Schicksale der Vertreibung dokumentiert

Erstmals erzählen Meeraner detailliert über ihre Flucht und neue Heimat nach dem 2.Weltkrieg. Die Sonderschau im Museum soll aber auch aufrütteln und an die Opfer erinnern.

Meerane.

Sehenswert, aber keine leichte Kost: Denn das, was Johannes Groschwitz im Gespräch mit den sieben Protagonisten der neuen Sonderausstellung "Flucht und Vertreibung - Neue Heimat Meerane" aufgeschrieben hat, lässt niemanden kalt. Der 66-jährige Museumsmitarbeiter hat deren Schicksale dokumentiert und auf 20 Tafeln zusammengefasst, die ab 17.Mai der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum soll an dem Tag mit einer Gedenkstunde in der Stadtbibliothek eröffnet werden. Nicht ohne Grund: Denn Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos) zufolge sind viele Menschen während Flucht ums Leben gekommen. So hatten sich Ungerer und Groschwitz schon vor Längerem darauf verständigt, das Thema Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die 1950er-Jahre hinein mit Betroffenen aufzuarbeiten. Grund: Zu DDR-Zeiten gehörte die Tragik dieser Ereignisse wohl zu den klassischen Tabuthemen, so Groschwitz. Und Ungerer fügt an: "Erinnerung hat kein Verfallsdatum."


"Es waren Tausende, die in nach Kriegsende in die Stadt kamen", berichtet Groschwitz, der mit dieser Ausstellung an diese Menschen erinnern will. Denn auch sie hätten beim Aufbau von Meerane mitgeholfen. Mit sieben davon hat der Fachmann viele Interviews geführt, zum Teil sogar ihre einstige Heimat besucht. "Für einige war es schwierig, über bestimmte Dinge zu reden", blickt Groschwitz zurück. Denn zu tief sitzt immer noch das Erlebte: Leid, Angst, Krankheit. Schließlich meldeten sich Zeitzeugen, die dann doch viel zu erzählen hatten. Und dazu gehören Erika Schilling, Emil Thöner, Johann Richter, Heinz Lukes, Herbert Augsten und Otto Weiniger. Auch Ulrich Weidauer, Jahrgang 1960, hat bei dem Projekt mitgearbeitet, um die Erlebnisse seiner Mutter Elisabeth zu schildern. Und schließlich ist auch die Seniorin Hildegard Loos aus Lichtenstein Teil der neuen Sonderausstellung, die sich persönlich bei den Organisatoren der Ausstellung meldete. Denn bis heute lässt ihr das Erlebte - auf der Flucht vor der Roten Armee - keine Ruhe.

"Wir haben unser Leben gerettet, sind Erschießungen entkommen", erklärt Herbert Augusten. Es sei damals eine harte Zeit gewesen. Dennoch sei Meerane ein gutes Pflaster gewesen. "Denn jede Kammer in Meerane war voll mit Vertriebenen", fügt der Senior an.

Die Sonderausstellung"Flucht und Vertreibung - Neue Heimat Meerane" wird am 17. Mai, 18.30 Uhr in der Stadtbibliothek eröffnet. Danach kann die Schau im Heimatmuseum besichtigt werden. Sie ist dort bis zum 22. Juli zu sehen.

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