Niederwinkel hat plötzlich kein Wahllokal mehr

Die Bewohner aus dem Waldenburger Ortsteil reagieren sauer über die weiten Wege zur Wahlurne. Doch die Stadt Waldenburg hält an ihrer Entscheidung fest.

Niederwinkel.

In dem Waldenburger Ortsteil Niederwinkel herrscht Unruhe. Erstmals seit vielen Jahren wird es in Niederwinkel kein Wahllokal geben. Die Bewohner müssen entweder auf die Briefwahl zurückgreifen oder am 1. September den Weg in das Wahllokal in der Altstädter Grundschule in Waldenburg auf sich nehmen. "Viele, vor allem ältere Leute, sagen nun, dass sie gar nicht wählen gehen werden", sagt Heiko Winter, der schon viele Jahre in Niederwinkel wohnt. Dass es in der Vergangenheit im Ort jemals kein Wahllokal gegeben hat, daran kann er sich nicht erinnern. Dabei haben sich nach seinen eigenen Worten ausreichend Leute als Wahlhelfer zur Verfügung gestellt und sich auch im Waldenburger Rathaus rechtzeitig gemeldet. Und mit dem Gasthof "Goldener Hahn" stehe eine geeignete Örtlichkeit zur Verfügung, so wie bei den vorangegangen Wahlen auch. "Jetzt auf einmal heißt es, dass es in Niederwinkel kein Wahllokal mehr gibt", ärgert sich Heiko Winter. Das würden die Bewohner im Dorf nicht verstehen.

Die Entscheidung der Stadt verteidigt Waldenburgs Bürgermeister Bernd Pohlers (Freie Wähler). Es sei richtig, dass sich zunächst sechs Wahlhelfer im Rathaus gemeldet hatten, doch seien zwei wieder abgesprungen. "Wir wollten aber keinen Wahlhelfer aus der Stadt oder einem anderen Ortsteil nach Niederwinkel schicken", sagt Pohlers. Es sei ohnehin schwierig, ehrenamtliche Wahlhelfer zu finden. Deshalb sei die Entscheidung gefallen, auf ein Wahllokal in Niederwinkel zu verzichten. Nach den Worten des Bürgermeisters gebe es in diesem Ortsteil um die 160 Wahlberechtigte, wovon erfahrungsgemäß "etwa 100 Niederwinkler zur Wahl gehen", sagt Pohlers und legt nach: Die Bewohner anderer Ortsteile haben auch weite Wege ins Wahllokal. Die Oberwinkler zum Beispiel müssen in die Altstadt, die Schwabener, Frankener und Schlagwitzer haben ihr Wahllokal schon immer in Dürrenuhlsdorf. Nach Angaben der Stadt leben im Ortsteil Schwaben 204 Einwohner, in Niederwinkel sind es 184. Die weitere Reihenfolge: Schlagwitz: 126, Dürrenuhlsdorf: 95, Oberwinkel: 85 und Franken: 70. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2018.


Bei den Kommunalwahlen und den Europawahlen am 26. Mai dieses Jahres - zu diesem Zeitpunkt gab es in ganz Waldenburg 3359 Wahlberechtigte - existierte in Niederwinkel noch das Wahllokal. Die Stadt Waldenburg hatte aber zuvor in ihrem Amtsblatt verkündet, dass, wenn sich nicht sechs Wahlhelfer aus dem Ort finden, es in Niederwinkel kein Wahllokal geben werde. Damals fanden sich ausreichend Wahlhelfer, und alles war gut.

Für die Niederwinkler, die den Weg zur Altstädter Grundschule nicht auf sich nehmen können oder wollen, bleibt im Grunde die Briefwahl. Die Unterlagen kann man aus dem Rathaus anfordern oder abholen, sagt Bürgermeister Pohlers. Das Briefwahllokal befindet sich im Einwohnermeldeamt im Rathaus am Markt.

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