Nur Kutschen, Fußgänger und Radler dürfen über neue Brücke

Die 1,5 Millionen Euro teure Überführung in Wernsdorf ist für Autos und Motorräder tabu. Deshalb ist nicht jeder mit dem Bauwerk zufrieden.

Wernsdorf.

Dieter Förster schüttelt den Kopf. "Für mich ist das Wahnsinn, so viel Geld und dann eine Brücke, die man nicht mit dem Auto befahren kann", sagt der Glauchauer Senior. Früher, als die alte Überführung noch stand, da konnten Autos passieren. Er meint die neue Brücke über die Zwickauer Mulde im Glauchauer Ortsteil Wernsdorf, die gestern Abend feierlich eingeweiht worden ist. Dazu war nicht nur halb Wernsdorf auf den Beinen, auch Bewohner des Nachbardorfes Dennheritz ließen sich das kleine Volksfest nicht entgehen.

Die Brücke ist nur für Radfahrer und Fußgänger zugelassen. Und für Pferdefuhrwerke. Ausgeschildert wird sie mit einem "Verbot für motorisierte Fahrzeuge", sagte gestern Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos). Ein Schwingungstest, der am Montagabend durchgeführt wurde, habe ergeben, dass Pferdefuhrwerke ohne Probleme passieren können. Das wiederum habe zur Folge, dass die Gespanne keine Ausnahmegenehmigung brauchen und demzufolge auch keine Kosten anfallen, wenn sie über die neue Brücke fahren wollen. "Es gibt keinen Brückenzoll", sagt Dresler. Doch Senior Dieter Förster bleibt dabei: Die Brücke ist für ihn Murks, raugeschmissenes Geld.

Und auch der Dennheritzer Bürgermeister Frank Taubert sieht die Sache skeptisch. "Wir haben uns eine andere Brücke vorgestellt, doch die Stadt Glauchau hat anders entschieden.", sagte er.

Beschlossen wurde, dass die neue Brücke, deren Bau nach dem Hochwasser 2013 erst möglich wurde, für Fußgänger und Radler ausgelegt sein soll. Und so hat es die Stadt schließlich umgesetzt. Der Abriss und das Neubauvorhaben der Muldenbrücke Wernsdorf haben Ende März 2016 begonnen.

Die Gesamtkosten liegen nach Angaben der Stadt Glauchau bei etwa 1,5 Millionen Euro. Das Vorhaben ist Bestandteil des Wiederaufbauprogramms nach dem Hochwasser 2013 und wurde zu 100 Prozent durch Bund und Land gefördert. Im Laufe der Arbeiten kam es jedoch zu erheblichen Verzögerungen. Denn ursprünglich sollte die Brücke im Oktober 2016 fertig sein. Die Stadt nennt statische Probleme und schlechtes Wetter als Ursachen für den Zeitverzug von einem Dreivierteljahr. Hinzu seien weitere Arbeiten gekommen, wie zum Beispiel der Bau der Zufahrt ab Sportplatz.


Das Betonwerk in Zahlen

Die neue Spannbetonbrücke erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 110 Metern, drei Metern Breite und wird von zwei Pfeilern gestützt. Nach dem Abriss im April 2016, dabei sind 275 Kubikmeter Beton, 30 Tonnen Stahl, 300 Quadratmeter alter Asphalt und 230 Meter Geländer entsorgt worden - erfolgten die Spundwandgründungen und der Bau der Widerlager. Im Spätherbst wurden dann die Brückenteile montiert. Dem schlossen sich im Frühjahr Abdichtungsarbeiten an. (sto)

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