf die Beine stellt, ist aus dem Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Doch in die Feierlaune mischen sich auch Zukunftssorgen.

Glauchau.

Rainer Heidernätsch fällt zu fast jedem Foto ein Satz ein. "Da, das Friedhelm Schönfeld Trio. Das war eine der ersten Freejazz-Bands in der DDR. Und hier, die Norbert Stein Pata Masters, die hatten eine Kontrabassflöte dabei. Ein Außenseiterinstrument. Interessant", erzählt er und zeigt auf ein paar Bilder, die nebst weiteren in einem Rahmen stecken. Mehr als 300 Fotos haben die Mitglieder des Jazzclubs Glauchau zusammengetragen. Am Samstag werden sie für einen Tag zu sehen sein im Schloss Hinterglauchau, denn der Verein feiert an diesem Tag sein 40-jähriges Bestehen - zeitgleich mit dem Internationalen Jazz-Open-Air im Schlosshof, das der Club seit Jahren auf die Beine stellt.

Thorsten Dahlberg, der wie Heidernätsch zu den Gründungsmitgliedern zählt, blickt auf eine "spannende und bewegte Zeit mit Höhen und Tiefen zurück. Nach 40 Jahren stehen etwa 660 Clubabende sowie über 200 Konzerte in Form von Festivals, Open Airs oder Einzelveranstaltungen mit über 700 Musikern von fünf Kontinenten zu Buche.

Es war im Sommer 1978, als sich ein paar Jazz-Enthusiasten in Glauchau fanden, um der Musik ein Podium zu geben. Unter Schirmherrschaft des DDR-Kulturbundes erfolgte kurz darauf die Gründung, zunächst als Freundeskreis Jazz. Die Mitgliederzahl sei schnell auf über 30 angestiegen, erzählt Heidernätsch, heute Vize-Vereinschef. Schon beim ersten Konzert am 23. September war der Veranstaltungsort, eine Villa in der Martini-Straße, in der der DDR-Kulturbund residierte, restlos überfüllt. Für das Provinzstädtchen sei es damals ein Wachrüttler gewesen, als internationale Musiker nach Glauchau kamen, schildert Dahlberg. Zu den ersten Glauchauer Jazztagen 1979 kamen an drei Tagen über 1300 Besucher. Doch zwei Jahre später zur nächsten Auflage sei nur noch ein Drittel erschienen, so Heidernätsch. Das war das Aus für die mehrtägige Veranstaltung. "So eine Euphorie wie in den 1970er-Jahren hat es nie wieder gegeben", findet er. Und Dahlberg verweist auf größere Festivals, die in den 1980er-Jahren anderswo stattfanden. "Da war im ganzen Land mehr los." Die Jazzfreunde organisierten fortan nur noch Einzelkonzerte. Bis auch dort die Besucherzahlen zurückgingen. Die letzten Konzerte gab es 2008. Das Open Air im Schlosshof aber ist eine feste Institution geworden, heuer gibt es die 25. Auflage. Als der Club zum 15-jährigen Jubiläum 1993 erstmals in den Schlosshof lud, sollte das eigentlich eine einmalige Sache bleiben. Doch 1994 machten sie ein Open Air daraus. Es sei immer eine schöne Atmosphäre im Hof, "unterm Kastanienbaum bei goldenem Licht", schwärmt Dahlberg. 2017 kamen 140 Gäste, das sei gut gewesen. In der Regel sind es um die 100. 2002 seien es sogar mal über 200 Gäste gewesen. Diesmal hat der Verein Musiker eingeladen, die über die Jahre präsent waren - unter anderem Joe Sachse, Heiner Reinhardt und Conny Bauer. Ausnahme ist der norwegische Schlagzeuger Dag Magnus Narvesen - er ist das erste Mal dabei.

Zu DDR-Zeiten existierten, sagt Heidernätsch, über solcher 60 Jazzclubs. Doch mit der Wende verschwanden die meisten. Die Glauchauer überlebten nicht zuletzt, weil mit der Einführung des Kulturraumgesetzes 1994 die Chance kam, Fördergelder für die Ausrichtung von Veranstaltungen zu beantragen.

"Aber ob wir noch ein 50-jähriges Jubiläum schaffen?" Dahlberg zuckt mit den Schultern. Die Mitgliederzahl ist auf zwölf geschrumpft, "fast alle sind in den 60er-Jahren", wie Heidernätsch betont. Ein neues Mitglied hat sich gerade angekündigt, 55 Jahre alt. "Also ein Spund", scherzt Dahlberg. Im "Deutschen Haus" am Markt treffen sie sich, jeden ersten Dienstag im Monat. Es ist eine Art Stammtisch geworden, "da geht es nicht nur um Musik". Aber zu kurz kommt die sicher nicht. Denn dass ihnen der Jazz am Herzen liegt, können die beiden nicht verbergen. Und so wollen sie und ihre Mitstreiter auch künftig ein Open-Air "stemmen", jedenfalls solange Fördergelder fließen, genügend Leute kommen und "es Spaß macht".

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