Peter Schönhoff und das alte Tetzner-Foto

Die Geschichte zweier Künstler, die ihren Überzeugungen treu blieben. Der eine seinem Glauben, der andere seiner Moral.

Glauchau/Gersdorf.

Vielleicht ist das das Geheimnis des Alters, vielleicht wird man so wirklich richtig alt. Peter Schönhoff (82) legt sich jeden Mittag zwei Stunden ins Bett und schläft wie ein Stein. "Danach brauche ich aber unbedingt einen doppelten Espresso", sagt er. So hält es der bekannte Künstler aus Niederschindmaas schon seit vielen Jahren.

Peter Schönhoff kramt auch gern mal in seinen alten Fotoalben, zuletzt erst Anfang der Woche, nachdem am Sonntag in Zwickau in der Galerie am Domhof eine große Ausstellung mit Bildern von Heinz Tetzner (1920 bis 2007) aus Gersdorf aus Anlass dessen 100. Geburtstages eröffnet worden ist. "Tetzner gehörte zu den besten deutschen Künstlern seiner Zeit, aber auch zu denen, die am meisten verkannt wurden", sagt Schönhoff. Er suchte in einem seiner Fotoalben nach einem alten Bild, das Tetzner im Kreise eines Zeichenzirkels zeigt und das Schönhoff einst selber aufgenommen hat. Und irgendwo tauchte die Fotografie auf.

Sie stammt aus dem Jahre 1968. Zeichenlehrer Johannes Feige hatte in der LPG in Ebersbach ein paar Zeichenschüler um sich geschart, die Hühner und Gänse und Enten malten. Mit dabei waren auch Heinz Tetzner, der damals als Künstler schon einen großen Namen hatte, und eben Peter Schönhoff, der damals im Kreiskabinett für Kulturarbeit beschäftigt war. "Es war unsere erste Begegnung", erinnert er sich. "Tetzner war ein ruhiger und besonnener Mann."

Schönhoff, der aus Breslau stammt, entwickelte Sympathie für Tetzner. Der hatte zwar schon große Auszeichnungen bekommen wie zum Beispiel den renommierten Max-Pechstein-Preis. Aber Tetzner war, weil er den Zeugen Jehovas angehörte, in der DDR ein Geächteter. "Dazu kam, dass Tetzner Expressionist war und kein Vertreter des sozialistischen Realismus. Aber die Funktionäre hatten keine Ahnung, was richtige Kunst ist. Bei den meisten hing Kitsch über dem Sofa", erzählt der Niederschindmaaser.

"Heinz Tetzner hat immer zu seinen Überzeugungen gestanden", so Schönhoff weiter. Ähnlich war es bei Schönhoff selber. Er wurde zwar Mitglied der SED, aber 1977 sprach er sich auf einer Parteiversammlung gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus. Als er der Aufforderung nachkam, das auch noch einmal schriftlich zu tun, landete er auf dem Kaßberg in Chemnitz in dem berüchtigten Stasi-Gefängnis und wurde aus der SED ausgeschlossen. Danach arbeitete Schönhoff in einer Molkerei als Anstreicher - bevor er freiberuflicher Künstler wurde. Nach der Wende leitete Museums und Kunstsammlung von Schloss Hinterglauchau und schrieb zwei Romane,

Mit Tetzner blieb Peter Schönhoff immer lose in Verbindung. Einmal bekam er ein Geschenk von ihm. Der Kunstfarbdruck mit dem Titel "Katze" hat er heute noch.


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