Palla-Brache wird länger stehen bleiben

Das Landratsamt hat der Stadt Glauchau die Abrissgenehmigung versagt. Sie begründet das mit der Bedeutung des Gebäudekomplexes und der gut erhaltenen Bausubstanz. Doch die Entscheidung hat Konsequenzen.

Glauchau.

Erst hat Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) es den Stadträten nicht öffentlich gesagt, jetzt hat er es gegenüber der "Freien Presse" bestätigt: Die denkmalgeschützte Industriebrache Palla an der Otto-Schimmel-Straße und am Scherbergplatz darf nicht abgerissen werden. Die Untere Denkmalbehörde im Landratsamt hat nach Dreslers Worten die von der Stadt als Eigentümerin eingereichte Abrissgenehmigung abgelehnt.

Das hat Konsequenzen: Ohne Genehmigung ist der Abriss nicht finanzierbar, denn "die avisierten EU-Fördermittel können nicht mehr zur späteren Verfügung bereitgehalten werden", sagte Dresler. Ob es jenseits des Zeithorizontes von fünf Jahren erneut eine Fördermöglichkeit für den Abriss geben wird, lasse sich nicht voraussagen.

Die Ablehnung des Antrages erfolgte laut Landratsamt per Bescheid am 26. November. Wie Landkreissprecherin Ilona Schilk sagt, werde die Ablehnung mit der bau- und nutzungsgeschichtlichen Bedeutung des Denkmalobjektes als Zeitzeuge der westsächsischen Textilindustrie und der gut erhaltenen Bausubstanz der Gebäude begründet. Mit dieser Entscheidung würdige die Landkreisbehörde "das überwiegend öffentliche Interesse an dem Erhalt des Denkmals". Gegen die Entscheidung der Denkmalbehörde, so kündigt Dresler an, will die Stadt fristgerecht in Widerspruch gehen. "Sie muss dies sogar tun", fügt er hinzu. Die Stadt sei weder zum jetzigen Zeitpunkt noch im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung wirtschaftlich in der Lage, die Sanierung "aus eigener Kraft oder auch nur eine Co-Finanzierung möglicher Städtebaufördermittel zur Begleitung einer privaten Sanierung" zu stemmen. Das Problem entstehe bereits bei der Sanierung auch nur eines Teiles des Gebäudebestandes. Übersetzt heißt das: Im aktuellen Doppelhaushalt der Stadt und in der dazugehörigen mittelfristigen Finanzplanung ist für eine Sanierung des Gebäudekomplexes - ganz oder teilweise - kein Geld eingeplant. Lediglich für den Abriss stehen finanzielle Mittel im Plan. Lässt sich das umschichten?

Das setzt politischen Willen voraus. Der nächste Doppelhaushalt für die Jahre 2021/22 wird aber erst im kommenden Jahr diskutiert. FDP-Stadtrat Nico Tippelt fragte zur letzten Ratssitzung an, ob aktuell mit Interessenten für die Palla Gespräche laufen. Das bejahte Oberbürgermeister Dresler, bei einigen sei er persönlich dabei. Konkret wurde er nicht.

Doch welcher Kraftaufwand für Investor, Fördermittelgeber und Stadt mit dem Erhalt städtebaulich wertvoller Bausubstanz im Zuge einer Sanierung verbunden ist, lasse sich am Beispiel der Sanierung des Gebäudebestandes Markt 8/Schulplatz 1 nachvollziehen.

Sebastian Dämmler von der Initiative "Industriekultur-Ost", die gemeinsam mit dem Denkmalverein die Petition zur Palla-Rettung durchführte, hatte im Interview mit der "Freien Presse" gesagt, dass sich die Stadt Glauchau hinsichtlich der Palla auf eine Linie einigen müsse: Abriss oder Erhalt. Für Investoren sei es eine Grundvoraussetzung, dass "die Stadt Glauchau zu dem Bauwerk geschlossen steht", meinte Dämmler.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...