"Noch mal? Ein ganz klares Ja"

Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler über seine zehnjährige Amtszeit und die Herausforderungen heute

Glauchau.

Der 1. August 2008 war für Glauchau ein besonderer Tag. 18 Jahre nach den ersten freien Kommunalwahlen wechselte im Rathaus die Spitze. Peter Dresler, einst Wendebürgermeister von 1989 bis 1990, löste 2008 den Amtsinhaber Karl-Otto Stetter als Oberbürgermeister ab. Wie sich die Lage heute darstellt, darüber hat Stefan Stolp mit dem Stadtoberhaupt gesprochen.

Freie Presse: Herr Dresler, zehn Jahre im Amt sind eine lange Zeit. Eine Menge Probleme stürzten in den Jahren auf Sie ein. Würden Sie, mit dem Kenntnisstand von heute, noch mal Oberbürgermeister werden wollen?

Peter Dresler: Noch mal? Ein ganz klares Ja. Für Glauchau war damals, 2008, eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Einwohnern, dem Stadtrat und der Stadtverwaltung dringend notwendig. Dazu gehörten ein besseres Miteinander sowie mehr Kontinuität und Nachhaltigkeit in der Arbeit im Rathaus. Ich hoffe, dass ich einen Beitrag dazu leisten konnte und die Wähler ihre Entscheidung nicht bereut haben.

Sie sind damals - sieht man mal von Ihrer Zeit als Wendebürgermeister ab - als Neuling an die Rathausspitze gekommen. Was ist Ihre wichtigste Erfahrung in all den Jahren?

Es gibt nichts Einfaches, auch keine einfachen Antworten auf scheinbar einfache Fragen.

Um es nicht ganz so kompliziert zu machen: Was war Ihr emotionalster Moment während der zehnjährigen Amtszeit?

Während des Hochwassers 2013 war für Montag, den 3. Juni gegen 11 Uhr, der höchste Pegelstand der Mulde prognostiziert worden. Sowohl Jerisau als auch das Umspannwerk waren bereits seit zwei Tagen akut gefährdet und Tausende Glauchauer und Einsatzkräfte kämpften gegen die Gefahren der drohenden Dammbrüche. In der Nacht zu jenem Montag hatten wir in der Einsatzleitung die Entscheidung darüber zu treffen, ob wir den Jerisauer Deich notöffnen und zuvor den Ort evakuieren sollen. Dank des unermüdlichen Einsatzes aller Kräfte wurde dies verhindert. Personen kamen während des Hochwassers 2013 nicht zu Schaden. Ich bin heute noch allen, die damals geholfen haben, sehr dankbar.

Was war Ihre größte Niederlage?

Da ist die Antwort nicht einfach. Ich zitiere Vincent van Gogh, der hat mal gesagt: Das Gelingen ist manchmal das Endresultat einer ganzen Reihe missglückter Versuche. Eine Beurteilung dessen, was eine Niederlage war, steht mir eher nicht zu.

Aber es gab sicherlich Vorhaben, die nicht so wie gewünscht umgesetzt werden konnten.

Nachdem der Zweckverband das Abwasserbeseitigungskonzept einstimmig beschlossen hatte, ist es nicht gelungen, alle Grundstücke, bei denen es technisch möglich war, an das zentrale Netz anzuschließen. Die Landesdirektion als Rechtsaufsicht hatte erhebliche Einwände, sodass der Investitionsplan abgespeckt werden musste. Das war eine Niederlage, wenn Sie so wollen.

Zurück zur Gegenwart. Momentan wird über den Haushalt 2019/20 diskutiert. Was sind die finanziellen Herausforderungen, vor der die Stadt Glauchau steht?

Wir konzentrieren uns im nächsten Doppelhaushalt auf mehrere Schwerpunkte: die Sicherung von Arbeitsplätzen, die Sanierung und Instandsetzung von Schulen und Kindergärten, die Unterstützung der Feuerwehr und auf den Wiederaufbau nach dem Hochwasser 2013. Hinzu sind drei neue Fördergebiete gekommen. Unsere weiteren Problemfelder sind hinreichend bekannt.

Der Bismarckturm zum Beispiel, wie geht es da weiter?

Der erste Bauabschnitt wird beendet, das heißt, neben der Sanierung der Rotunde und der Decke im Inneren werden auch die lockeren Steine an der Fassade befestigt. Danach wird das Gerüst abgebaut. Wir sprechen mit den Bundestagsabgeordneten, um Fördermöglichkeiten für weitere Baumaßnahmen zu erschließen.

Eine weitere finanzielle Herausforderung wartet auf die Stadt im Umgang mit der Palla-Brache. Einerseits soll sie abgerissen werden, andererseits sucht die Stadt nach Investoren. Wie lange lässt sich die Hängepartie durchhalten?

Die Lage ist so. Der Stadtrat hat den Abriss unter der Prämisse beschlossen, dass die Stadt dafür Fördermittel beantragt. In der Zwischenzeit sollte nach Vermarktungsmöglichkeiten gesucht werden. Wir werden nun den Fördermittelantrag stellen. Wenn er positiv beschieden wird, legen wir dem Stadtrat die Entscheidung zum Abriss erneut vor. Derzeit würde ein Abriss etwa 1,1 Millionen Euro kosten. Im Falle einer Sanierung wäre die Stadt mit einem Drittel der Kosten dabei, da reden wir über mehrere Millionen Euro. Keine leichte Aufgabe für eine Kommune und auch nicht für einen privaten Investor, dessen Investition in das Objekt sich refinanzieren muss.

Die Stadt hat im vergangenen Jahr für viel Geld das alte Arbeitsamt an der Hoffnung gekauft. Welche Pläne werden damit verfolgt?

In dem Bereich Hoffnung/Gewerbegasse steht eine zusammenhängende Fläche von etwa 7500 Quadratmetern zur Verfügung. Innerstädtisch gibt es kein vergleichbares Flächenpotenzial. Wir streben eine komplexe Bebauung und Nutzung mit Einzelhandel und Wohnungen an. Erst seit Kurzem gehören uns alle dafür relevanten Grundstücke, sodass wir jetzt richtig einsteigen können.

Wie lang wird das in etwa dauern?

Ich denke, dass in zwei bis drei Jahren das Areal umgebaut sein kann.

Momentan wird kräftig in das Schloss und dessen Umfeld investiert. Doch zum Glauchauer Kulturleben gehört auch das Stadttheater, das, so wie das Schloss auch, im Fördergebiet "Städtebaulicher Denkmalschutz" liegt. Welche Pläne gibt es, um das Haus dauerhaft als Stadttheater zu halten?

Das ist unbestritten eine große Herausforderung, die uns sicherlich in den kommenden zehn Jahren beschäftigen wird. Darüber werden wir im Stadtrat diskutieren. Das Stadttheater ist eines der wenigen kommunalen Veranstaltungshäuser im Landkreis, die in diesem Umfang und in dieser Vielfalt noch ein kulturelles Angebot unterbreiten. Um das zu erhalten, müssen wir baulich etwas tun.

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