Sammler zeigen historische Fernseher und Musikapparate

Ein kleines, privates Museum am Glauchauer Schlossplatz gibt interessante Einblicke in die Entwicklung der Technik. Mangels Originale sind auch Geräte nachgebaut worden.

Glauchau.

Fernsehgeräte hielten in Privathaushalten in der Region erst in den 1950er-Jahren langsam Einzug. Von einer "Empfangsgenehmigung" pro 1000 Einwohner im Jahr 1955 wuchs die Zahl bis 1960 immerhin auf 60 Genehmigungen pro 1000 Einwohner.

Geräte aus dieser Zeit zeigt der Niederlungwitzer Uwe Pöschmann in einem kleinen privaten Museum in Glauchau, das er zusammen mit Philipp Ullmann als "UPhi's Musikkabinett" in Glauchau betreibt. Schwarz-Weiß-Fernseher der Marken Rafena und Staßfurt mit ihren kleinen runden Bildröhren, die aber dennoch ein helles und scharfes Fernsehbild zeigen, sind dort ausgestellt. Heute mag diese Bildqualität kaum noch jemanden begeistern, doch diese Geräte waren bereits eine immense Weiterentwicklung im Vergleich zu denen in den 1920er-Jahren. Wie die funktionierten, ist im Museum jetzt auch live zu erleben. Mechanik, Optik und eine flackernde Lichtquelle machen die Bilderwiedergabe möglich. "Das ist ein kompletter Eigenbau", sagt Uwe Pöschmann über das mechanische Fernsehgerät, das er mit viel Geduld und Detailwissen erschaffen hat. Nicht viel größer als eine Briefmarke ist das Bild, das mit seinen 32 Zeilen nur wenige Details wiedergeben kann. Aber es ist Fernsehen.

Das Gerät basiert auf einem Prinzip, das sich der deutsche Techniker und Erfinder Paul Nipkow (1860 bis 1940) bereits 1884 patentieren ließ. Doch aus der nach ihm benannten Nipkow-Scheibe, mit der Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegt werden können, schlug er kein Kapital. Denn eine praktische Anwendung entwickelte er daraus nicht. Im Jahr 1928 baute dann der Schotte John Baird auf dieser Basis ein mechanisches Fernsehgerät.

Ein paar innovative Ideen brauchte auch Uwe Pöschmann beim Nachbau seines mechanisch-elektrischen Fernsehgerätes. Als Scheibe verwendete er eine alte Schallplatte, der Elektromotor, der sie dreht, stammt aus einem Akkurasenmäher. "Viel Elektronik ist aber nicht drin", sagt der 52-Jährige, der mit einer einfachen Spannungsregelung von Hand dafür sorgt, dass sich die Scheibe im richtigen Tempo synchron dreht.

Für eine breite Zielgruppe war die Technik vor rund 90 Jahren nicht geeignet. Doch auch ein Gerät, das einen Massenmarkt hätte erschließen können, hat Uwe Pöschmann nachgebaut. Der Einheits-Fernseh-Empfänger E1 war ähnlich dem Volksempfänger bei den Radios so konzipiert, dass er für viele Haushalte erschwinglich wurde. Doch statt der geplanten 10.000 Stück wurde 1939 nur eine Nullserie von 50 Exemplaren gebaut. Fast alle wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, genauso sämtliche Unterlagen über die damals neu entwickelten rechteckigen Bildröhren, deren Qualität lange Zeit unerreicht bleiben sollte. Doch in den 1950er-Jahren ersannen Ingenieure auch in der DDR schnell wieder ausgeklügelte Geräte, egal ob im Bereich Fernsehen oder Radio.

Uwe Pöschmann stellt insgesamt rund 250 Geräte aus, alle aus der Zeit von 1925 bis 1990. Und er ist immer noch auf der Suche nach seltenen sowie besonderen Geräten, vor allem Fernsehern, die vor 1945 gebaut wurden.

Philipp Ullmanns Leidenschaft sind die Musikapparate, die aus der Zeit vor den Radios und Fernsehern stammen. Er sammelt Klaviere, die ganz allein spielen, sowie Orchestrions und Grammophone und repariert sie auch selbst. Besonders ausgeklügelte oder kuriose Geräte stehen ebenfalls in der Schau.

Das Privatmuseum befindet sich am Schlossplatz in Glauchau, neben dem Café Kretschmar. Geöffnet ist jeden ersten Mittwoch im Monat, 17 bis 19 Uhr. Führungen und Besuche außerhalb dieser Zeit können telefonisch vereinbart werden.

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