Polizisten mit Luftgewehr bedroht - Großeinsatz

Nachbarn in Zschöpel mussten am Sonntag ihre Häuser verlassen

Für Sie berichtet: Ronny Schilder

Von einem friedlichen Sonntagnachmittag im Dorf konnte am Wochenende in Zschöpel, Ortsteil von Ponitz mit 110 Bewohnern, keine Rede sein. Der Einsatz eines Sonderkommandos der Polizei sorgte stundenlang für Aufregung. Menschen mussten ihre Häuser verlassen, Ansagen per Megafon schallten durch den Ort. Erst gegen neun Uhr abends war der Spuk vorbei und der Verursacher dingfest gemacht.

Was war geschehen? Nach Angaben der Polizei fiel ein 56-jähriger, offenbar alkoholisierter Autofahrer an der Tankstelle in Gößnitz einer Frau auf, die das Kennzeichen des Fahrzeugs bei der Polizei meldete. Als Fahrer wurde ein Bürger aus Zschöpel identifiziert, der dort allein ein Einfamilienhaus an der Bergstraße bewohnt. Als zwei Polizisten ihn am Sonntagnachmittag aufsuchten - der Motor seines Wagens war nach Aussage eines Zeugen noch warm -, empfing sie der 56-Jährige mit der Waffe in der Hand. Einem Luftgewehr mit Diopter-Visier, wie sich später herausstellte.

Die beiden Polizisten räumten vorläufig das Feld. Aus Erfurt kam Unterstützung: das Spezialeinsatzkommando und die Verhandlungsgruppe. Der Ponitzer Bürgermeister Marcel Greunke (CDU), der umgehend nach Zschöpel eilte, berichtet: "Die Nachbarn mussten ihre Häuser verlassen. Die Polizei ging sehr umsichtig vor. Für die Anwohner bestand keine Gefahr. Der Mann lebte allein, zurückgezogen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Leute im Ort ihm zutrauen würden, dass der mit schweren Waffen hantiert."

Nach mehreren vergeblichen Kontaktversuchen gelang es den Spezialkräften gegen 20.45 Uhr, den Gesuchten dingfest zu machen. Gegen ihn werde wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und Bedrohung ermittelt, so die Polizei. Laut "Ostthüringer Zeitung" soll er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden sein.

Für Bürgermeister Greunke war es der zweite Vorfall binnen kurzer Zeit. Vor zwei Wochen hatte ein Jugendlicher mittels einer Bombenattrappe für Aufregung gesorgt. "Man sollte denken, dass wir hier relativ verwöhnt sind, was die Sicherheit betrifft. An solchen Tagen kommen Zweifel", sagte Greunke am Montag.

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