Petition: Glauchauer sollen die Palla-Brache retten

Gemeinsam mit dem Glauchauer Denkmalverein will die Initiative Industriekultur Ost die denkmalgeschützte Brache retten. Dafür werden Unterschriften gesammelt. Kann das Stück Stadtgeschichte doch noch gerettet werden?

Glauchau.

Jens Casper hat Interesse gezeigt, als er vom geplanten Abriss erfuhr. Der Stuttgarter hat, nachdem er Bilder der Palla-Brache in Glauchau gesehen hatte, mit der Stadt Glauchau Kontakt aufgenommen und Interesse bekundet. "So etwas kann man nicht abreißen", sagte er am Freitag zur "Freien Presse". Das sei Industrie-Geschichte, Identifikation. Der Inhaber des Unternehmen Planbau Schwaben, das sich auch mit denkmalgeschützten Industriebauten beschäftigt, würde sich für die Palla in Glauchau durchaus interessieren, wenn er mehr über die brandschutztechnischen Belange wüsste. Da sei er in Gesprächen mit der Stadt noch nicht weiter gekommen. Deshalb habe er das Vorhaben erst einmal bei Seite geschoben. "Brandschutztechnische Ertüchtigungen von Stahlbetondecken, die möglicherweise bei solchen Gebäuden notwendig werden können, sind extrem teuer", sagt Casper, der dennoch empfiehlt, die Palla stehen zu lassen.

Doch wie kommt ein Stuttgarter ausgerechnet auf die Palla in Glauchau? Casper ist Mitglied im Verein Stadtbild Deutschland. Und dort hat er von Glauchau und den Abrissplänen erfahren. Mit der Initiative Industriekultur Ost - ein Zusammenschluss von ehrenamtlich Tätigen, die sich mit den Industriebauten hierzulande beschäftigen und im Internet eine Datenbank erstellt haben - kam der Schwabe in Kontakt. Diese Initiative hat sich nun mit dem Glauchauer Denkmalverein zusammengeschlossen, um eine Petition für den Erhalt der Palla-Brache an der Otto-Schimmel-Straße zu starten. "Die Nachricht vom geplanten Abriss ging an uns nicht spurlos vorüber", sagt Sebastian Dämmler von der Initiative Industriekultur Ost. "Für die Stadt und die Einwohner ist die Palla wichtig, die kann man nicht so einfach abreißen", fügt er hinzu.


Für die Petition sollen Unterschriften gesammelt werden - Zielgröße so um die 600 bis 700. "Mehr wäre natürlich besser", sagt Dämmler. In Gesprächen mit Glauchauern habe er gespürt, dass den Bewohnern die Palla irgendwie am Herzen liege - nicht zuletzt beim Konzert im Meyer-Bößneck-Haus, das am 30. Juni im Rahmen des Stadtfestes aufgeführt wurde, sei dies deutlich geworden.

Am Mittwoch soll die Aktion in Glauchau starten. "An diesem Tag eröffnen wir am Markt 20 unser neues Domizil", sagt die Vorsitzende des Denkmalvereins Monika Hanns. Die Unterschriftenaktion, die mit Plakaten, Werbekarten und dem Motto "Rettet die Palla" begleitet werden soll, wird zweigleisig laufen - im Internet auf der Plattform "Open Petition" und ganz konventionell mit Listen und Kugelschreiber. Im Moment wird laut Hanns alles vorbereitet. "So etwas muss schließlich Hand und Fuß haben", sagt sie. Die Aktion soll bis zum Denkmaltag im September laufen. Die Unterschriften werden dann der Stadt übergeben. Erstes Ziel sei es, dass der Petitionsausschuss zusammentritt und den Stadtratsbeschluss zum Abriss aufhebt.

Diesen Beschluss hatten die Stadträte im Mai 2012 gefasst. Es handelt sich dabei um eine Art Doppelbeschluss. Zum einen wurde die Stadtverwaltung beauftragt, den Komplettabriss der Palla vorzubereiten, zum anderen sollte die Wirtschaftsförderung der Stadt weiter nach Investoren suchen. Bislang vergeblich. Im Frühjahr 2019 gab es Hoffnung. In Gesprächen mit der Stadt, so hatte es damals Oberbürgermeister Peter Dresler gesagt, habe sich Interesse für die Palla herauskristallisiert. Daraufhin schrieb die Stadt den gesamten Komplex zum Verkauf aus. Ein Angebot ging ein, doch nach Angaben der Stadt war es nicht zuschlagsfähig, sodass ein Verkauf nicht zustande kam. Daraufhin hat die Stadt den Fördermittelantrag für den Abriss eingereicht.

www.industrie-kultur-ost.de

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