Otto Schimmel prägte Glauchau wie kaum ein anderer

Vor 130 Jahren ist der Bürgermeister und Jurist geboren worden. In seine Amtszeit fallen gravierende Veränderungen im Stadtbild, die heute noch zu sehen sind.

Glauchau.

Er war gerade 40 Jahre alt, als ein Schlaganfall ihn das Leben kostete. Doch die Frage danach, was er noch alles in Glauchau hätte bewegen können, ist müßig zu beantworten und gehört in das Reich der Spekulation. Nein, Otto Schimmel hat zu Lebzeiten als Glauchauer Bürgermeister der Stadt das Gesicht gegeben, das es heute in Teilen noch hat. Das ist umso erstaunlicher, weil Schimmels Amtszeit als Stadtoberhaupt von 1921 bis 1930 in eine Zeit wirtschaftlicher, politischer und sozialer Schwierigkeiten und "von Krisen gekennzeichneten Abschnitt der deutschen Geschichte" fiel, wie der Glauchauer Museologe Robby Joachim Götze ausdrückt.

In seine Amtszeit fielen unter anderem die Erschließung des Scherberges zu einem Wohnstandort und der Bau der Scherbergbrücke. Sie verbindet seit 1923 den drei Jahre später gebauten Bahnhof mit der Innenstadt bis heute. Weitere prägende Bauten sind das heutige Polizeirevier, das Stadttheater in seiner jetzigen Form, das Kino südlich der Scherbergbrücke, das Sommerbad. Und, nicht zu vergessen, 1927 und 1928 entstanden die repräsentativen Gebäude der Textilfirmen Bößneck und Meyer sowie Ernst Seifert. Doch mit dem Bau der Flutrinne hat sich Otto Schimmel ein richtiges Denkmal setzen können, auch wenn er die Fertigstellung der gut drei Kilometer langen Flussumleitung, die die Stadt seitdem vor Hochwasser wirksam schützt, im Jahr 1932 nicht mehr erleben durfte.


Am 14. April 1889 wurde Otto Schimmel in Zwickau als Sohn eines Lehrers geboren. Er studierte in Greifswald und Leipzig, hatte mit Glauchau damals offenbar noch nichts am Hut, und wurde Doktor der Rechtswissenschaften. Als 28-Jähriger schließlich wurde er in der Stadt Glauchau als Jurist und Stadtrat eingestellt und leitete die Geschicke der Stadt ab 1921 als Bürgermeister, ab 1928 als Oberbürgermeister. Er heiratete 1917 die Schwester von Paul Geipel, Lina Luise Geipel. Das sollte sich in späteren Jahren als sehr bedeutungsvoll für Glauchau herausstellen. Denn die großzügige Schenkung Paul Geipels an das Glauchauer Museum - es handelt sich um mehrere tausend Exponate - erfolgte im Gedenken an den viel zu früh verstorbenen Schwager Geipels, nämlich an Otto Schimmel.

Dabei kam Otto Schimmel im Zuge heftiger Auseinandersetzungen um seinen Vorgänger, Paul Brinck, auf den Bürgermeisterstuhl. Nachdem Brinck 1920 die Kapp-Putschisten unterstützt hatte, folgte eine anderthalbjährige Auseinandersetzung zwischen dem Stadtrat und dem damaligen Bürgermeister, die schließlich darin mündete, dass Brinck in den Ruhestand trat und Schimmel zum Bürgermeister gewählt wurde. Der Glauchauer Hobbyhistoriker Jens Hummel hat sich intensiv mit der Glauchauer Zeit von 1914 bis 1924 beschäftigt und darüber ein Buch geschrieben.

Nach dem plötzlichen Tod Otto Schimmels wurde Walter Flemming Stadtoberhaupt von Glauchau. Er war es bis 1945.

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