Mit Marke Eigenbau: Auf drei Achsen durch Australien

Ein Waldenburger und ein Werdauer reisen seit einem halben Jahr durch Australien. Das Besondere: Das Auto, mit dem sie fahren, ist zur Hälfte zusammengebastelt.

Waldenburg/Werdau.

Mehr als 40.000 Kilometer haben Michael Schindler und Toni Eschborn hinter sich. Seit einem halben Jahr reisen die beiden durch Australien, vor allem durch das Hinterland und die vielen Nationalparks.

In Australien ist das zunächst nichts Besonderes, viele Touristen sind auf dem Kontinent unterwegs, um Landschaft und Natur zu erkunden, oft in einem Wohnmobil oder einem Landrover. Doch der Waldenburger Schindler und der Werdauer Eschborn waren bisher auf jedem Campingplatz, den sie angesteuert haben, der Blickfang. Denn auf ihrem Ute (gesprochen: Jut), der australischen Variante eines Pick-up, haben sie dort, wo eigentlich die Ladefläche ist, ein kleines Haus gebaut. Inklusive Schlafkabine, einer Küche mit Mikrowelle, fünf Gasherdplatten, Kühlschrank und 60-Liter-Trinkwasser-Vorrat. Energie liefern zwei Solarmodule auf dem Dach.


Die Vorrichtung ist ein kompletter Eigenbau der Männer. Michael Schindler ist Mechatroniker, Toni Eschborn Elektroniker. Um Geld für ihre Rundreise zu verdienen, arbeiteten sie zunächst mehrere Monate bei einer Firma in Melbourne, die Fenster und Türen herstellt. "Deutsche Handwerker sind hier gefragt", sagt Eschborn. Warum sie sich vom Ersparten nicht einfach einen Landrover kauften? "Gute Frage", sagt Toni Eschborn. "Wir hätten dabei wohl weniger Schlafplatz und Stauraum für Gepäck gehabt." Schließlich habe jemand bei einem Stammtischgespräch den Vorschlag gebracht: "Kauft euch einen Ute und baut einfach was hinten drauf!"

Wie ernst der Vorschlag war, sei dahingestellt. Toni Eschborn jedoch fing Feuer für die Idee. Michael Schindler: "Die Sache ist dann etwas ausgeartet." Was folgte, waren wochenlange Arbeiten. Skizzen, Konstruktionspläne, Materialbeschaffung, Montage. Alles in Eigenregie. "Ich war mehrfach am Aufgeben und mit meinen Nerven am Ende", sagt Schindler. Die Halle und Geräte ihrer Firma in Melbourne durften sie nutzen. Beim Bau gab es oft Hindernisse. Als das Mini-Haus so gut wie fertig war, fiel auf: Das Gewicht ist zu schwer für das Auto. "Unser Chef in Melbourne sagte dann: Baut doch eine dritte Achse ein." Gesagt, getan. In Deutschland wäre das wohl schwer durch den TÜV zu bekommen. "Unser Chef meinte nur, das interessiert hier niemanden."

Nach zweieinhalb Monaten war alles fertig. Kosten fürs Auto: 10.000 australische Dollar. Weitere 15.000 für den Eigenbau. "Arbeitszeit nicht mitgerechnet", sagt Eschborn. Einen Namen haben sie dem Gefährt auch verpasst: "Hybris", ein griechischer Ausdruck für Hochmut oder Größenwahn. "Wir fanden, das trifft es gut", sagt Toni Eschborn und lacht. Immerhin: Seitdem sind sie mit ihrem Auto durch Down Under unterwegs. Reparaturen gab es mehrere, bisher ging stets alles gut. "Einmal riss eine Blattfeder. Aber wir sind nach einigem Nachfragen zu einem Kerl geschickt worden, der das schweißen konnte", sagt Eschborn.

Im Dezember wurde aus dem Duo ein Trio, als für knapp drei Monate ein Arbeitskollege aus der Heimat hinzustieß. Simon Parthum aus Callenberg arbeitet wie Schindler und Eschborn in Limbach-Oberfrohna beim Unternehmen Warema. In einem Blog berichtet er mit Bildern und Videos über die Erlebnisse. Michael Schindler beeindruckt an Australien am meisten die Natur, Toni Eschborn die Mentalität der Leute: "Alles viel entspannter als in Deutschland." Spätestens im April wollen die beiden Tüftler nach Deutschland zurück. Das Auto soll verkauft werden. "Wenn wir 20.000 Dollar dafür bekommen, haben wir für das Jahr nicht einen Euro aus Deutschland hier ausgeben müssen", rechnet Toni Eschborn vor. Selbst wenn diese Rechnung nicht aufgeht: Die Bau- und Reiseerfahrung mit ihrer "Hybris" ist unbezahlbar.

aller3dinge.wordpress.com

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