Rathauschef: "Leerstand überschaubar"

Es kommt Bewegung in die Meeraner Innenstadt. Läden schließen, neue machen auf, andere ziehen um. Die leeren Schaufenster werden weniger, davon ist auch der Chef des Gewerbevereins überzeugt.

Meerane.

Während in anderen Kleinstädten Südwestsachsens Läden allmählich verschwinden, den Einzelhändlern zudem Einwohnerrückgang und Landflucht zu schaffen machen, hält Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos) den Leerstand in Meerane für überschaubar. Und nicht nur das: Er sei froh, dass sich am Markt, also im Umfeld des Lebensmittelmarktes Simmel und Drogeriemarktes Rossmann, mehrere Geschäfte angesiedelt haben. "Dadurch sind wir innerstädtisch erfolgreich", betont Ungerer und verweist in dem Zusammenhang auf die vor Kurzem erfolgte Neueröffnung des Optikergeschäftes der Firma Brillenbauer an der angrenzenden Marienstraße. "Soweit wie ich weiß, stimmen offenbar auch die Umsätze in den Läden", so der Bürgermeister, der die Wirtschaftsförderung vor Jahren zur Chefsache erklärt hat.

Auch Michael Raubold vom ortsansässigen Gewerbeverein hat wenig Grund zum Klagen. Zwar räumt er ein, dass es wie in jeder anderen Kleinstadt auch die eine oder andere ungünstige Lage für Geschäftsleute gibt, dennoch sei die Stadt Meerane in Bezug auf den Einzelhandel "gut aufgestellt". So würden die Gewerbetreibenden der Innenstadt im Gegensatz zu den großen Handelsketten des Gewerbegebietes an der Autobahn vor allem auf ein Sortiment mit Nischenprodukten zurückgreifen, um Kunden zu halten.

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Das sieht Kathrin Stiller von der Zwickauer IHK-Regionalkammer ähnlich. "In den vergangenen Jahren wurde viel in die Innenstadt investiert, sodass alle wesentlichen Branchen vorhanden sind", so die Referatsleiterin für Handel und Dienstleistungen. Sie bestätigt zudem, dass sich neben Simmel und Rossmann unter anderem auch die Buchhandlung Goerke, die Apotheken, Friseur, Reisebüro und Bekleidungsläden sowie Café und Restaurant, Bibliothek, Kreditinstitut und der Sitz von Teilen der Stadtverwaltung im "Alten Rathaus" positiv auf das Kaufverhalten auswirken. So liegt laut Stiller die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in der Stadt derzeit bei 6164 Euro pro Kopf. Der sogenannte Kaufkraftindex beträgt 87 Prozent. Das heißt, die Einwohner der Stadt verfügen über 87 Prozent der durchschnittlichen Kaufkraft der Deutschen.

Darüber hinaus wird die aktuelle Verkaufsfläche mit 44.550 Quadratmetern ausgewiesen. "Das entspricht einer Verkaufsfläche von drei Quadratmetern pro Kopf. Zum Vergleich: Im Bezirk der IHK Chemnitz liegt die Pro-Kopf-Verkaufsfläche bei 1,78 Quadratmetern, in ganz Deutschland bei 1,51. Die Stadt Meerane verfügt also über doppelt so viel Verkaufsfläche pro Einwohner wie in anderen deutschen Städten. Ein großer Anteil davon liegt im A4-Center", so Stiller. Auch dort gebe es Bewegung. Laut Rathauschef Ungerer will das Schnellrestaurant Subway in die Nähe des Kreisverkehrs an die Shell-Tankstelle umziehen, wo sich eine Filiale von McDonalds befindet.

Grundsätzlich betont Stiller, dass sich aus Leerstand auch Chancen ergeben, etwas Neues auszuprobieren. "Das kann, muss aber nicht im Einzelhandel liegen", sagt sie. Als flexible Nutzungsmöglichkeiten nennt sie unter anderem Sekretariats- und Technikdienste, Konferenzmöglichkeiten und die kurzfristige Vermietung als Büro- oder Ausstellungsflächen. "Wenn sich gar keine andere Nutzung anbietet, ist immer noch die Umnutzung zu Wohnzwecken möglich", stellt Stiller klar, die ergänzt, dass dieses Thema einen kreativen Umgang erfordert. "Lösungen sind oft sehr individuell."

Ihre Meinung ist gefragt: Sind Sie mit dem Einzelhandel und dessen Sortiment in Meerane zufrieden? Zuschriften an die Lokalredaktion Glauchau, Paul-Geipel-Straße 1 in 08371 Glauchau. Zuschriften per E-Mail:

jochen.walther@freiepresse.de

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