Mit Wasserstoff-Antrieb über die Piste

1998 stieg die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten in Sachsen bedrohlich. Mit dem Verkehrssicherheitstag wollte der Freistaat gegenlenken. Heute ist der Tag ein Selbstläufer, der Tausende anlockt.

Oberlungwitz.

Aus dem Auspuff, nur ein kleines Plasteröhrchen, tröpfelt Wasser. Mehr Emissionen verursacht die Brennstoffzelle des Toyota Mirai nicht, keine Stickoxide, kein CO2. "Seine 154 Pferdestärken stammen aus flüssigem Wasserstoff. Der wird, mal ganz einfach ausgedrückt, in Elektroenergie umgewandelt. Das Auto selbst treibt dann ein E-Motor an", erklärt Jens Grohmann von der FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH in Dresden. Der Spezialist auf dem Gebiet des zukunftsorientierten Straßenverkehrs und Verkehrssicherheit hat zwei dieser wasserstoffbetriebenen Pkw zum Sachsenring mitgebracht - ein Novum beim 21. Sächsischen Verkehrssicherheitstag.

Bereits rund 1000 Besucher bevölkerten das Terrain rund um die Boxengasse der Weltmeisterschaftsrennstrecke, als Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Vormittag zum Mikrofon griff und den Verkehrssicherheitstag eröffnete. Zum fünften Mal erledigte er diesen Job. "Wir reden viel von Mobilität, Veränderungen im Straßenverkehr und Verkehrssicherheit, aber hier kann man alles selbst erleben", so Dulig. Er warb vor allem für mehr gegenseitiges Verständnis der Verkehrsteilnehmer. "Die Straße wird viel zu oft zur Kampfzone."


Für eine Probefahrt mit dem wasserstoffbetriebenen Toyota war Schlangen stehen angesagt. Ronny Weißbach erkämpfte sich schließlich ein Cockpit. Der 53-Jährige aus Chemnitz saß zum ersten Mal hinterm Lenkrad eines solchen Autos: "Vom Fahrgefühl ist es nichts anderes als ein E-Auto. Ich denke schon, das ist die Zukunft, auch wenn es im Moment 78.000 Euro kostet", sagt der Mann, der als Dozent in einer Bildungsgesellschaft arbeitet. Das Auto bringt es auf maximal 175 km/h, entwickelt 154 PS und 335 Newtonmeter Drehmoment. "Eine Tankfüllung sind fünf Kilogramm flüssiger Wasserstoff, der mit 700 Bar in den Tank unterm Rücksitz gepumpt wird. Das dauert drei Minuten", erklärt Daniel Freyer von der FSD, der die Gäste vom Beifahrersitz aus bei den Probefahrten anleitete. "Ein Kilogramm Wasserstoff kostet 9,50 Euro, und mit einer Tankfüllung schafft das Auto rund 500 Kilometer." Eine Frage bewegte fast jeden Besucher. Was passiert bei einem Unfall? Schließlich steht der Kraftstoff unter hohem Druck. Befürchtungen, man habe eine Gasbombe unterm Hintern, kann Jens Grohmann entkräften: "Der Tank aus Kunststoff ist stabil wie ein Tresor. Und es ist vorgeschrieben, dass er nach zehn Jahren ausgetauscht wird. Im Extremfall, wenn von hinten beispielsweise ein Lkw auffährt, öffnen sich am Tank zwei Ablassventile. Es kann maximal eine kurze Stichflamme unterm Auto geben, dann ist der Wasserstoff weg."

Tausende Besucher nutzten das Kaiserwetter, die 50 Infostände und Mitmachstationen zu besuchen. Das Angebot reichte von Augentests über Fahrsimulatoren und Probefahrten mit E-Autos, Mitfahrten im H6-Oldtimerbus bis hin zum Fahrrad-Hindernisparcours und Vorführungen des Rennfahrernachwuchses des AMC Sachsenring. Neu im Programm auch ein Crash-Test. Die Anlage von der Landesverkehrswacht simuliert einen Auffahrunfall mit einem Smart bei 10 km/h. Maximilian Hentschel aus Hohndorf ließ sich nicht lange bitten. "Ich habe vor drei Wochen meinen Renault Scenic auf der S 255 geschrottet. Ich war auf nasser Straße zu schnell in der Kurve und landete in der Leitplanke. Mir ist zum Glück nichts passiert. Aus dem Unfall habe ich gelernt, deshalb bin ich heute auch hier", sagt der 18-Jährige. Übrigens: 1998 gab es den 1. Verkehrssicherheitstag am Sachsenring. Eigentlich wäre es die 22. Auflage gewesen. Doch einmal wurde das Event der Fußball-WM geopfert.

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