Ruinen: Firmenchef sieht Stadt am Zug

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten macht Michael Witzke, Chef des gleichnamigen Kinderhauses in Glauchau, auf den Zustand des Nachbargebäudes aufmerksam.

Glauchau.

Fast 20 Jahre lang hat sich Michael Witzke das angesehen. Neben seinem Kinderhaus an der Meeraner Straße in Glauchau verfallen die Nachbargebäude zusehends - mitten in der Stadt. "Für die Kinder, die bei uns leben, ist das kein schönes Umfeld", sagt der Geschäftsführer des Kinderhauses Witzke GmbH, die zwei Wohngruppen mit jeweils sechs Kindern betreut.

Witzke wandte sich persönlich an den Glauchauer Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos). "Die Stadt muss etwas tun", fordert der Unternehmer. Die Nachbarhäuser seien herrenlos und stehen seit dem Jahr 2000 leer. Der Bauzustand sei dramatisch. Man könne vom Fußweg aus durch die maroden Dächer in den Himmel sehen. Oben wachsen Bäume, die mittlerweile eine Höhe von zwei Metern angenommen haben. Die Sicherung der Fassade mit einem großen Netz reiche nicht aus.

Seit dem Jahr 1995 betreibt Witzke das Kinderhaus - seit fünf Jahren als GmbH. Das Unternehmen ist Mitglied im sächsischen Landesverband der privaten Träger der freien Kinder-, Jugend - und Sozialhilfe "Wir haben 60.700 Euro Gewerbesteuer gezahlt", sagt Witzke, der nun eine Art Gegenleistung der Stadt erwartet. "Wir können hier nicht einfach wegziehen und auch ein leeres Haus hinterlassen, das wollen wir auch nicht", fügt er hinzu. Am Rande der Stadtratssitzung in der vergangenen Woche hat er ein Schreiben an den Oberbürgermeister übergeben.

Doch ob die Stadt in dieser Sache etwas unternehmen kann, ist offen. Dresler versprach zumindest, auf das Schreiben zu antworten. "Das sind Themen, die uns wehtun", sagt das Stadtoberhaupt. Dabei ist die Meeraner Straße 44 kein Einzelfall. Insgesamt sind derzeit mehr als 50 Gebäude baupolizeilich in Bearbeitung. Das heißt, die Stadt ergreift anstelle des Eigentümers Maßnahmen zur Sicherung, die mit langen Verfahrenswegen verbunden sind. 43 weitere ruinöse Gebäude stehen unter Beobachtung.

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