Neue Tafeln weisen auf alte Wege der Post hin

Der Denkmalverein Glauchau hat am Wochenende das erste von zehn Hinweisschildern eingeweiht. Auch die Versteigerung des Postgebäudes war bei den Besuchern ein großes Thema.

Glauchau.

Zu überhören war die Einweihung der neuen Tafel in Glauchau nicht. Dafür sorgte Reinhard Scherzer. Verkleidet als Postillon machte er am Samstagnachmittag mit der Posttrompete auf ein besonderes Ereignis aufmerksam, das historisch und aktuell zugleich ist. Gemeinsam mit Ines Springer (CDU), die als Vertreterin des Glauchauer Oberbürgermeisters Peter Dresler gekommen war, enthüllten die Mitglieder des Denkmalvereins die erste von insgesamt zehn Hinweistafeln, die an ehemaligen Poststraßen und Postämtern aufgestellt werden.

Der Denkmalverein hatte sich bereits im vergangenen Jahr intensiv mit der Postgeschichte und den regionalen Verbindungen beschäftigt. "Wir haben uns entschlossen, das Thema in dieses Jahr mitzunehmen und zum Tag des offenen Denkmals die erste Tafel einzuweihen", sagte Peter Dittmann.

Am Schulplatz befand sich ebenfalls ein ehemaliges Postamt, weshalb hier die erste Tafel, die einen Überblick über die Geschichte gibt, aufgestellt wurde. Heute wird das Gebäude von der städtischen Altenheim gGmbH genutzt. Zur Einweihung wurde die Tafel auf eine Staffelei gestellt. "In den nächsten Wochen wird sie einbetoniert", sagte Vereinsvorsitzende Monika Hanns.

Rund 3000 Euro sind für die Produktion und Aufstellung der Tafeln nötig. Finanziert wurde das Projekt ausschließlich über Spenden. Die Hinweistafeln sollen nicht nur Erläuterungen zu wichtigen Meilensteinen an den Poststraßen liefern. "Durch sie werden auch nicht mehr vorhandene Steine ersetzt", erklärte Peter Dittmann. Dadurch seien die Poststraßen auch heute noch nachvollziehbar. Für die Standorte der Tafeln in Lichtenstein, St. Egidien und Waldenburg hat sich der Verein Kooperationspartner vor Ort gesucht, die das Vorhaben unterstützen.

Eigentlich hätte der Denkmalverein gerne das Postgebäude in der Leipziger Straße für seine Veranstaltung zum Denkmaltag genutzt. "Das war aufgrund der aktuellen Situation jedoch nicht möglich", sagt Peter Dittmann. Ende August ist das Gebäude für 460.000 Euro versteigert worden. Monika Hanns war bei der Auktion in Dresden dabei, hatte aber keine Gelegenheit, mit den neuen Eigentümern zu sprechen. "Ich habe sie über das Auktionshaus zu unserer Veranstaltung eingeladen", sagt Hanns. Gekommen ist das Paar jedoch nicht. "Dafür habe ich aber Verständnis, der Kauf muss ja erst ordnungsgemäß abgewickelt werden", sagt sie. Auch unter den Besuchern war die Versteigerung des Postgebäudes ein großes Thema. "Ich denke, dass jemand, der soviel Geld für ein denkmalgeschütztes Gebäude ausgibt, auch einen Plan hat, was er damit machen möchte."

Eine ganz besondere Verbindung zum Postamt in der Leipziger Straße hat Restaurator Christian Metzeroth, der nach der Einweihung der Tafel einen Vortag im Weißen Gewölbe hielt. Sein Urgroßvater William Metzeroth hat zwischen 1891 und 1893 an der aufwendigen Decken- und Wandgestaltung mitgearbeitet. "Durch einen großen Zufall habe ich die Malereien bei Restaurationsarbeiten 1989 entdeckt", sagte Metzeroth. Beim Ausbauen einer Decke ist Farbe abgesplittert. Niemand wusste bis dahin, dass sich unter der dicken Schicht ein einzigartiges Kunstwerk befindet.

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