Praktikant aus dem Iran hat den "grünen Daumen"

Das Projekt der Kreisnaturschutzstation Gräfenmühle hat Fahrt aufgenommen. Die hiesigen Landschaftspfleger wollen Migranten und Asylsuchenden eine Perspektive in grünen Berufen geben.

Neukirchen.

Gute und weniger gute Erfahrungen hat Antje-Katharina Nobst vom gleichnamigen Gartenbaubetrieb in Neukirchen/Pleiße in Bezug auf ihre Praktikanten gemacht. "Einige Kunden waren begeistert, dass wir Asylsuchenden eine Chance geben. Andere sagten glatt, dass sie hier erst wieder kaufen, wenn die ,Schwarzen' weg sind." Aber auch die Erfahrungen, die die 41-Jährige mit den Praktikanten selbst gemacht hat, waren unterschiedlich. "Man merkt schnell, wer es wirklich will und wem diese Arbeit auch liegt." Mahmoud Aghaie ist so einer. Der 52-Jährige hat den Neukirchener Gärtnern bei der Feldarbeit geholfen, Unkraut gejätet, Gemüse gepflanzt, Zwiebeln gesteckt. "So schnell und präzise, das habe ich noch nicht gesehen", lobt die Chefin den Fleiß, den der Mann während seines zweimonatigen Praktikums an den Tag legte. Den Iraner hätte Antje-Katharina Nobst gern dauerhaft in ihrem Familienbetrieb eingestellt. "Doch es gab Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung. Vielleicht klappt es aber noch. Zu einem Praktikum kann Mahmoud jederzeit sehr gern wiederkommen."

Almut Popp vom Landschaftspflegeverband Westsachsen, der Träger der Kreisnaturschutzstation Gräfenmühle ist, ist froh, dass es Praktikumsbetriebe wie den von Familie Nobst gibt. Die gebürtige Mecklenburgerin betreut Migranten und Asylsuchende aus der hiesigen Region, die durch das Projekt Perspektiven in den grünen Berufen der Land- und Forstwirtschaft aufgezeigt bekommen sollen.

Im Herbst 2017 war der Landschaftspflegeverband mit dem Vorhaben gestartet, das vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft mit rund 95.000 Euro unterstützt wird. "Unsere Praktikumsbetriebe befinden sich auch in Hohenstein-Ernstthal, in Limbach-Oberfrohna, in Schmölln und in Lauterbach", sagt Almut Popp. Idealerweise sollten die praktischen Wochen in einen festen Arbeitsplatz münden. Geeignet ist das Projekt, das der Verband in enger Zusammenarbeit mit Sozialämtern. Helferkreisen und Integrationsbüros durchführt, für Frauen und Männer zwischen 18 und 65 Jahren, die eine Bleibeperspektive haben. Derzeit haben die Neukirchener sechs Praktikanten in der Vermittlung. Sie kommen aus dem Iran, aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und der Slowakei. "Mehr wären möglich", sagt die Koordinatorin. Ein wichtiger Punkt innerhalb dieser Hilfe ist das Erlernen der deutschen Sprache. "Dazu bieten wir Kurse an", sagt Almut Popp. Bei Antje-Katharina Nobst lernte Mahmoud bei der täglichen Arbeit und beim gemeinsamen Essen ein bisschen Deutsch.

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