Nach den Campern kommen Müllsammler und Schatzsucher

Wenn die Karawane der Grand-Prix-Stars weiterzieht, bleibt tonnenweise Müll zurück. Doch nicht alles ist Abfall. Dann ist die Stunde der Sammler gekommen.

Oberlungwitz.

Sven Scholz zieht mit seinem Metall-Detektor Marke Garrett gleichmäßige Viertelkreise über den Rasen. Der 45-Jährige hat extra Urlaub genommen. Seit fünf Jahren geht er immer am Montag nach dem Grand Prix auf dem Ankerberg auf Schatzsuche. Ein Ton und die Anzeige auf dem Display am Griff zeigen dem Zwickauer an, dass sich etwas im Gras versteckt. "Du kannst mit dem Gerät Eisen ausblenden", sagt der 45-Jährige. Es muss also etwas anderes sein.

Sein Kumpel arbeitet sich etwas entfernt von ihm durchs Gelände. Er hat schon richtig Beute gemacht: rund 25 Euro in Münzen, ein Ohrring, zwei Kettenanhänger, ein Metall-Armband. Auch Scholz hat vor allem Geld gefunden. "Du musst dort suchen, wo die Ausschankwagen standen. Da fallen den Leuten die Geldstücke aus der Hand", weiß er. "Du findest alles Mögliche. Geld, Schmuck, Abzeichen. Ich habe auch schon viele Fundstücke verkauft", sagt er. Wegen des Geldes geht Sven Scholz nicht auf den Ankerberg. "Es ist der Nervenkitzel, man freut sich, wenn man etwas findet. Und du bist dabei an der frischen Luft."


Mit anderer Absicht ist der Hohenstein-Ernstthaler Michael Grehl mit seinen zwei Söhnen angerückt. Der 13-jährige Benjamin bastelt gern. "Ich will noch ein Gartenhaus bauen und brauche dafür Holz. Ein Doppelstockhaus habe ich schon gebaut", sagt der Junge, der seinen kleinen Bruder Jonas (10) als Helfer hat. Die beiden schrauben an zurückgelassenen Holzgerüsten der Camper. Binnen kurzer Zeit füllt sich das Auto der Familie bis unters Dach mit Brettern, Latten und Kanthölzern. "Es sind Ferien, da sind die beiden beschäftigt", sagt Papa Michael.

Was niemand mehr braucht, türmte sich nach wenigen Stunden zu Müllbergen auf. Seit vielen Jahren rückt die Recyclingfirma Dr. Sickert aus Dresden mit Arbeitskräften aus Polen und Tschechien an, um die Landwirtschaftsfläche von Kronkorken, Plastemüll, Zelten, Klappstühlen, Liegen und den Überresten von Feuerwerken zu befreien. Dabei packt der 65-jährige Firmenchef Steffen Sickert selbst mit an. Sechs bis acht 30-Kubikmeter-Container füllen sich. Leere Flaschen werden zu Trinkgeld für die Truppe.

Dass Sondermüll wie Kühlschränke und Matratzen zurückbleiben, dem hat der Veranstalter gleich vorgebeugt. "Das kostet bei uns 25 Euro Kaution pro Stück", sagt Nicole Jakob von Polster Catering. Sie verwaltet gemeinsam mit Luisa Trummer auch die Fundsachen. Am Montagmorgen hatte sie noch immer drei Geldbörsen, vier Handys, mehrere Schlüsselbunde und zwei Autoschlüssel sowie zwei Personalausweise in Gewahrsam. "Meist bekommen die Leute ihre Sachen schon hier zurück." Insgesamt waren diesmal 20 Handys abgegeben worden.

Friedrich Meyer (62) und seine Lebensgefährtin Conny Meyer (56) gehörten zu den Letzten auf dem Ankerberg. Sie wollten noch ihre Feuerwerkskörper abholen. Die hatte ihnen die Security wegen des erheblichen Brandrisikos schon bei der Anfahrt weggenommen. "Zu schlecht versteckt", witzelte der Mann aus Kassel. "Nein, das ist schon in Ordnung." Er kommt 2020 natürlich wieder her. "Die Tickets haben wir schon gekauft."

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