Pfarrer Pohle: Abschied von der Kanzel

Zieht ein Pfarrer über sein Berufsleben Bilanz, gibt es viele Aspekte: menschliche, geistliche, bauliche. So wie bei Ralph-Eckehardt Pohle, der jetzt in Glauchau verabschiedet wurde.

Glauchau.

Der hellblaue Innenanstrich der Wernsdorfer St.-Anna-Kirche bringt Ralph-Eckehardt Pohle immer noch zum Lächeln. "Dort oben stand der Kirchenvorstand, da drüben der staatliche und da vorn der kirchliche Denkmalpfleger. So sollte die Kirche aussehen? Unmöglich! Als dann der Anstrich dran war, waren alle angetan: So was Schönes! So festlich... Eine lehrreiche Sache!"

Man könne daraus lernen, dass man gut auf andere hören und sich nicht vorschnell verschließen sollte, sagt Pohle. Am vergangenen Sonntag ist er in der Glauchauer Lutherkirche in den Ruhestand verabschiedet worden. In Wernsdorf war er diese Woche trotzdem noch zugange. Und die nähere Zukunft hat er schon ausgeplant.

Ralph-Eckehardt Pohle, geboren am letzten Tag des Jahres 1954 in Lutherstadt Wittenberg, war der Pfarrerberuf nicht in die Wiege gelegt. Keine familiäre Vorprägung, aber eine christliche Mutter und ein offenes Pfarrhaus im heimatlichen Dorf auf der linken Elbseite: "Küsterdienste, junge Gemeinde, so bin ich hineingewachsen." Das war Anfang der 1970er-Jahre, "höchst interessante Zeiten". Theologiestudium in Berlin, Ordination im Magdeburger Dom durch Bischof Werner Krusche am ersten Advent 1980. Pohles erste Pfarrstelle lag nördlich von Magdeburg. Als er sich danach neu orientierte, kam er nach Sachsen.

In seiner alten Stellung war Pohle Kreisjugendpfarrer gewesen, und in Rodewisch wurde 1986 ein zweiter Pfarrer gebraucht, der die Jugendarbeit übernimmt. Pohle griff zu. Das Jugendhaus, das sich die Gemeinde damals schuf, besteht noch heute. Auch die seelsorgerische Arbeit beschäftigte ihn in jenen DDR-Jahren intensiv. "Vor der Wende kam die Ausreisewelle, da bedurfte es vieler Gespräche." Mitten in der Zeit des Umbruchs und der Wiedervereinigung war dann der Kollege weg, und Pohle hatte den Übergang zu neuen Strukturen für zwei Jahre im Alleingang zu bewältigen: "Das war hart. Ich bin schließlich Prediger, kein Verwaltungsonkel!" Mitte der neunziger Jahre wechselte Pohle selbst auf die Stelle des ersten Pfarrers und blieb der Jugendarbeit treu, solange er in Rodewisch war. Und die vom Schwamm befallene Petrikirche wurde letzten Endes, mittels tatkräftiger Hilfe eines noch zu Pohles Zeiten gegründeten Fördervereins, vor dem Untergang gerettet.

Der Pfarrer wechselte zur Jahrtausendwende nach Waldheim und Grünlichtenberg - "aufregende Zeiten", in Waldheim stand die große Stadtkirche in Reparatur. Zu Pohles Aufgaben gehörte es auch, die städtische und die dörfliche Gemeinde als Schwesternverbund zusammenzuführen - was anfangs nicht einfach gewesen sei, später aber gut funktionierte. Ein Motiv, das sich in seinem weiteren Werdegang wiederholen würde. "Damals habe ich gelernt: Über Schwierigkeiten, die man gemeinsam überwunden hat, wächst man enger zusammen."

2003 wechselte Ralph-Eckehardt Pohle aus familiären Gründen nach Wilkau-Haßlau, wo er fünf Jahre blieb. "Dort habe ich die intensivsten Predigthörer meiner gesamten Laufbahn gehabt", sagt er im Rückblick. 2008 schließlich der letzte Wechsel, zur Glauchauer Luthergemeinde und den Schwestergemeinden in Wernsdorf und Schlunzig: "Eine richtige Entscheidung. Darüber bin ich sehr froh!"

Die langjährige Sanierung der Wernsdorfer Kirche samt ihres himmelblauen Innenanstrichs war ein Schwerpunkt dieses Abschnitts, der mit dem Abschiedsgottesdienst vergangenen Sonntag zu Ende ging. Pohle betreute zunächst die Luthergemeinde in Glauchaus Unterstadt sowie die Dorfgemeinden in Wernsdorf und Schlunzig. Später übernahm er auch seelsorgerische Aufgaben in der Glauchauer Georgengemeinde. Die Zusammenführung vor allem der Glauchauer Stadtgemeinden trieb ihn jahrelang um: "Da gab es Vorbehalte auf beiden Seiten, die reichten beinahe hundert Jahre zurück!" Mit Pfarrer Matthias Große habe er sich "hervorragend ergänzt". Diese Zusammenarbeit sei ein "Geschenk" gewesen.

Anfang 2017 haben sich die Luther- und die Georgengemeinde sowie die Wernsdorfer als Schwestergemeinden zusammengetan. Pfarrer Pohle hätte auch Schlunzig gerne im Verbund gesehen, er warb dafür mit Engelszungen. Die Schlunziger entschieden sich für Dennheritz-Niederschindmaas. Den Glauchauer Zusammenschluss wertet Pohle als sinnvoll und Erfolg versprechend. "Der Kirchenvorstand arbeitet gut zusammen, vor Ort kümmern sich Ausschüsse um konkrete Erledigungen. Gemeinsame Rüstzeiten, Tagungen - da findet jeder sich wieder." Auf höherer Ebene bahnen sich weitere Strukturveränderungen an: Die Aufteilung des Kirchenbezirks Glauchau-Rochlitz, die Erweiterung von Schwesterverbünden. Freiwerdende Pfarrstellen schaffen Probleme, aber auch Möglichkeiten.

Dass es um den Nachwuchs für seinen Beruf derzeit eher schlecht bestellt ist, kann Ralph-Eckehardt Pohle zum Teil nachvollziehen: "Jede Zeit hat ihre Schwierigkeiten, das war in der DDR so, das ist heute so. Pfarrer ist man den ganzen Tag. Da haben jüngere Leute manchmal Erwartungen, die nicht erfüllbar sind." Dankbar und glücklich mache ihn aber, dass zwei frühere Konfirmanden Pohles heute selbst Pfarrer sind.

Pohles künftiger Lebensmittelpunkt liegt am Chemnitzer Stadtrand. In Euba hat er schon Vertretungsdienste bis Jahresende ausgemacht. Stärker als bisher will er sich theologischen Studien (über Kirche und Judentum), dem Chorgesang und der Gartenarbeit widmen.

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