NS-Gedenktafel soll Gedenkstätte werden

In Hohenstein-Ernstthal ist eine Tafel, die an das Leid von KZ-Häftlingen erinnert, derzeit nicht voll zugänglich.

Hohenstein-Ernstthal.

Von Dezember 1944 bis April 1945 gab es in Hohenstein-Ernstthal am Schützenhaus ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg in Nordostbayern. Über 400 vorwiegend jüdische Häftlinge waren hier eingesperrt. Laut dem Chronisten Wolfgang Hallmann waren sie in die Stadt verlegt worden, um in einer Fabrik an der Antonstraße Zwangsarbeit zu leisten. Einige von ihnen starben an Entkräftung, ehe im April 1945 die verbliebenen Häftlinge auf Todesmärsche geschickt worden. An dieses dunkle Kapitel erinnert eine kleine Gedenktafel, die im Hot-Sportzentrum zwischen Turnhalle und Kunstrasenplatz steht.

Die Stadtratsfraktion von Die Linke/Pro Hot" fordert nun, dass es eine besser sichtbare Gedenkstätte als die jetzige gibt. "Leider ist dieses Areal nicht dauerhaft für alle Menschen zugänglich, was aus verschiedenen sachlichen Gründen richtig erscheint", heißt es in einem Antrag, den Fraktionschef Alexander Weiß bei der Stadtverwaltung eingereicht hat. Darin wird nun vorgeschlagen, eine Gedenkstätte im Areal vor dem Schützenhaus zu errichten, um an die Schrecken der NS-Herrschaft zu erinnern. Das sei auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nötig. Es darf kein Vergessen geben, fordert Alexander Weiß, der beispielsweise in den NSU-Verbrechen oder fremdenfeindlichen Aufmärschen während der Flüchtlingskrise bestätigt sieht, dass es noch immer Gedanken und Ideologien vergangenen Zeiten in den Köpfen einiger Menschen gibt.

In der nächsten Stadtratssitzung, die am 26. Mai im Schützenhaus geplant ist, soll der Stadtrat laut dem Antrag der Fraktion Die Linke/Pro Hot nun über eine neue Gedenkstätte diskutieren. Nach einer Entscheidung müsste die Verwaltung prüfen, welche Fördermittel es für ein solches Vorhaben gibt. Danach könnte die Stadt laut Weiß dann im nächsten Doppelhaushalt Geld für das Projekt einplanen. Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU) teilte am Donnerstag mit, dass die Thematik bereits im Verwaltungsausschuss diskutiert wurde und auf der Tagesordnung der nächsten Ratssitzung stehen wird. "Als die Tafel am jetzigen Standort aufgestellt wurde, gab es ja Diskussionen und Gründe, warum sich für diese Stelle entschieden wurde", sagt er. Normalerweise sei das Areal tagsüber zugänglich, nachts aber nicht. Das diene unter anderem dem Schutz vor Vandalismus. "Das Gedenken ist uns sehr wichtig. Das zeigen ja auch unsere regelmäßigen Veranstaltungen an verschiedenen Stellen in der Stadt", sagt Kluge.


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